Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1877)
- Date
- 1877-01-30
- Page
- Seite 73 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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73 Man nimmt hebräische Participia, conjugirt sie mit dem Zeitwort „sein" und verdrängt hierdurch deutsche Wörter, z. B. „ich bin mekanne" statt „ich beneide". Es geschah dies nicht absichtlich, sondern ganz ursprünglich aus der Geläufigkeit der hebräischen Ausdrücke im Munde des Volkes. Nichts wäre irriger als die Entstehung des jüdisch-deutschen Jargons dem Verlangen zuzuschreiben , eine den christlichen Nachbarn unverständliche Sprache zu reden. In der Anwendung kommt dies wohl oster vor, aber seinen Ursprung hat er in dem geschichtlichen Leben des Volkes. Ein anderes Beispiel besteht varin, daß hebräische Wörter nicht allein deutsch flectirt werden, sondern die bereits hebräisch flectirten Wörter noch die deutsche Flection hinzufügen, z. B. Rebbessin oder ein s zur hebräischen Pluralendung. Wir verweisen alle diejenigen, welche sich über diesen Gegenstand unterrichten wollen, auf das angeführte Werk des Dr. Av«':-Lallemant, Th. 111, Vorwort S. VIII ff. S. 41—52, S. 196—537. Th. IV S. 319—513. 2oeibuncj 6ii<xc&U/cßteii/. Deutschland. Berlin, IS. Januar. Bon dem auswärtigen Amte ist an die Herren Dr. Kristeller und Dr. Goldschmidt, welche eine von der israelitischen Conferenz «Paris 11. bis 15. December 1876) zu Gunsten der Israeliten im Orient ausgearbeitete Petition im Namen der deutschen Delegirten an unsere Regierung überreicht haben, folgende Antwort ergangen: „Auswärtiges Amt Berlin, 7. Januar 1877. Der Herr Reichskanzler hat von Ew. Hochwohlgeboren gefälligem Schreiben d. d. Berlin den 31. December v. I. nebst den Anlagen, sowie von meinem Bericht über Ihre mündlich hinzugefügten Erläuterungen mit vielem Jnteresie Kenntniß genommen und die Ueberweisuvg des für die Mitglieder der Conferenz in Konstantinopel bestimmten Schriftstückes an den deutschen Vertreter angeordnet. Die kaiserliche Regierung wird gern den Wünschen hinsichtlich gleichmäßiger Berücksichtigung der israelitischen Unterthanen in der Türkei mit denjenigen anderer Confessionen ihre Unterstützung leihen, und nicht minder, falls die Verhältnisse der israelitischen Bevölkerung in Rumänien und Serbien in den Kreis der Conferenzverhandlungen gezogen werden sollten, in demselben Sinne ihre Verwendung eintreten lassen. Genehmigen Ew. Hochwohlgeboren den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung. Der Staatssecretär des auswärtigen Amtes (gez.) v. Bülow." Wenn auch die Angelegenheit der rumänischen Juden schwerlich bei der Conferenz zur Sprache kommt, so liegt doch jedenfalls in den Worten des auswärtigen Amtes eine Anerkennung, wie sehr jene der Regulirung bedarf, und auch dies schon ist von Werth. —. Man schreibt der „Köln. Ztg." von hier: Die unerhörtesten Dinge scheinen in Westphalen zur Hintertreibung der Wiederwahl des Generals v. Etzel in den Reichstag vorgefallen zu sein. Auch hier soll die orthodoxe Geistlichkeit selbst von der Kanzel herab ihren Einfluß geltend zu machen versucht haben. Sollte sich dies bewahrheiten, so würde der sogenannte Kanzelparagraph zu beweisen haben, daß er nicht nur für Ausschreitungen katholischer Geistlicher gemacht ist. General v. Etzel ist ein hochgeachteter Mann von unantastbarer Loyalität und gesinnungstreuer liberaler Richtung. Er hat sich als Vorsitzender des König-Wilhelm-Vereins große Verdienste erworben und erfreut sich bekanntlich der besonderen Gunst des Kaisers wie des Kronprinzen. Daß er in der Reichstagswahl unterliegen konnte, weil seine Gegner nichts Anderes gegen ihn vorzubringen wußten, als daß seine Mutter jüdischer Herkunft war und er selbst als Director der Kriegs-Akademie Len Profesior Dr. Lazarus als Docenten der Philosophie berief und anderweit bemüht war, die letzten Reste confessioneller Vorurtheile zu beseitigen und gegen servile und bornirte Gesinnungen anzukämpfen, das ist ein trauriges Zeichen der Zeit. Auch diese Wahl wird im Reichstag zu Debatten führen." Fttlda, im Januar. (Privatmittheil.) Am letzten Tage des vorigen Jahres verschied der Rabbiner Dr. En och. Derselbe, früher Schuldirector in Altona, bekleidete das hiesige Rabbinat über 22 Jahre. Er gab mehrere Jahre den „Zionswächter" heraus und zeichne'.e bis zu feinem Tode als Redacteur des Hildesheimer'schen Leib-Organs. Gleich einigen vor ihm Heimgegangenen orthodoxen Rabbinern hat auch er jedes -Tsorr sich verbeten. Bonn, 19. Januar. (Privatmitth.) Auf den in 3 veröffentlichten Aufruf ist bei uns bis heute eingelaufen: Die Zustimmung zu der beabsichtigten Petition seitens des Vorstandes der Synagogengemeinde Emden, sowie des israelitischen Gemeinderaihs von Saarbrücken, Sr. Johann, Malstadt, Burbach, Louisenthal, Völklingen, Dudweiler und Ringelöberg, ferner des Vorstandes der Synagogengemeinde Ems, Nordhausen, Marburg, Rheine, Arnsberg, Lübbecke. Bad Emö, 18. Januar. (Privatmitth.) Wie nothwendig die wegen des jüdischen Religionsunterrichtes beabsichtigte Petition ist, kann man aus einem erst im vorigen Jahre erflosienen Ministerialreskripte ersehen, cesien Inhalt zwar mir einem anderen, nach Breslau ergangenen übereinstimmt, der jedoch mehr in's Einzelne gehl und daher den Abdruck an dieser Stelle rathsam macht.