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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-30 · Heft 5 (30.1.1877) · p. Seite 70

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 5 (30.1.1877)
Date
1877-01-30
Page
Seite 70 (sequence 4)
Language
German
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70 Ich glaube, dieser Erlaß allein genügt, die Stichhaltigkeit meiner Angaben zu erhärten; oder hat auch der Herr Minister Vernescu das Ganze „aus der Luft gegriffen"? Was das auch Ihnen „von competenter Stelle" zugegangene Communiquö anbelangt, welches die leidige Affaire auf die Harmlosigkeit eines Schankrechts-Verbots zu reduciren bemüht ist, neben welcher es sich nur noch um die „beabsichtigte Ausweisung eines gewiffen Tanel Finkelstein" handeln würde, erlaube ich mir die ebenso entschiedene als bestimmte Behauptung, daß diese optimistische Auffasiung, gelinde gesagt, auf einer argen — Begriffsverwirrung beruht. Thalsache ist, daß mehr als zweihundertFamilien aus demDistricteVaslui vertrieben wurden, daß man ihre Habseligkeilen auf die Gasse zerstreute, daß Diejenigen, die sich durch Bitten „widersetzten", auf unmenschliche Weise — in vielen Fällen vom Prafecten selbst — mißhandelt, daß viele versperrt gefundene Wohnungen gewaltsam erbrochen und zum großen Theile demolirt, daß man kranke Personen, darunter zwei achtzigjährige Greife, deren ebenfalls bereits hochbetagte Söhne ich selbst sprach, aus den Krankenbetten riß, und daß Kinder strafweise mit Waffer begossen wurden, um sie dann dem Ersrierungstove preiszugeben, — das sind die Thatsachen in ihrer nackten Brutalität, in welchen Herr Lupasku seinen Ruhm sucht. Das sind die Thatsachen, die ich in meinen früheren Berichten vorsätzlich verschwieg, weil ich gegen das gegenwärtig verwaiste österreichisch-ungarische Consulat nicht mit aller Wucht auftreten wollte und, weil ich die vollste Ueberzeugung hatte, daß schon das Gesagte sowohl die ungarische, als die gemeinsame Regierung zu energischem Einschreiten veranlassen wird. Wenn also Ihre Aufforderung: „das österreichisch-ungarische Consulat werde die Wahrheit in vollem Umfange zu Tage zu fördern wissen" «Abendblatt des „Pester Lloyd" Nr. 3 vom 4. d. M.), kein „frommer Wunsch" bleibt, was ich übrigens entschieden bezweifle, dann wird das österreichisch-ungarische Consulat die Thatsachen mit meinen Angaben bis auf ein I-Tüpfelchen vollkommen identisch finden. Andernfalls werde ich mich bemüssigt sehen, die Namen Aller, welche von der Maßregelung betroffen wurden und in deren Besitz ich schon heute bin, aber auch die Mißhandlungen bis in die kleinsten Details der Redacrion zur weitern Berfügung zu stellen. Zum Schluffe will ich nur noch bemerken, daß Herr Lupasku trotz des citirten ministeriellen Erlasses feine Heldenthaten fortsetzte, bis neuerliche Bitten den Minister veranlaßten, Hrn. Lupasku telegraphisch hierher zu berufen. Diesem Umstande ist es zu verdanken, daß endlich ein Stillstand in der Vertreibung eintrat, und daß einige Familien des Districtes Vaslui zur Zeit, als die von der Regierung beorderte Enquete dort anlangte, von der Maßregelung noch nicht betroffen waren. Einem heute eingetrcffenen Telegramme zufolge, soll sich die Enquete nach Constatirung dieser Thatsache mit voller Ruhe nach Jassy zurückbegeben haben. Hoffentlich wird sich unser Consulat damit nicht begnügen. Bukarest, 9. Januar 1877. Der 'I'U.-Correspoudent des „Pester Lloyd". Man sucht jetzt in Rumänien Unterschriften von Juden zu reln, welche die Berichte über die Verfolgungen dementiren l. Man depeschirt hierüber: Bukarest, 17. Januar. Auf Veranlassung eines in Jassy weilenden Senators und Ex-Ministers beriefen zwei dortige Israeliten am Mittwoch eine Versammlung der jüdischen Notabeln ein, wobei namens des Obgenannten die Dementi rung des im Monde Jllustre enthaltenen Artikels nebst Abbildung (Manöver: Rumänische Soldaten werden zum Sie inwerfen auf Juden commandirt) verlangt wurde. Die Versammlung verwarf den Antrag einstimmig. Dennoch werden auf Schleichwegen Unterschriften behufs Dementirung dieses Artikels gesammelt. Außerdem hat die rumänische Regierung eine neue Untersuchungscommission an Ort und Stelle gesandt und sie will die Berichte veröffentlichen. (Man kann sich vorstellen, was da herauskommen wird. Unterdeß werden aber die Verfolgungen fortgesetzt.) Der „N. fr. Pr." wird aus Bukarest vom 16. d. geschrieben: „Schon hat das Beispiel Vasluis seine Nachahmer gefunden. Ich erfahre von bewahrter Seite, daß in einem größeren Flecken neben Tekutsch, in Podul Turcului, ähnliche Stückchen wie in Vaslui, nur in anderer Form, aufgeführt werden. Da habe nämlich eine große Anzahl Israeliten, da sie selbst nach dem humanen Spirituosen-Gesetz nicht das Recht des Verschleißes in den Ruralgemeinden haben, sich mit Christen affociirt, um unter deren Namen und mit ihnen das Gewerbe zu betreiben. Die frühere Regierung wußte davon bereits, glaubte aber das drakonische Gesetz nicht in barbarischer Weise durchführen zu müssen. Die jetzige Regierung denkt indessen anders. Demnach ist eine wahre Hetzjagd auf solche Juden, wie die genannten Schankwirthe, gemacht worden, und begnügte man sich mit dem ohnehin harten Text des Gesetzes nicht, der Confiscation der Waare und Geldstrafe bestimmt, sondern zog das ganze Vermögen der Betroffenen ein und warf sie außerdem noch in's Gefängniß." Man ist daher peinlich gespannt, wie sich diese unselige Angelegenheit weiter entwickeln wird. —. Die „N. fr. Pr." enthalt folgende Correspondenz: Vaslui, 12. Januar. Sie verlangen von mir einen Bericht über die hier stattgehabten Judenhetzen; ich will hiermit Ihrem Verlangen entsprechen und Ihnen die von unserem Präfecten in Scene gesetzte Judenverfolgung ohne Uebertreibung schildern. Als das jetzige Ministerium an's Ruder kam und für die Kammer Neuwahlen ausgeschrieben wurden, setzte Herr Neron Lupasku — Bruder jenes Lupasku, der im Jahre 1868 Juden

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