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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-30 · Heft 5 (30.1.1877) · p. Seite 68

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 5 (30.1.1877)
Date
1877-01-30
Page
Seite 68 (sequence 2)
Language
German
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68 erfolglos anzusehen? Wir, die wir vor dem Zusammentritt derselben gerade in Bezug auf die Resultate Zweifel aussprachen, sind wohl um so mehr berechtigt, zu betonen, daß die Versammlung dennoch einen hohen Werth besitze. Man hat behauptet, und bei den rumänischen Israeliten trifft man nicht selten auf diese Ansicht, daß die Rumänen durch jede Kundgebung der auswärtigen Juden nur um so feindseliger gegen die Juden gestimmt würden. Dies kann und darf uns aber nicht bestimmen. Die Sache ist so weit gediehen, daß eine Schonung aus solchem Motive nichts als Feigheit wäre, als Zeichen bodenloser Schwäche, und eine solche hat bei Barbaren, gerade wie bei Raubthieren, nur die Wirkung sie ungezähmter, unbändiger zu machen. Wir können unsre Glaubensgenossen in Rumänien vor einzelnen Ausbrüchen des fanatischen Haffes nicht schützen. Aber durch die Stimme, die wir .laut und immer lauter vor Europa erheben , wird der tyrannischen Wuth der Rumänen doch immer wieder eine gewisie Grenze gesetzt, ein Halt zugerufen. Die Delegirten der Pariser Versammlung haben seitens Lord Derby's und des Fürsten Bismarck offene Aeußerungen gegen die Rumänen erwirkt, und so wenig bis jetzt von der Wirksamkeit der österreichisch-ungarischen Intervention verlautbart, so hat sie doch stattgehabt, und hoffen wir, daß daselbst endlich die nöthige Energie gefunden wird. Wir dürfen glauben, daß zuletzt in Europa noch so viel kräftiger Sinn für Gerechtigkeit und Humanität vorhanden sein werde, um endlich dieses kleine Rumänien zu Recht und Ordnung zu zwingen. Freilich werden wir uns noch eine Zeit lang gedulden müffen, denn die politischen Verhältniffe im östlichen Europa sind gegenwärtig so gespannt und verworren, daß wir eine augenblickliche Abhülse und Klarlegung dieses einzelnen Streitmomentes nicht erhoffen können. Aber durch die Versammlung zu Paris ist doch der Anstoß wieder gegeben, und dies ist immer ein Verdienst. Ein anderes liegt in der Versammlung überhaupt, wie wir dies schon in unsrer ersten Besprechung hervorhoben. Die Gleichberechtigung vor dem Gesetze, also im bürgerlichen und staatsbürgerlichen Leben ist ein Princip, dessen Sieg noch immer durchaus nicht unbestritten und thalsächlich vollständig ist. Wie es noch Staaten giebt, in welchen es noch gar nicht anerkannt ist, so haben Thatsachen genügend gelehrt, daß auch in den Staaten, in welchen es fundamental geworden, es noch oft und leicht verletzt wird, und mächtige Parteien bestehen , welche es überhaupt wieder Umstürzen wollen. Hierin liegt ein gemeinsames Interesse für alle Juden in allen Ländern, ein Interesse, das nicht allein dem Patriotismus für das Vaterland, dem sie angehören, nicht widerstreitet, sondern ihm vielmehr durchaus dient. Daß diese Erkenntniß, daß das Bewußtsein dieses gemeinsamen Interesses in den Juden aller Länder wach und rege ist, hat abermals die Versammlung zu Paris erwiesen. Die neuesten Verfolgungen -er Juden in Rumänien. II. Wir fahren fort, die weiteren Berichte über die jüngsten rumänischen Gewaltthätigkeiten zusammenzustellen. Die „N. fr. Pr." hatte bis jetzt über diese Vorgänge ziemlich Stillschweigen beobachtet, also eine gewisse Zurückhaltung, welche keine feindliche Gesinnung gegen Rumänien erweist. Um so mehr fallen ihre neuesten Berichte in's Gewicht. Bukarest, 9. Januar. Heute aus directer Quelle hier eingetroffene Nachrichten bestätigen und illustriren in trauriger Weise die abscheulichen Vorgänge im Districte Vaslui. Hiernach haben sich allein nach der Stadt Vaslui sechzig der vertriebenen Judenfamilien geflüchtet, woselbst sie von der Mildthätigkeir ihrer dortigen Glaubensgenoffen leben. Eine Commission unter dem Ex-Präfecten Protopopescu, welche der Minister behufs Constatirung des Vorfalls beordert, hat sich damit begnügt, natürlich aus Höflichkeit für den in der Sache verwickelten Präfeclen Lupaschcu, ein von diesem designirtes Dorf zu besuchen, woraus blos ein Theil der israelitischen Bevölkerung bis jetzt vertrieben ward. Herr Protopopescu sowohl wie Lupaschcu haben sich sodann, der Eine im Vollgefühle der erfüllten Pflicht, der Andere stark in seiner Unschuld, über Jassy wieder hierher verfügt, um wahrscheinlich den verdienten Lohn zu empfangen. Welcher Werth auf das bereits in ausländischen Blättern erschienene abschwächende Dementi und auf das nunmehr sicherlich noch zu gewärtigende zu legen ist, mag außerdem noch dadurch bewiesen werden, daß zwei der Unglücklichen bereits der Verfolgung und den erlittenen Mißhandlungen erleg e n sind, und daß gestern eine Mißhandlung von Juden in der Stadl Vaslui selbst stattgefunden har. Das ist als die erste Frucht der Aufhetzungen und der Brandartikel anzusehen. Es dürfte demnach durchaus nicht Wunder nehmen, wenn auch andere Ortschaften dem Beispiele Vasluis sich anschlössen, umsomehr, als die jetzigen Zeiten sehr schlecht sind, der Handel gänzlich darniederliegt, demnach das Bischen ersparte Geld der wehrlosen Juden nicht zu verachten ist. Die rasch unter den Juden des Landes, die der Hauptstadt nicht ausgeschlossen, sich verbreitende Angst ist daher sehr begreiflich. Die Drohung eines Journals, daß man alle Juden des Landes auf den Friedhöfen „einbürgern möchte", hat zu dieser Angst viel beigetragen. Bukarest, 10. Januar. Unter diesem Datum bringt die „N. fr. Pr," einen längeren Artikel, aus welchem wir die bedeutenderen Stellen hervorheben. „Das Regiment unserer „Rothen" zeichnet sich neben anderen für die Wohlfahrt des Landes genommenen Maßregeln auch noch vorzugsweise durch einen intensiven Judenhaß aus, und demnach sind die jüngst erfolgten Judenhetzen im Districte Vaslui nur der natürliche Ausfluß aus den Dispositionen unserer Regierung. Man wäre freilich geneigt, anzunehmen, daß die

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