Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 5 (30.1.1877)
- Date
- 1877-01-30
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Allgemeine Zeitung -es Judenltmms. Em unparteiisches Organ für alles jüdische Interesse. Herausgegeben von Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Bonn. Verlag von Banmgiirtner's Buchhandlung in Leipzig. Beilagen werden mit 1 Mark St) Ps. pro Hundert berechnet. I« redactionellea Arigelegenheircn wende man sich an Dr. t. Philippson in Bonn; binstchllich des Bezugs und der Jmeralecui Snnmaürtner's Luchbandlnnq indeivzig. 3aftratt, welche bis vonner«- tag cülgeben, finden inder raraufsolgcnden Nummer Berücksichtigung. Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal in 2 dis 2*;, Bogen. Preis Vierteljährig 3 Mark. “ Inserate werden mit 2o Pf. für die Petitzeile oder deren Raum berechnet. Alle Buchhandlungen» Postämter und Zeitungs Expeditionen nehmen Bestellungen an. 41. Jahrgang. Leipzigs den 30. Januar 1877. JW 5. 3nljflU. 8erdende Sttttfcl : 2)ic Versammlung der israelitiirbcn Dclegirten in Paris. — Die neuesten Versolgunaen der Juden in Rumänien. II. — Literarischer Wochenbericht: Bonn. — Zeitungsnachrichten: Dentsckland: Berlin» Fulda. Bonn. Bad EmS» Gnesen» Wongrowltz (Posen)» Aus dem Elsaß. — Frankreich: Paris. — Großbritannien: Manchester. — Türkei: Salonichi» Konstantinopel» Bonn» Pcra, Aus Ungarn. — Serbien: Pest. — Feuilleton: Kunstnotir. — Vermischtes. — Berichtigung. £eitcnd& QLxhkei. Bonn, den 22. Januar. Die Versammlung der israel. Drlegirten in Paris. Als die Anglo-Jewish-Afsociation der Alliance zu Paris den Vorschlag machte, eine Versammlung von Delegirten aus allen Ländern zu berufen, um in einem gemeinschaftlichen Memoire an die Conferenz der Großmächte zu Konstantinopel das Gesuch zu stellen, bei den, für die aufständischen Provinzen von der Türkei zu fordernden Reformen, die betreffenden Rechte nicht bloß für die Christen, sondern für alle Unterthanen ohne consessionellen Unterschied zu verlangen, war in Europa noch die Meinung verbreitet, daß die Conferenz bei der Türkei eine entscheidende Autorität besitze und mit ihren Vorschlägen durchdringen werde. Da alle die Conferenz betreffenden Schriftstücke allein von der christlichen Bevölkerung in den betreffenden Provinzen sprachen, so lag die genügende Beranlaffung zu der beabsichtigten Versammlung klar zu Tage. Hatte man auch die Ansicht, daß die Türkei in ihren thatsächlichen Maßregeln einen Unterschied zwischen den einzelnen Schichten der nichtmuselmännischen Bevölkerung nicht machen werde, so war es doch von großer Bedeutung, die Conferenz möglichst zu verhindern, einen solchen Unterschied aufzustellen, womit doch überhaupt auch das in Mittel- und Westeuropa vorherrschende Princip der Gleichstellung geschädigt erschiene. Als aber die Versammlung zu Paris am 11. December wirklich zusammentrat, hatte sich die Sachlage bereits bedeutend verändert. Es war schon bekannt, daß die Türkei eine Verfaffung proklamiren werde, welche die Gleichberechtigung aller ottomanischen Unterthanen ohne confessionelle Berücksichtigung aussprechen würde, und ein Redner war bereits im Stande, den Wortlaut des betreffenden Artikels mitzutheilen. Außerdem batte sich schon die Meinung herausgebildet, daß die Türkei den Vorschlägen der Conferenz, theils weil sie durch die Verfaffung überholt waren, theils weil sie die Integrität und Souveränität des Reiches verletzten, nicht nachgeben werde. Waren somit die Schritte der Versammlung, soweit sie die Türkei selbst betrafen, von dem schnellen Gange der Ereignisse gegenstandslos gemacht; so trat dafür die Angelegenheit der Juden in Rumänien mit um so größerm Gewicht in den Vordergrund. Freilich wußte man. daß die Conferenz in Konstantinopel sich schwerlich mit Rumänien überhaupt beschäftigen werde. Aber es galt doch, diese traurige Sache, da die Gelegenheit geboten war, Europa wieder in's Gedachtniß zu rufen, und die europäische Diplomatie daran zu erinnern, was sie in dem Vertrage über Rumänien durch ihre confessionelle Einseitigkeit gesündigt habe. Aber auch hierin hatte die Versammlung das eigenthümliche Geschick, daß ihr im Augenblicke ihres Tagens selbst Rumänien eine barbarische Antwort gab, welche die vorliegende Beschwerde aus der Vergangenheit noch weit überholte. Unterdeß ist nunmehr die Conferenz zu Konstantinopel völlig gescheitert, und die zu ihr entsandten Bevollmächtigten der Großmächte sind im Begriffe, nach ihrer Heimath zurückzukehren. Ist nun deshalb die Versammlung zu Paris als nutz- und