Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1877)
- Date
- 1877-01-23
- Page
- Seite 62 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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- Galați 1× ep/1002400
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62 Moment zu Grunde lag, welches iu der Orientpolitik Andrassy's den Ausgangspunkt bildete und dereinst auch den Ausgangspunkt in dem Urtheil über diesen Staatsmann bilden wird. Wie im commerziellen Theile sehr bestimmte Handelsinteressen nicht gewahrt wurden, so fand sich im politischen Theile die Verletzung eines bestimmten österreichischen staatsrechtlichen Princips. Der kleine Staat benutzt den Beweis der Schwache, den ihm der große gegeben, zu den weitestgehenden Anmaßungen, so daß nach dem Ausspruch hiesiger Blätter Oesterreich dicht vor der Erklärung steht, daß der Vertrag von Rumänien gebrochen, also nichtig sei. Die rumänischen Staatsleuker treiben ein gefährliches, wenn nicht verderbliches Spiel. Sie thun Alles, um sich in der Reihe der europäischen Staaten unmöglich zu machen. Da bis jetzt es sich sehr gleichgültig zeigte, ob in Rumänien die Conservativen oder die Rothen am Ruder sind, so kann die Einsicht nicht ausbleiben, daß die Moldau-Walachen nicht fähig sind, einen selbstständigen Staat zu bilden. Sie selbst thun Alles, um dies fortwährend Europa zu bezeugen. Galatz, 12. Januar. (N. fr. Pr.) In Kalafat verübten rumänische Soldaten an Marketendern und jüdischen Lieferanten ein Raubattentat, wobei Letztere stark mißhandelt wurden. Die Untersuchung ist im Zuge. I e u i l Correspou-euz. Odessa. 3. Januar 1877. Professor Dr. Axenfeld. Vor vielen Monaten verschied in Paris nach langen, schweren Leiden ein bescheidener Gelehrter und berühmter Arzt, Professor Dr. Alexander Axenfeld. Der Sohn hiesiger achtbarer Eltern, ging der noch sehr junge Mann vor vielen Jahrzehnten nach Paris, wo er sich der Medicin widmete und in der großen Hauptstadt der Welt als akademischer Lehrer und Helfer der leidenden Menschheit wirkte. Wir erinnern uns, den hochverehrten Mann der Wissenschaft vor viele» Jahren hier gesehen zu haben, als er von Paris kam, seine hochbetagten Ellern, an denen er mit zärtlicher Liebe hing, zu besuchen und sie zu bewegen mit ihm nach Paris zu ziehen, was auch geschah. Es ist eine eigenthümliche Erscheinung, daß die berühmten Männer aller Zeiten meist vorzügliche Mütter hatten, die ihnen die erste Anleitung zu ihrer späteren Entwickelung gaben. Auch unser Axenfeld hatte es einer gütigen Vorsehung zu danken, die ihm eine vortreffliche Mutter gab. Frau Rechele Axenfeld war die Schwester des gelehrten Dr. Nathan Horowitz und stammte aus Galizien. Sie war eine äußerst gebildete und geistreiche Frau und trotz der beschränkten Mittel, die ihr zu Gebote standen, chat sie ihr Mögliches ihren drei Söhnen, besonders dem zweiten, Alexander, der schon in der frühesten Äugend sich durch sein Streben und Ringen nach Wissen auszeichnete, eine treffliche Erziehung angedeihen zu lassen. Es fehlen uns stattstische Daten, wann Prof. A. geboren wurde und glauben wir, daß er kaum das fünfzigste Jahr zurückgelegt hatte, als der Tod ihn der Wissenschaft entriß. Der „Neurusfische Telegraph", ein hier erscheinendes politisches Blatt, brachte dieser Tage folgende Nottz über den Verewigten, die wir hier in deutscher Uebersetzung folgen lassen: l e 1 o n. „Biele Odeffaer werden sich wahrscheinlich noch des hiesigen Bürgers, des alten Axenfeld erinnern, dessen Sohn nach dem Auslände ging und in Paris eine glänzende, wissenschaftliche Carriöre machte. Im ftanzösischen Jourale „Revue Seientifique" finden wir einen Nekrolog über den Heimgang des Arztes und Professors Axenfeld in Paris, der mit folgenden Worten schließt: „Dieser seltene Mann, der noch vor vier Jahren von seinen zahlreichen Schülern angebetet wurde, der beliebteste Arzt mit einer glänzenden Praxis, der Liebling seiner College», wird dieser Mann je vergessen werden? Nein, dies kann nicht geschehen; er wird in der Erinnerung seiner Freunde und Schüler leben, in der Erinnerung aller Derer, die ein so merkwürdiges Talent und einen solchen sympathischen Charakter zu schätzen wußten!" Indem wir uns vollkommen den hier ausgedrückten Gefühlen dieses Freundes des Verewigten anschließen, wollen wir »och einige Auszüge aus diesem Nekrologe bringen. „Für ihn war der Tod eine Erlösung. Bier lange Jahre hindurch durch eine schwere Krankheit au das Schmerzenslager gefesselt, deren Unheilbarkeit ihm selbst, mehr als jedem Anderen bekannt war, mußte er schreckliche Schmerzen empfinden. Berufen, sich an dem medicinischen Concurs der Hospitäler zu betheiligen, eingeladen, in die medicinische Facultät einzutteten, wußte Axenfeld sich sofort durch Scharfsinn und Genauigkeit iu seinen Arbeiten^ durch sein Darstellungstalent, eine besondere Stellung zu verschaffen. Nachdem er die Vorlesungen über Therapie und allgemeine Pathologie übernommen, hatte er in dieser schweren Aufgabe einen solchen Erfolg, wußte er sich so hervorzuthun, daß die Facultät ihn einstimmig auf das Catheder der inner» Pathologie berief. Kein Anderer wußte in dieser hohen Stellung, die er eiuuahm, die zahlreichen Hörer in dem Maße zu interessiren und zu belehren, wie er und sich ihre volle Liebe zu erwerben. Sein Bortrag war bemerkenswerch, sowohl durch seine genialen Ansichten, als durch seine Strenge in der Auswahl von Thatsachen und seine überzeugende Beredsamkeit. Alle diese seltenen Eigenschaften treten in seiner vortrefflichen Monographie über Nerven-