Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1877)
- Date
- 1877-01-23
- Page
- Seite 61 (sequence 11)
- Language
- German
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ebenso Arthur Levy aus New-Port, italienisch Baron Todros, deutsch Rabbiner Landsberg und Dr. Singer, wahrend Astruc (Belgien) und Dreyfuß (Schweiz) französisch sprachen. Zum Schluffe sprach der Großrabbiner Isidor das hebräische Tischgebet. — In der Schlußsitzung am 15. Dec. wurde noch beschloffen: 1) daß Baron H. de Worms das Memoire nach Konstantinopel bringen solle, 2) daß eine gleiche Versammlung 1878 zu Paris bei Gelegenheit der Weltausstellung stattfinden werde. — Der radicale Stadtrath von Paris hat den Supplementar-Credit zu den Gehältern und Wohnungsentschärigungen des Großrabbiners und der Communal-Rabbiner auf 6000 Frcs. jährlich reducirt. Es ist dies ein Ausfluß seiner antireligiösen Anschauungen, und wurden gleiche Abzüge für die katholische und protestantische Geistlichkeit getroffen. Es werden die Juden von Paris selbst den Ersatz dafür leisten müssen. — Durch ein Deeret vom 15. Dec. 1876 bestimmte der Präsident der Republik, baß die Rabbiner von Algerien durch das Central-Consistorium von Paris gewählt werden, und zwar unter den Israeliten Frankreichs und Algeriens, mindestens 25 Jahre alt und mit dem vom Central- Consistorium ausgestellten Rabbiner-Diplom versehen. Ihre Ernennung bedarf der Bestätigung seitens des Cultusministers. — In einem officiellem Berichte über die Lage des öffentlichen Unterrichts im Schuljahre 1875—76 in Algerien wird angegeben, daß die Elementarschulen von 41,447 Zöglingen besucht worden, nämlich 21,884 Knaben, von welchen 4147 Israeliten, 1529 Muselmänner, und 19,563 Mädchen, von welchen 2067 Israelitinnen, 103 Muselmänninnen waren. (Vergleicht man diese Zahlen mir den Ziffern der Bevölkerung, so geht daraus hervor, daß von der jüdischen fast die gesa mmte schulpflichtige Jugend die Schulen besucht. Hierbei muß man nicht vergeffen, daß in Frankreich ein Schulzwang nicht existirt. Man wird dann den Culturtrieb der eingeborenen Israeliten hoch anzuschlagen wissen. Red. d. A. Z. d. I.) Großbritannien. London, im Januar. Zwei Momente sind von hier hervorzuheben: zuerst, daß gegenwärtig die englischen Israeliten am thätigsten sich erweisen, wenn es gilt, gegen die im östlichen Europa und dem Oriente überhaupt leider noch so oft staltfindenden Bedrückungen der Juden zu agitiren, wie denn auch die jüngste Versammlung zu Paris von hier aus angeregt worden. Auch betreffs der Verfolgungen des neuesten Datums in Rumänien trat die Anglo-Jewish-Affociation sofort in hiesigen Blättern auf. Das andere Moment ist aber, daß die englische Presse in ihrer Eingenommenheit und ihrem Parteigange für die Christen an der Donau und in Bulgarien die Greuel in Rumänien und Serbien gegen die Juden möglichst verschweigt oder abschwächt, damit die bulgarischen Frevel kein Gegenbild fänden in den Greüelthaten der walachischen Christen. Wir führen hierüber, um nicht parteiisch zu erscheinen, eine Correspondenz der „Nat.-Ztg." an, die sich folgendermaßen (London, 28. December) ausspricht: Die Israeliten Englands sind plötzlich sehr rührig geworden, um die drückenden und schmachvollen Bestimmungen, unter denen ihre Glaubensgenossen in Serbien und Rumänien leiden, zur öffentlichen Kenntniß zu bringen und eine ernstliche Gleichstellung der Juden jener Länder mit den übrigen Landeseinwohnern zu erlangen. Ich habe auf die vortreffliche, eindrucksvolle Rebe hingewiesen, die das liberale Unterhausmitglied Simon bei der sogenannten Nationalconferenz über diesen Punkt hielt. In den meisten Blättern, die für die „Greuel-Bewegung" eintraten, wurde der Bericht über die von Herrn Simon mitgetheilten, gegen die Juden verübten Greuel ganz verstümmelt gegeben. Dasselbe ist heute wieder in der „D aily News" mit dem Berichte über die israelitische Deputation der Fall, die gestern bei Earl Derby im auswärtigen Amte vortrat. Sie schloß eine Anzahl notabler Israeliten Londons in sich; darunter drei Parlamentsmitglieder. Ueber die längere Rede, die Herr Simon vor dem Minister hielt, geht nun die „Daily News" mit sechs Zeilen hinweg! Aus der Ansprache des Baron Worms, der die Deputation einführte, sind alle Stellen ausgemerzt, die zu sehr an Bulgarien erinnern. Man sollte denken, wenn es der „Daily News" um wirkliche Verbesserungen in der Türkei zu thun wäre, so würde sie auch die gegen die Juden in Serbien und Rumänien begangenen Greuel gebührend bekannt werden lassen. Hier aber übt sie eine merkwürdige Censur, die um so tadelnswerther erscheint, da gerade Herr Simon im Uebrigen sich zur Partei der Nationalconferenz hält. Rumänien. Wie», im Januar. (Privatmitth.) Hier wurde in diesen Tagen zwischen dem schweizerischen und dem rumänischen Agenten die Ratification einer Art von Handelsvertrag ausgetauscht. Die Schweiz widerstand dem Ansinnen Rumäniens, eine Clausel betreffs der Juden aufzunehmen, und ließ sich auf nichts weiter ein, als auf eine Copie der jüngst von England, Frankreich und Italien mit Rumänien abgeschlossenen Verträge, die nur auf eine kurze Frist bemessen sind und nichts weiter als Zugeständnisse der begünstigtsten Nationen enthalten. Somit ist und bleibt der österreichisch-ungarische rumänische Handelsvertrag ein Unicum, welchem höchstens ein rumänisch-russischer Vertrag nahe kommt. Wir können uns aber auf die unabhängigen österreichischen Blätter berufen, wenn wir diesen Vertrag als für Oesterreich von einem sehr traurigen Werthe erklären. Die rumänische Regierung sorgt dafür, daß dies den Oesterreichern von Tag zu Tag klarer wird. Die commerzielle Seite des Vertrages zeigt sich nicht allein ungenügend, sondern wird von Rumänien mit der größten Frechheit ausgebeutet. Sie haben es aber in dieser Zeitung oft genug ausgeführt, daß dem Vertrage nur ein politisches, gegen die Türkei zu Gunsten der Unabhängigkeit Rumäniens gerichtetes