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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-23 · Heft 4 (23.1.1877) · p. Seite 60

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 4 (23.1.1877)
Date
1877-01-23
Page
Seite 60 (sequence 10)
Language
German
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60 Nr. 49 des vor. Jahres) wird mit ungeschwächten Kräften fortgesetzt. Vorerst wird für schwere Geldkosten in allen Zeitungen die Reclame inserirt: dieser Uz sei das beliebteste (!!) und verbreitetste (!!!) Blatt, während man durch diese bezahlten Reclamen doch selbst den Beweis führt, daß das Gegentheil stattfindet, sonst brauchte es der Reclamen nicht. Dann wird das alte Manöver wiederholt, bald auf diesen, bald auf jenen Rabbiner loszustürmen, ihn durch die unwahrsten Behauptungen an den Pranger zu stellen, dadurch in den Gemeinden, wenn auch nicht „beliebt", doch gelesen zu werden. Man versetzt die Scene dieses Kunstgriffs bald nach Kassel, bald nach Crefeld, bald anderswohin, und beim Mangel von Rabbinern nimmt man die Lehrer vor. Der Uz gelingt. Denn entweder die Gemeinden gehen auf den Leim, da die Menschen nun einmal die Schmähungen eines Dritten gern lesen; oder die Rabbiner, indem sie dem Uz antworten, Gegenerklärungen erlaffen oder veranlaffen — alles Dies macht Lärm, und dies ist der Zweck des Uzes. Die Dümmeren unter den Joden lassen sich vorschwätzen: dies Alles geschehe aus Frömmigkeit (!!!), trat der Religion willen, aa: (!!!) — während man doch gegen die biblischen und talmuvischen Grundgesetze handelt. Denn diesen Leuten ist die Religion, ist das Judenthum etwas so Aeußerliches, Formales geworden, daß sie einen Grashalm am Sabbath abzupstücken, für eine Todsünde halten oder ausgeben, aber sich nicht scheuen, gegen alle Moralität, gegen alle wahren Religionsgefetze zu handeln. — Jndeß in welcher Confession oder Religion giebt es jetzt nicht solchen Uz? Und warum sollten die Juden klüger, feinfühlender, geschmackvoller und religiöser sein, als die Anderen? Es ist dies überall der Auswuchs der Reaction und der Bildung, wo diese beiden Zusammentreffen und sich äußerlich vereinigen, ohne eine innere Verschmelzung zu finden. Es wird also fort geuzt. Oesterreich-Ungarn. Wie», 11. Januar. Der nun wieder completirte Vorstand rer Wiener israelitischen Cultusgemeinde hat sich neu constituirt und die Herren vr. Ignaz Ritter v. Kuranda zum Präses und Moritz Ritter v. Pollak-Borkenau zum Bice-Präses gewählt. Triest, 5. Januar. Daß auch hier unsre Glaubensgenossen durch Bildung und fachmännische Kenntnisse sich in nicht wenigen Persönlichkeiten auszeichnen, erweisen unter Anderem die heute hier stattgefundenen Wahlen der Handelskammer. Zum Präsidenten derselben wurde abermals Herr Ignaz Brüll und zum Bice-Präsidenten Herr Leopold Goldschmidt gewählt. Die Wiederwahl des ersteren wurde mit lautem Beifall begrüßt. Frankreich. Paris, 1. Januar. Wir entnehmen über die israelitische internationale Conferenz den Arch. isr. Folgendes: Diese Conferenz währte, wie bereits mitgetheilt worden, vom 11. bis 15. Dec. zu Paris, im Sitzungssaale des Consistoriums rue cke Is Vicioire, und bestand theils aus Mitgliedern des Cevtral-Comitvs der Alliance, theils aus Pariser Notabilitäten, theils aus Delegirten des Auslandes, nämlich aus Oesterreich: Singer für die Israelitische Alliance von Wien; Belgien: Großrabbiner Astruc, Präsident des Consistoriums Joseph Oppenheim, A. Sarluis; Amerika: Henry Josephs, I. M. Lawrence, Arthur Levy, William Seligmann; Großbritannien: Baron Henri de Worms, Leopold Schloß, L. W. Rothschild, Jsaac Seligmann, Rev. A. Löwy, Vertreter der Anglo Jewish Association, Joseph Brandes, Horatio L. Micholls, Delegirte der West-London-Synagoge, Arthur L. Henriquez, Präsident des Localvereins in Manchester; Italien: Baron Todros; Preußen: vr. Kristeller, Hermann Goldschmidt aus Berlin, Rabbiner vr. Franck aus Köln, vr. Bärwald und A. B. H. Goldschmidt aus Frankfurt a. M., Rabbiner vr. Landsberg aus Liegnitz; Schweiz: Dreyfuß - Neumann aus Basel, Alphons Weill aus.Genf, E. Dreyfuß aus Emdingen — zusammen 26, so daß die ganze Versammlung ungefähr 60 Personen zählte. Zum Vorsitzenden wurde mit Acclamation Senator Crvmieux gewählt, und beschloß die Versammlung die Ausarbeitung eines Memoires, das an die Conferenz zu Konstantinopel gerichtet, die gerechten Klagen der Israeliten, die Unbilligkeiten, die auf ihnen lasten, die Gerechtigkeit ihrer Reclamationen und die Nothwendigkeit bespreche, daß sie auch in den östlichen Ländern die Gewissens- und Cultusfreiheit genössen, welche zukünftig die Basis des öffentlichen Rechts allen civilisirteu Nationen ausmacht. Die Schlußfolgerungen des Memoires solleu sein: „Die bei der Conferenz zu Konstantinopel vertretenen Mächte werden im Namen der Israeliten aller Länder ersucht: 1) eine völlige bürgerliche, poliüsche und religiöse Gleichheit allen Nichtmuselmännern der Provinzen der Türkei und des Fürstenthums Serbien zu gewähren; 2) die Convention von 1858 in dem was die Juden Rumäniens betrifft zu revidiren und zu vervollständigen." Dieses Memoire sollte gemeinschaftlich an die Conferenz zu Konstantinopel gerichtet und außerdem von den Israeliten der in dieser Versammlung vertretenen Länder an ihre resp. Regierungen übergeben werden, damit diese durch Weisungen an ihre Delegirten zu Konstantinopel dem Memoire eine günstige Aufnahme sichern mögen. Ein Exemplar sollte dem russischen Gesandten übergeben werden. Sechs Sitzungen wurden der Bearbeitung, Besprechung und Billigung dieses Memoires gewidmet. Die stenographischen Berichte werden veröffentlicht werden; sie werden besonders den Geist der Einigkeit constatiren, der in dieser Versammlung herrschte. Besonders gab sich dieser bei dem Festmahle kund, welches alle Mitglieder der Conferenz in dem glänzenden Saale des Grand-Hotel vereinigte. Es waren 70 Personen gegenwärtig. Das höchste Interesse erregten die Toaste, welche in den verschiedensten Sprachen ausgebracht wurden. Crömieur sprach ftanzösisch, Baron Henri de Worms englisch.

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