Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1877)
- Date
- 1877-01-23
- Page
- Seite 58 (sequence 8)
- Language
- German
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58 Druck wirklich vorhanden gewesen wäre, so hatte alsbald der Austtitt in Massen stattfinden müssen, und wenigstens die Separatistengemeinven hätten dem Rufe ihrer Führer Folge geleistet. Hier in Berlin ist bis jetzt von Austritten nichts vorgekommen. Die Reformgemeinde, die bekanntlich seit 1845 besteht, ein eignes Gotteshaus besitzt, und Prediger unv Religionslehrer erhalt, verhandelt mit der Hauptgemeinde, um von dieser die Besoldung ihrer Cultusbeamten zu erhalten. Es ist dies die Modalität, welche nach der anderen Seite hin von der Breslauer Gemeinde feit zwanzig Jahren hergestellt ist. Zu gedachter Reformgemeinde gehören meist, wenn nicht ausschließlich, begüterte Familien, welche hohe Beittäge zu Len Gemeindesteuern leisten. Man fragt sich allerdings, wenn man auch die Billigkeit jener Forderung der Reformgemeinde anerkennt, wie man nach diesem Präcedenzfalle verfahren wolle, wenn irgend eine Anzahl Mitglieder, selbst nur ein Minjan, einen Gottesdienst sich bildet und nun die Besoldung ihres Cultusbeamten verlangt? Wo will man hier eine Grenzlinie oder überhaupt eine zuttessende Formel finden? Vielleicht wäre es angemessen unter den gegebenen Verhältnissen, daß die Gemeindebehörden (Vorstand und ReprLsentantenversammlung) sich die Entscheidung von Fall zu Fall vorbehielten und jedesmal die Angelegenheit nach dem Amendem^rt entschieden, welches die Gemeinden bei der Discussion des Gesetzes aufgestellt hatten, daß nämlich Mitgliedern, welche einen eigenen Cultusverein bildeten und einen angemessenen Gottesdienst herstellten, der Theil ihrer Steuern nachgelassen würde, der für den Gottesdienst der Gemeinde verausgabt wird. — Günstig für die Gemeinde ist es, daß jetzt der jüdische Religionsunterricht immer mehr in Len hiesigen Schulen und Lehranstalten eingeführt wird, wodurch den in entlegeneren Stadttheilen wohnenden Eltern die Ursache gerechter Klage unv Anforderung an die Gemeinde nach dieser Richtung hin entfällt. —. Wie ich übrigens höre, beschrankt sich der Austritt von orthodoxer Seite bis jetzt auf fünf Personen. Frankfurt am Main, 14. Januar. (Privatmittheil.) Anbei übersende ich Ihnen das Namensverzeichniß der aus der hiesigen israelitischen Gemeinde ausgetretenen Personen. Sie ersehen daraus, daß es 72 an der Zahl sind, also nicht der fünfte Theil der Mitglieder der separirten (israelitischen) Religionsgesellschaft. Es befinden sich darunter, außer Herrn Rabb. Hirsch, Lehrer, Borbeter, Synagogendiener und Metzger. Dies bleibt sich nun zwar an und für sich gleich, aber da dies doch immerhin abhängige Personen sind, so zeigt sich daraus, daß auch die genannte Zahl ihrer allgemeinen Bedeutung nach noch zu beschränken ist. 2bettiwtcj| Deutschland. Berlin, 9. Januar. Die ehemaligen Schüler, Freunde und Gönner des langjährigen Leiters der jüdischen Gemeinde- Knabenschule, Herrn Rectors Horwitz, versammelten sich am Montag abermals im Saale der Gesellschaft der Freunde, um über das am 18. Januar bevorstehende Jubiläum dieses beliebten Lehrers Beschluß zu fassen. Die Sammlungen für die „Horwitz-Stiftung", deren Urkunde am Tage des Jubiläums überreicht werden soll, sind vorläufig abgeschlossen und haben bisher eine Summe von circa 7000 M. ergeben. Bon einem Festessen hat das Comitö Abstand nehmen müssen, da die Gattin des Jubilars schwer krank darniederliegt; dagegen beschloß die Versammlung die Absendung einer künstlerisch ausgeführten Adresse, welche behufs Unterzeichnung bei dem Banquier Bamberg er, Königsstraße 56, auSliegen soll. — —. Man schreibt von hier dem Pariser „Temps" vom 7. Januar: „Man spricht hier, daß, wenn auch die Mittheilungen, welche die österreichischen und ungarischen Blätter über die allgemeine und systematische Verfolgung der rumänischen Israeliten gebracht haben, etwas übertrieben gewesen waren, die wahren Thatsachen doch schwer genug wiegen, um die thatkräftige Dazwischenkunst der Cabiuette zu verdienen, die übrigens darüber einig wären, daß eine Verbesserung der Lage der Israeliten in den Ländern der unteren Donau im Schooße der christlichen Bevölkerungen, welche sie umgeben, zu erwirken sei. (Möge diese Nachricht des französischen Blattes eine begründete sein und recht bald das cm dit, mit welchem sie eingeleitet ist, sich als Wirklichkeit bekunden!) Straßburg, im Januar. (Privatmitth.) An der hiesigen Universität ist ein Israelit, Herr vr. Laqueur, ordentlicher Professor in der medicinischen Facultät geworden. Streluo, 7. Januar. (Privatmitth.) Am 1. d. feierte die hiesige Gemeinde das 25jährige Amtsjubiläum unsres geehrten Rabbiners I. Stern. Der Vorstand und die Repräsentanten, sowie die Vorsteher der wohlrhätigen Vereine überbrachten dem Jubilar als Ausdruck ihrer Theilnahme und Anerkennung, kostbare Geschenke, deren auch noch von vielen Privatpersonen nebst zahlreichen Depeschen einliefen. Ein schönes Festmahl am Abend und eine gediegene Predigt des Jubilars am gestrigen Sabbath gaben der Feier eine besondere Weihe. Möge der würdige Rabbiner, der unter Anderem allhier fünf wohlthäige Vereine in's Leben gerufen, der Gemeinde noch recht lange erhalten bleiben. Vom Rheine, 8. Januar. (Privatmitth.) Die eifrigen und leidenschaftlichen Bemühungen der ultramontanen Presse, das