Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 3 (16.1.1877)
- Date
- 1877-01-16
- Page
- Seite 44 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Feuilleton. Ein geschichtliches Document aus dem Äahre 1619. (Schluß.) Hierauf wandten wir uns nach der genannten Wohnung d'Arguibel und fingen an, der genannte Polizeilieutenant und wir, getrennter Weise, mit unsren Schreibern die Zeugen zu vernehmen und schritten zuerst zum Verhör des genannten de Lissarvy, welcher aussagte, Laß er am vorhergehenven Tage, am 1S. des genannten Monats um 11 Uhr nach der Meffe, wahrend er in einem Beichtstuhl am Ende des Tisches, wo man die Communion zu geben pstegt, einer Frau aus genanntem Orte die Beichte abnahm, bemerkt habe, wie der genannte Antonio mit Beistand eines Portugiesen, der eine Kerze trug, mehreren Portugiesinnen die Communion ertheilte, welche an genanntem Tische gereiht und sämmtlich in ihre Kleider gehüllt gewesen wären. Und da er Acht gegeben habe auf ihre Haltung und den Respect, den sie dem heiligen Sacrament bezeigten, weil ihm ihre Frömmigkeit verdächtig gewesen sei, hätte es ihm geschienen, daß die ersten, welche communicirten, dann und wann die Hand zum Munde führten, was ihm Beranlasiung gegeben hätte, sie aufmerksamer in's Auge zu fasten, ohne indesten es sich merken zu lasten, bis daß die letzte, die Up am nächsten war, communicirte, welche, sobald sie die heilige Hostie in den Mund genommen, einen Blick auf ihn, den de Listardy, geworfen und dann deutlich, aber heimlich die Hand zum Munde und vom Munde abwärts und zur Seite geführt hätte. Gleichzeitig sei er auf sie zugelaufen und habe ihren Arm ergriffen, ihr sagend, sie solle ihm zeigen, was sie unter ihrem Kleide verberge, und während er ihre Hand in die Höhe gezogen, habe er gefunden, daß sie ein Taschentuch unter ihrem Ueberwurf verberge, welches er genommen und in demselben die heilige Hostie frisch angefeuchtet und zusammengefaltet gesunden habe. Worüber ganz erstaunt und außer sich, habe er auf die genannte Portugiesin losgeschrieen, und dann habe der genannte Antonio oder der Portugiese, der die Kerze trug, spanisch gesagt: „Senor Licenciat, das ist eine geringfügige Sache, sagen Sie nichts, damit kein Aergerniß entsteht." Auf diese Worte , habe er erwidert: „Wie sagt Ihr nur, daß dies eine geringfügige Sache ist; ich habe sie überrascht, wie sie das heilige Sacrament im Taschentuch verborgen hat." Daß dann der genannte Don Antonio sich gleichfalls der genannten Portugiesin genähert und ihr viele Beleidigungen gesagt habe, und daß drei oder vier Frauen des Pfarrsprengels ebenfalls begonnen hätten, gegen sie zu schreien, welche letztere dann den Händen des Amtmanns und der Schöffen übergeben worden fei. Daß er sofort das erwähnte Taschentuch im selben Zustande in das Tabernakel gelegt habe. Die Aussage dieses Listardy findet sich ausführlicher in seinem Verhör. Hierauf haben wir den genannten Don Antonio de Faria vernommen, welcher uns erklärte: daß an dem genannten Tage des 18. März er den ganzen Morgen beschäftigt gewesen sei, mehreren Frauen seines Volkes die Beichte abzunehmen und er dann seit ungefähr 11 Uhr ihnen das heilige Abendmahl administrirt habe, indem ein gewiffer unterrichteter Mann derselben Nation, Namens Henricus Fernandus, eine brennende Kerze in der Hand hielt; daß nachdem jene communicirt hatten, wie er ihnen die Absolution brachte, der genannte Listardy sich aus seinem Beichtstühle erhoben, einer der erwähnten Portugiesinnen, die nahe bei diesem Beichtstühle stand, das Taschentuch entriffen und sofort zu rufen begonnen hätte, diese Portugiesin habe das heilige Sacrament in das Taschentuch gespieen. Hierauf hätte der genannte Henricus ihn gebeten, keinen Lärm davon zu machen, um Skandal zu verhüten. Und er, Antonio, hätte sich dann dem Listardy genähert, und die heilige Hostie in dem Taschentuch erblickend, das derselbe in den Händen hielt, hätte er sich, ganz aufgeregt über die Schlechtigkeit dieser Portugiesin, auf sie gestürzt und ihr viele Beleidigungen gesagt, indem er sie Jüdin, Feindin Gottes, Verdammte, Schande ihrer Nation nannte; ja er hätte sie geschlagen, wenn er nicht durch einige baskische Frauen daran verhindert worden wäre; inzwischen habe sich die genannte Portugiesin wegen ihrer Thal entschuldigt, indem sie sagte, der Teufel habe sie versucht, sie sei toll und außer sich gewesen und hätte nicht gewußt, was sie thäte. Nach dem erwähnten Don Antonio wurden einige Frauen vernommen, die sich bei dem genannten Ereigniß in der Kirche befanden, und sie sagten aus, gesehen zu haben, wie Listardy die Portugiesin, nachdem sie communicirt, untersucht habe, und nachdem er ihr das Taschentuch genommen, hätte er ganz aufgeregt und außer sich gerufen, sie wollte das heilige Sacrament verstecken; aus sein Rufen wären sie hinzugelaufen, hätten die heilige Hostie in jenem Taschentuch gesehen, und während man sich zu der Portugiesin gewandt, sie bedrohend und ihr ihre Schlechtigkeit vorwerfend, wären alle ihre Gefährtinnen aus der Kirche entflohen; sie hätte auch Weggehen wollen, aber wäre dort festgehalten, in die Sacristei der genannten Kirche eingeschloffen und bald nachher in die Hände des Amtmanns und der Schöffen überliefert worden. Und als 4 Uhr herankam, begaben wir uns nach den Gefängniffen auf den Weg, die nahe bei dem Friedhofe jener Kirche sich befinden; die Portugiesin ward herausgeholt und von dem Amtmanne den Beamten aus Bayonne und Labourt überliefert, welche, um die Wuth und den Aufruhr des Volkes bester zu vermeiden, sie in die Sacristei der Kirche führen ließen, wo der Polizeilieutenant zu ihrem Verhöre schritt, dem wir auch mit den andern soeben erwähnten Beamten beiwohnten. Und ungefähr um 5 Uhr wurde der Polizeilieutenant be-