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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-16 · Heft 3 (16.1.1877) · p. Seite 39

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 3 (16.1.1877)
Date
1877-01-16
Page
Seite 39 (sequence 7)
Language
German
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39 Sreduu d 6u cxc fernsten. Deutschland. Landsberg a. d. Warthe, 5. Januar. (Privatmitth.) Am letzten Tage des scheidenden Jahres wurde Herr Benny Burchardt aus Berlin, welcher am 28. December auf dem Wege nach dem jüdischen Krankenhause, dessen Verwaltung er angehört hat, vom Herzschlage getroffen wurde, hier in seinem Erbbegräbniß bestattet. Der Verstorbene hat 36 Jahre in unserer Stadt gelebt und sich durch seine werkthätige Menschenliebe ein ehrendes Andenken bei seinen Mitbürgern gesichert. Seine besondere Fürsorge war darauf gerichtet, unbemittelten jungen Leuten Studium und Lebenswege zu eröffnen, wovon die von ihm gestifteten Stipendien an dem Gewerbeinstitut, der Gewerbeschule und dem Gymnasium Zeugniß ablegen. Der städtischen Verwaltung hat er 14 Jahre als Stadtverordneter angehört, 9 Jahre war er Mitglied des Magistrats. Nicht minder lebhaftes Interesse hat er seiner religiösen Genossenschaft bewiesen. Er war während 15 Jahre Vorsteher der Synagogengemeinde und diese hat das 1854 erbaute Gotteshaus und dessen Ausschmückung vorzugsweise seiner Thatkrast zu verdanken. Von jener Pietät beseelt, die unseren Alten eigen war, huldigte der Verstorbene dabei dem Fortschritt. Er ist den Bewegungen des Judenthums in den vergangenen Decennien gefolgt und hat alle Einrichtungen unterstützt, die darauf hinzielten, dasselbe nach innen zu stärken und nach außen zur Geltung zu bringen. Er war auf den Rabbinerversammlungen in Leipzig und Frankfurt a. M. anwesend und hat die Errichtung der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums unterstützt und diese in seinem Testamente noch mit einem ansehnlichen Legale bedacht. Dem Judenthume ist ein treuer Kämpfer heimgezangen. Friede seiner Asche! —. Auch wir sprechen unser tiefes Bedauern über den Heimgang des seltenen Mannes aus, in welchem wir abermals eines jener trefflichen Glieder der älteren Generation zu ehren hatten, welche die Begeisterung für das Jubenthum mit dem Enthusiasmus für Humanität und Bildung harmonisch in sich vereinigten. Seit mehreren Jahrzehnten uns persönlich befreundet, war Herr Benny Burchardt stets bereit, auch uns in allen unsren Bestrebungen seine Mithülfe zu leihen. Sein Andenken wird uns stets theuer sein! Die Redaction. Guesen, 5. Januar. (Privatmitth.) Herr l»r. S. Gelbhaus, ein Hörer der Hochschule für die Wissenschaft des Judenthums in Berlin, ist in Karlstadt in Kroatien (Südungarn) als Rabbiner angestellt worden. Mittwoch, den 3. Januar, ist er in's Amt getreten. Möge sein Wirken erfolgreich sein. Kassel, im Januar. (Eingesandt.) In unserer Gemeinde besteht, Gott fei Dank, ein erwünschter Friede, nicht der des Grabes, wie der Friedensstörer, Herr vr. Lehmann, glauben machen will, sondern der auf gegenseitiger Würdigung des Bedürfnisses und Rechts beruhender, wie er überall bestehen wird, wohin jener zänkische Geist fanatischer und heuchlerischer Frömmelei noch nicht gedrungen ist, oder wenn er eindringen will, rasch abgewehrt wird. — Vor einigen Monaten war allerdings auch hier die Besorgniß aufgetaucht, es könnte der Friede gestört und vielleicht gar eine.Separation herbeigeführt werden. Doch wurde diese Besorgniß nicht nur beseitigt, sondern es hat auch in der ganzen Gemeinde die Ueberzeugung sich festgesetzt, daß auch für die Zukunft hier eine derartige Besorgniß durchaus ungerechtfertigt wäre. Der Hergang ist aber für andere Gemeinden so lehrreich und bietet ein so warnendes Verspiel, daß ich Ihnen denselben mitzutheilen für Pflicht erachte. Meiner durchaus auf Thalsachen sich beschränkenden Darstellung werden Sie, geehrter Herr Redacteur, die Aufnahme hoffentlich nicht versagen, wenn auch einige Persönlichkeiten berührt werden, denn gerade dieser Umstand kann Ihnen als Beweis dienen, daß ich mit meiner Mittheilung ausschließlich auf Thatsachen mich beschränkend, alle Verantwortlichkeit für die Wahrheit selbst übernehme. Ein gewisser l)r. Ehrmann, Rabbiner und Lehrer der sehr kleinen Separat-Gemeinde zu Karlsruhe, verließ diese Stelle. Ob er gekündigt hat, oder ihm gekündigt worden ist, läßt sich nicht sagen, denn über die Trennung ist ein mystisches Dunkel verbreitet, welches wohl schwerlich jemals aufgehelll werden wird. Thatsrche ist aber, daß p. p. Ehrmann um ein Mädchen in Karlsruhe warb und auch Aussicht auf Erfolg haben soll, wenn er — eine Rabbinatstelle erlangt habe. Nun war aber eine Separat-Gemeinde nicht vorhanden, und andere, d. h. ordentliche Gemeinden, pstegen keinen Separat-Rabbiner aufzunehmen, weil es in deren ganzem Wesen liegt, Streit und Hader in den Gemeinden anzufachen. Was nun anfangen? Man sagt: Jesuiten kommen niemals in Verlegenheit, weil sie wegen der Mittel nicht verlegen seien, ^uch l>r. Lehmann in Mainz wußte Rath und Hülfe. Ist eine Separat-Gemeinde nicht vacant, so muß man eben eine Separation in irgend einer Gemeinde bewirken. Die Gelegenheit ist günstig, jubelte p. p. Lehmann. In Kassel suchen einige Mitglieder der Gemeinde für ihre Kinder einen Privatlehrer, die man wohl zur Separation wird veranlassen können. Er hat darum nichts Eiligeres zu thun, als nach Kaffel zu schreiben: Trennet Euch von der Gemeinde, dann sollt Ihr einen Lehrer bekommen, der zugleich Rabbiner und ein wahres Lumen ist! Doch, o weh! Er bekam eine ganz entschieden abschlägige Antwort. Da nun p. p. Ehrmann früher Rabbiner war, so sollte man glauben, daß er nach dieser abschlägigen Antwort um die Privatlehrerstelle sich weiter nicht werde beworben haben. Doch Lehmann ist gar zähe! Trotz der Ablehnung schickt er Ehrmann nach Kaffel, dieser contrahirte mit den Privatleuten, d. h. er nahm die Stelle eines Privatlehrers an, und kehrte nach

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