Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1877)
- Date
- 1877-01-09
- Page
- Seite 26 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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26 aussprechen lassen. Gern füge ich dem noch hinzu, daß nach meiner aus der Erfahrung geschöpften Ueberzeugnng das Verhalten des Herrn Kreisschulinspectors gegen die Lehrer ohne Rücksicht auf die Confession ein gerechtes und wohlwollendes genannt werden muß, da derselbe, wie mir bekannt, durch persönliches Einschreiten unausgleichbar scheinende Differenzen zwischen einem jüdischen Lehrer und seiner Gemeinde beseitigt und die Eintracht zwischen beiden hergestellt hat, eine Thatsache, die ich früher in meiner Praxis nicht wahrgenommen habe und die daher um so höher angerechnet werden muß, weil sie darthut, daß der Herr Kreisschulinspector Stein auch für die ihm untergebenen jüdischen Lehrer ein theilnahmsvolles Herz besitzt. Lehrer R. Wolfsdorf. Oesterreich-Ungarn. Krakau, 24. December. Hier ist eine Nachwahl für den Landtag erforderlich. Die „N. Fr. Pr." enthalt hierüber folgende Correfpondenz: Wie die Dinge stehen, hat Dr. Jonathan Warschauer jetzt die beste Aussicht gewählt zu werden. Bekanntlich wurde er während der Wahlen am 27. October nur in Folge eines Manövers des früheren Stadt-Wahlcomitvs zum Falle gebracht, indem dieses die Caudidatur des in Chrzanow bereits gewählten Dr. Zyblikiewicz zum Nachtheil des vr. Warschauer aufrecht erhielt, was nicht nur unter der hiesigen Wählerschaft allgemeine Mißbilligung hervorrief, sondern auch den Czas veranlaßte, für die Caudidatur des Dr. Warschauer energisch, leider aber ohne Erfolg einzutreten. Es unterliegt keinem Zweifel, daß dieser Candidat ungeachtet seiner anerkannten Qualification für den Landtag einzig und allein seiner jüdischen Confession wegen auch diesmal so manche ultramontane Gegner haben dürfte. Die dabei in Betracht kommende Frage ist aber keineswegs confessioneller, sondern leider rein socialer Natur! In Landern wie Frankreich und England, wo die sociale Scheidewand zwischen Christ und Jude fast ganz geschwunden, fällt es Niemandem ein, bei politischen Wahlaugelegeuheiten an das religiöse Glaubensbekenntniß der Betheiligten zu denken. Bei uns zu Lande aber ist wohl die Gleichberechtigung der Juden im Gesetze garantirt — und auch das zum Aerger unserer Römlinge! — doch ihre sociale Gleichstellung .ist hier noch immer nur ein kium desideriuni selbst bei jenen intelligenten Israeliten, die in Tracht, Sprache, Sitte und sogar in nationaler Gesinnung sich von den christlichen Polen nicht im geringsten unterscheiden. Daß nun die imposante Anzahl Israeliten Galiziens — die daselbst auf Schritt und Tritt, bei jeder öffentlichen Frage an ihre Religion erinnert werden — im Landtage wie in jeder parlamentarischen Körperschaft durch Männer aus ihrer Mitte vertreten zu sein strebt, ist ebenso psychologisch begründet, als auch (im Hinblicke auf die hierländischen Zustände) ein Gebot der^ Nothwendigkeit, indem auf dem galizischen Landtage so manche speciell die jüdischen Interessen betreffende Frage angeregt werden soll, die bis nun nur aus dem Grunde nicht aufs Tapet gebracht wurde, weil eben für sie nur ein mit den geistigen und materiellen Bedürfniffen der galizischen Juden vertrauter Israelit mit Wärme eintreten kann. Hoffentlich wird es den Krakauer jüdischen Wählern diesmal gelingen, ihren Candidaten, den vr. I. Warschauer, bei der demnächst stattfindenden Landtagswahl durchzubringen. (Wir wünschen unseren Glaubensgenoffen in Krakau endlich einmal Charakterfestigkeit genug, um sich nicht wieder dupiren zu lasten. Redaktion.) Teplitz, im December. (Privatmitth.) In Nummer 47 Ihrer vielverbreiteteu Zeitung finde ich in einer Brüxer Correfpvudeuz unter Anderem die Mittheilung, daß in czechischen Landescheilen Böhmens jüdische Bürgermeister nicht zu den Seltenheiten gehören, während in Deutschböhmen nicht einmal jüdische Stadträrhe existiren. Dem entgegen muß ich berichtigen, daß auch in Deutschböhmen jüdische Gemeindeoberhäupter nicht zu den Seltenheiten gehören, ja vielleicht noch häufiger als in slavischen Gegenden Vorkommen, wo mir als jüdischer Bürgermeister nur jener in Hluboiep bekannt ist, dagegen ist in Luck im Buchauer Bezirke Deutschböhmens Herr Philipp Kohn schon seit langer als 10 Jahren Bürgermeister und in vielen, ja man kann fast annehmen in allen Gemeinden deutscher Zunge, wo Juden ansässig sind, findet man dieselben auch in dem Gemeindeausschuffe vertreten. Speciell zu meinem Wohnsitze Teplitz übergehend, befinden sich unter den 36 Stadtverordneten 11 Israeliten, darunter 2 Stadttathe, die Herren Eduard Stern und vr. med. Heller, und sind sämmtliche Herren je nach ihren verschiedenen Parteinüancirungen größlentheils von den hier ganz vorurtheilslofen christlichen Wählern gewählt. Die Zahl 11 unter 36 spricht für den Liberalismus unserer Bevölkerung, denn die jüdische Einwohnerzahl, beiläufig 1500 unter 12000, beträgt ungefähr den achten Theil. Seit dem Jahre 1850, wo zum ersten Male das Collegium von der Bürgerschaft gewählt wurde, hat es in jedem Turnus hier zahlreiche jüdische Stadtverordnete gegeben, vr. med. Gottfried Schmelkes fei. Andenkens war durch 18 Jahre erster Stadtrath, in welcher Eigenschaft er den erledigten Bürgermeisterposten anfangs der sechziger Jahre interimistisch verwaltete. Frankreich. Pariö, 26. Dec. Eine Deputation der israelit. Allianz war heute bei dem russischen Botschafter Fürsten Orlav, um demselben die vom israelit. Congresse» zu Gunsten der Israeliten in der Türkei beschlossene Denkschrift zu überreichen. Die Deputation bestand aus den beiden Oberrabbinern von Paris, den Bauquiers Goldschmidt und Victor Sanct Paul und dem Professor Oppert.