Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1877)
- Date
- 1877-01-09
- Page
- Seite 20 (sequence 4)
- Language
- German
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20 die heil. Sacramente zu administriren und das Wort Gottes zu predigen, uns ihre Beauftragung und ihre Berechtigungsbriefe vorzeigen sollten, ebenso die fremden Priester die Licenz und die Erlaubniß, die sie hatten, in der genannten Diöcese die Meffe zu lesen. Dieser Ordonnanz Folge leistend, kamen die Herren Jean de Laffon, Pierre de Liffardy, Priester zu Saint-Jean-de-Luz und der Priester Manuel Santus, Portugiese von Geburt am 16. Tage des Monat März zu uns, und indem wir uns mit ihnen über die Ursachen des Aufenthaltes des genannten Emanuel SantuS und zweier anderer ebenfalls portugiesischer Priester im genannten Saint-Jean-de-Luz unterhielten, bemerkten wir ihnen, daß wir Grund hätten zu zweifeln und eine üble Meinung zu hegen wegen ihres Lebens und ihrer Sitten oder wegen ihrer Religion, weil sie ihr Geburtsland verlasien und sich von einen Ort zurückgezogen hätten, wo sie nicht viel beschäftigt wären und keine Beförderung hoffen könnten. Der genannte Santus erwiderte uns, daß, was ihn anginge, er sich in Wahrheit aus seinem Baterlande entfernt habe wegen einiger Anklagen und um die Härten der Inquisition zu vermeiden, daß er nichtsdestoweniger die Zeugniffe seines Superiors besitze, die sein Leben und seine Sitten beglaubigten und daß er, seitdem er sich nach dem genannten Saint-Jeau-de-Luz zurückgezogen, gesucht habe, sich als guter Geistlicher zu betragen, und uns bitte seine Licenz zu verlängern, daß er seine Mutier in dem genannten Saint-Jean-de-Luz habe, die er nicht gut verlaffen Auf diese Aeußerungen nahmen die genannten de Laffon und Liffardy für den genannten Santus das Wort und sagten uns, daß selbiger Saulus durch seine Handlungen in keiner Weise etwas anderes bezeige, als daß er ein guter Christ und Katholik sei; daß er sehr religiös und in jeder Weise schicklich lebe, daß er selbst nicht mit den anderen Portugiesen verkehre, unter denen er nicht allzu willkommen geheißen werde; hinzufügend, daß noch ein anderer portugiesischer Priester Namens Don Antonio da sei, welcher einige Tage zuvor unserer genannten Ordonnanz Genüge gethan hatte, von dem sie nicht Beranlaffung hätten, eine so gute Meinung zu hegen, deshalb weil er gewöhnlich unter den anderen Portugiesen lebe und von ihnen sehr hoch gehalten und geliebt werde, so selbst, daß diejenigen unter ihnen, die ihre Devotion bethätigen wollten, sich an keinen anderen Priester als an ihn wendeten; daß übrigens der größte Theil der genannten Portugiesen am Samstag feierten, die von der Kirche befohlenen Feste nicht hielten noch an ihnen mit seltenen Ausnahmen die Meffe hörten, so daß sie sich selbst im äußeren Anschein nicht darum kümmerten, als Christen und Katholiken zu gellen, daß man sie im Allgemeinen vielmehr für Juden oder Sectirer als für Genoffen unserer Religion halten könne. Deshalb hätten auch die Einwohner genannten Ortes üble Meinungen von ihnen gefaßt, und die Eifrigsten hätten gleichsam vor ihnen einen Abscheu, besonders wegen eines dunklen Gerüchtes, daß diese Leute einmal dabei überrascht seien, wie sie dem Cruzifix Schmach anthaten und jüdische Ceremonien begingen. Darüber sehr erstaunt und gekränkt haben wir rem genannten de Laffon und Liffardy eingeschärft, die Handlungen und das Benehmen der genannten Portugiesen bei Ausübung der christlichen Religion sorgsam zu überwachen und besonders auf ve» genannten Don Antonio Acht zu geben, der sie zur Beichte zu hören pflegte. Am 18. deflelben Monat März schrieb uns der Rector des genannten Saint-Jean-de-Luz, daß der genannte Liffardy am selbigen Tage eine portugiesische Frau überrascht habe, wie sie die heilige Hostie, die sie aus ihrem Munde genommen habe, sobald sie sie empfangen, in einem Taschenluche verborgen habe, daß der Amtmann und die Geschworenen genannten Ortes die Beamten von Labourd 2) davon benachrichtigt habe, so wie er uns jetzt benachrichtige', uns zugleich bittend, solchen Befehl zu ertheilen, wie uns angemeffen scheine. Und sogleich machten wir Mittheilung des Briefes genannten Rectors den Beamten genannter Stadt 2) und am anderen Tage, dem 19. genannten Monats, reisten wir ab nach dem genannten Saint-Jean-de-Luz in Begleitung der Herren Marlin de Eruchette, besonderer. Lieutenant am Sitze der genannten Stadt und Lanrens d'Arcangos, Anwalt des Königs beim genannten Amte Labourd. Und als wir bei dem genannten Saint-Jean-de-Luz anlangten, begegneten wir dem Maitre Andrö de Lalande, Anwalt des Königs in genannter Stadls, der aus dem genannten Ort kam und seinen Weg zuröcknehmend uns vortrug, daß er als er den Hauptplatz genannten Ortes pasfirte, daselbst eine Menge Leute in Aufruhr und gegen die genannten Portugiesen angesammelt gefunden hätte, Vorbereitungen treffend, um genannte Portugiesen zu verbrennen, und betheurend, daß sie nicht zugeben würden, daß eine so fluchwürdige Bosheit ungestraft bliebe, mit lauter Stimme schreiend, daß sie Furcht hätten, daß Gott sie selbst vernichte, wenn jene ihren Händen entränne. Und erstaunt über eine solche Bewegung und in dem Wunsche, daß dies Volk nichts Gewaltsames gegen die genannten Portugiesen unternehme, habe er sie gebeten sich zurückzuziehen und sich ihrer Absicht zu entschlagen, ihnen versprechend, daß er Befehl geben werde, daß die Justiz ihr den Proceß mache sofort und ohne sie aus ihrem Bereich zu nehmen. Und daß besagter Amtmann, der ebenfalls durch alle Mittel versuchte diese Wuth zu hemmen, ihnen versichert habe, um sie beffer zu beruhigen, daß wenn sie nur selbst ihm beifiehen wollten, kein Mensch auf der Welt sie ihren Händen entreißen könne, daß diese Vorstellungen sie zurückgehalten hätten und daß sie genannten Platz verlassend und besagten Anwalt des Königs wie 2) Saint-Jean-de-Luz wie Bayonne gehörten zum Amte Labourd (Lapurdum) besten Hanptort ursprünglich Ustaritz war, jetzt einfacher Cantonshanptort im Arrondissement Bayonne (Bastes-PyreneeS). | Bayonne.