Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 41 (1877)
- Issue
- Heft 1 (2.1.1877)
- Date
- 1877-01-02
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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10 strafung der Schulversäumniffe für die kathol. Volksschulen des Herzogthums in den §8 3 ff. der Bekanntmachung des Großherzoglichen kathol. Oberschulcollegiums vom 23. December 1856, betreffend die Controle über den Schulbesuch und die Bestrafung der Schulversäumniffe, gegeben find, und zwar mit folgenden Abänderungen. Die Bersäumniß-Berzeichniffe werden nach einem vom Localschulinspector mitgetheilten Schema von dem jüdischen Religiouslehrer aufgestellt. Als Localschulinspector fungirt der Landrabbiner, an Stelle des Oberschulcollegiums tritt das Staatsministerium, Departement der Kirchen und Schule» ein. Die erkannten Geldstrafe» fließen in diejenige Caffe, aus welcher die Kosten des Religionsunterrichtes bestritten werden, und sind au den Berrechner dieser Caffe zu bezahlen. Vorstehende Bestimmungen treten mit dem 1. Januar 1877 in Kraft. Oldenburg, 9. December 1876. Staatsministerium. Departement der Kirche» und Schulen. In Vertretung. Ruhstrat." Runde. Oesterreich-Ungarn. Wien, 18. December. Es kommt vor, daß Juden aus Galizien, die zumeist der ärmeren Classe angehören, wenn sie mit Augenleiden behaftet sind und in der Heimath keine Heilung finden, oft unter den bittersten Entbehrungen nach Wien ziehen, hier Hülfe zu suchen. Jetzt verweigert der galizische Landesausschuß die Bezahlung der dafür auflaufeuden Kosten an das allgemeine Spital. Wie man uns mittheilt, hat sich der berühmte Oculist Prof. v. Stellwag in einem Memoire an die Direction des Krankenhauses veranlaßt gesehen, diese Frage zu beleuchten. Er weist zunächst nach, daß in Galizien vom Statthalter abwärts alle Jene, die einen Werth auf ihre Gesundheit legen und sie nicht in der Heimath erlangen können, daffelbe thun, was die Juden daselbst thun. Er schildert, in welchem wahrhaft bejammernswerthen Zustande die Juden nach mühevoller Reise, die sie oft zu Fuße machen müffen, hier ankommen, und das thatsächlich der weitaus größte Theil derselben Heilung und Genesung findet, da sie sich willig den ärztlichen Anordnungen fügen; schließlich coustatirt er, daß die Verpflegungskosten hier geringer als in der Heimath sind, da in den dortigen Spitälern der Kranke täglich 90 kr. und hier blos 86 kr. kostet. Vielleicht finden diese Gründe von Seite des galizischen Landesausschuffes Berücksichtigung. Wie», 22. Dec. (Mädchen-Unterstützungsverein.) Die Generalversammlung des Mädchen-Unterstützungsvereins fand am 18. December im Saale der Handelsakademie unter dem Vorsitze der Präsidentin Frau Dr. Frankl statt. Die Schriftführerin Frau Marie Schüßler verlas unter großem Beifalle den sehr klar abgefaßten Rechenschaftsbericht. Derselbe beweist, daß sich der Verein auch im abgelaufenen Jahre einer bedeutenden Prosperität zu erfteuen hatte. Seine Einnahmen sind gestiegen, und er waic daher auch in der Lage, seine Schulen zu erweitern und mehr als zweihundert Mädchen Unterricht in den verschiedensten Fächern angedeihen zu laffen. Der Verein, welcher bereits zehn Jahre besteht, gewahrt seinen Schülerinnen die Möglichkeit, sich in allen Handelsfachern auszubilden, Kindergartnerinneu, Kleidermacherinnen, Lithographinnen, Weißnäherinnen, Erzieherinnen rc. zu werden. Der Verein bemüht sich auch, für das Fortkommen der Schülerinnen nach ihrem Austritte aus seinen Anstalten zu sorgen. Nach Verlesung des Berichtes wurde Frau Dr. Pisko zum Ehrenmitgliede gewählt. Herr Simon verlas schließlich den Caffenbericht und hob das Wirken des Vorstandes lobend hervor. Gemeinderath Frankl bat, bei Lek Neuwahl den Vorstand per Acclamation wieder zu wählen, was auch geschah. Bon der Donau, 17. Decbr. (Privatmitth.) Nehmen Sie heute mit wenigen dürren Notizen fürlieb. Der Pester Kranken- und Leichenvereiu „Zion", der größte der vielen dort bestehenden ähnlichen Vereine-, feierte gestern sein fünfundzwanzigjahriges Bestehen. Derselbe zählt gegen 2000 Mitglieder, ist im Besitze eines eigenen Hauses und eines ansehnlichen Vermögens. In der Nacht auf den 9. d. M. sind in Galgocz (Freistadtl) in der Synagoge drei Opferstöcke erbrochen und ausgeleert worden. Vor ungefähr zwei Jahren wurde dort daffelbe Bubenstück verübt, ohne daß man die Thater ermitteln konnte. Bon der Donau, im December. (Privatmittheil.) In Balaton-Füred, wo die Israeliten ein Hauptcontingent der Kurgäste bilden, fehlte bisher eine Stätte, wo dieselben ihre Andacht hätten verrichten können. Auf Ansuchen des dortigen Badedirectors hat nun die Tihanyer Abtei als Grundherrschaft von Füred zur Errichtung eines israel. Tempels einen Grund sammt Gebäude zur Verfügung gestellt. Frankreich. Paris, 20. Dec. Der neue Ministerpräsident und Minister des Innern, Herr Jules Simon, hat Herrn Cohn (Sohn des Herrn Albert Cohn) zum Generalsecretär seines Ministeriums gewählt.