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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1877-01-02 · Heft 1 (2.1.1877) · p. Seite 6

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
41 (1877)
Issue
Heft 1 (2.1.1877)
Date
1877-01-02
Page
Seite 6 (sequence 6)
Language
German
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6 derten Gestalt, und seine vorgebliche „Natürlichkeit" seiner Entwickelung zeigt sich nur in einem völlig rohen Naturalismus und in einer starker als anderswo hervortretenden Plattheit. Die oben als das Glaubensbekenntniß des Materialismus ausgeführten vier Sätze ziehen sich auch durch das ganze Hellwald'sche Buch. Die Gefährlichkeit desielben besteht darin, daß es das, was ist, und das was fein soll, nicht unterscheidet, da es nur Nothwendigkeiten aber nicht imperative Principien kennt. Der thierischen Moral des vulgären Materialismus, deren einziges Dogma der schrankenloseste und kurzsichtigste Egoismus des von allem idealen Glauben und Streben entfeffelten Individuums ist, durch die Darstellung der menschlichen Geschichte den Schein einer wiffenschaftlichen Apologie zu geben — das ist die nicht ausgesprochene Tendenz des Hellwald'schen Werkes. Wenn man dazu nimmt, daß dasielbe von Trivialitäten wimmelt und zum größten Theile eine völlig unselbstständige Compilation ist, so muß man ihm einen wissenschaftlichen Werth durchaus absprechen." Ja, Hellwald versucht nichts weiter als „eine rein mechanistische Erklärungsweise der Thatsachen anzuwcnden, aber sie durchzuführen hat er nicht vermocht, so daß mithin sogar vom rein mechanistischen Standpunkte aus sein Buch ein völlig verfehltes ist." — Dieses Urtheil belegt denn auch Z. durch die beiden Artikel mit den schlagendsten Beweisen. Eine trostlose Oeee hat Hellwald um sich geschaffen. „Ihm sind Gottesglaube und Religion Trug (S. 694), ihm sind Sittlichkeit, Gleichheit, Liebe und Freiheit Lüge iS. 569) und leerer Schall (S. 795), ein absolutes Recht existirt nicht (S. 327), und den Begriff der Humanitär und der Menschenwürde aufzustellen, ist ein Fehler gewesen, in den das Mittelalter noch nicht verfallen war (S. 616). Er weiß darum auch nicht, was Menschenwürde ist (S. 329 Note 1), ja'er leugnet sie (S. 673), die allgemeinen Menschenrechte endlich sind ihm ein von den Stoikern ersonnenes Wahngebilde (S. 391), Scheinrechte (S. 691), Phantome, ein inhaltloses Schlagwort (S. 720). Alle jene edelsten Blüthen des Menschengeistes, die höchsterrungenen Güter unserer Cultur, für die soviel Ströme von Blut und Thranen geflossen sind, sie alle sind für Hellwald unwahr und nichtig. Wahr ist ihm nur, was so recht von Herzensgründe trivial ist, und für die großen Thatsachen der Geschichte fehlt ihm jedes wahre Verständniß." So weit, was wir zur Charaklerisirung der Hellwald'schen Gesammtanschauung aus Zitelmann's eingehender Kritik anführen. Unterdeß ist aber auch von einer anderen Seite dem Hellwald'schen Machwerk sein Recht geschehen. Wenn Z. den philosophischen Standpunkt, den Hellwald einzunehmen großsprecherisch sich rühmte, ihm unter den Füßen zerschlagen hat; so zeigte O. Jäger in Nr. 30 der „Grenzboten" hinsichtlich des historischen Materials, welches Hellwald in seinem dicken Buche verarbeitet hat, die völlige Unzulänglichkeit des historischen Wissens, den Mangel an aller Sprachkenntniß, an allem Studium der Quellen und der wirklichen Hülfsmittel, den Wegfall jedes Verständnisses der Thassachen, kurz die Unwissenheit Hellwald's, wie sie in einem Maße in dieser Schrift sich documentirt, daß an vielen Stellen die offenbaren Schnitzer kaum einem Tertianer verziehen würden. Jäger spricht sein Urtheil dahin aus, „daß hier von einem völlig unberufenen Manne mit völlig unzureichendem Material ein Buch zusammengetragen worden ist, das wir nicht anstehen, nach Form und Inhalt eines der schlechtesten, wo nicht das schlechteste zu nennen, das uns seit 30 Jahren vorgekommen." Für dieses Urtheil erbringt er den Beweis in aller nur wünschenswerthen Vollständigkeit. Das Buch wimmelt in allen Partien der Geschichte von den gröbsten Fehlern; seine Citate beruhen guten Theils auf Täuschung; der Berf. versteht von griechischer, römischer, mittelalterlicher Geschichte, von Kirchengeschichte, Geschichte der Philosophie u. s. w. so gut wie Nichts, und das Ganze wimmelt von den gröbsten Sprachfehlern. Dies Alles wird von Herrn Jäger mit einer Unmasse von Beispielen belegt, und er stellt Herrn Hellwald, wenn er es verlangt, noch eine viel größere Auslese zu Gebote. Fürwahr, eine Schmach für das deutsche Publicum, einem solchen Werke in kurzer Zeit zu einer zweiten Auflage verholfen zu haben. Wir können also mit Gemüthsruhe den Urtheilen eines solchen Schriftstellers über die Juden entgegengehen und haben um so leichter die Aussicht mit ihm fertig zu werden. (Schluß folgt.) Die Folgen -es preußischen Austrittsgesetzes. VIII.1) Frankfurt am Main, 22. December. (Privatmitth.) Es gereicht mir zu besonderem Vergnügen, Ihnen eine Abschrift der Stipulationen zwischen dem Vorstande der Gemeinde und den nicht ausgetretenen Mitgliedern der „Religionsgefellschaft" zu übersenden. 2) 1) S. Nr. 45. 46. 47. 49. 50. 51. 52. v. I. 2) Wir können diese ftiedliche Ucbereinkunst nicht mittheilen, ohne auch unsrerseits die herzlichste Befriedigung darüber auszudrücken und den ganzen Vorgang als nachahmungswürdiges Beispiel zu empfehlen. Man wrrd sich erinnern, daß unser Antrag, sowie der zahlreicher Gemeinden bei den gesetzgebenden Factoren auf nichts Anderes hinausging, als auf solche Verabredungen, wie sie in obigem Schriftstück verwirklicht worden. Es versteht sich von selbst, daß wir ein besonderes Gewicht auf den Umstand legen, daß diese Uebereinkunft gerade in Frankfurt am Main getroffen worden, von wo die hauptsächlichste Anregung zu dem ganzen Gesetze ausgegangen. Wir haben ebenso die Friedensliebe des Gemeindevorstandes, wie die Anhänglichkeit derer, welche diesen Bedingungen zugestimmt, an ihrer tausendjährigen Gemeinde zu rühmen. Um Mißverstandniß zu vermeiden, machen wir darauf aufmerksam, daß obige Zugeständnisse nur denen gemacht sind, welche einem anderweitigen Tultusverein angehören; nicht aber solchen, welche überhaupt einem Culms nicht zugehören wollen, also nur von einem Theile ihrer Gemeindesteuer sich zu befteien beabsichtigen. Redaction.

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