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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-26 · Heft 52 (26.12.1876) · p. Seite 843

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 52 (26.12.1876)
Date
1876-12-26
Page
Seite 843 (sequence 13)
Language
German
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843 Bern, Zürich, Endingen, Lengenau, St. Gallen, Liestal, Langenthal, Biel, Neuenburg, St. Ämier und Olten, welche zusammen eine Bevölkerung von 2875 Seelen vertraten. Andere Gemeinden waren entschuldigt. Man war bald über die Beschickung der Conferenz zu Paris einig und wählte zu Vertretern der schweizerischen Gemeinden die Herren S. Dreyfus-Neumann von Basel und Alphonso Weiü von Genf. Eine Discussion fand nur darüber statt, ob auf die Angelegenheiten der rumänischen Juden in dem Memoire eingegangen werden soll. Man legte ein besonderes Gewicht darauf, daß auch in früheren schweizerischen Handelsverträgen ähnliche Beschränkungen für die Juden einen Platz gefunden, später jedoch beseitigt wurden. Bon einer Seite bemerkte man. daß die Frage wegen Rumänien kaum in Konstantinopel wird in Berücksichtigung gezogen werden und es bester wäre, nicht zu viel für einmal zu verlangen. Es wurde auf den Antrag des Herrn Präsidenten beschloffen, das Tractandum wegen Rumänien der Conferenz in Paris zu überlasten, den Delegirten jedoch anzuempfehlen in Paris den von Herrn Dreyfus von Endingen gebrachten Antrag zu empfehlen, damit die Conferenz eventuell in dieser Angelegenheit vorgehe. Die Mittheilung über diese Versammlung hat wohl ihren Werth darin, das warme Jntereffe zu bezeugen, welches in den schweizerischen Israeliten für die allgemeinen Angelegenheiten der Glaubensgenostenschaft lebt. Türkei. Aus Rustschuk, 12. December, wird der Wiener „Preste" telegraphirt: „Gestern ist hier eine bosnische Deputation, bestehend aus vier Türken, drei Juden, zwei Bosniaken griechischer und einem Bosniaken katholischer Religion, nach Konstantinopel durchgereist, um dort eine mit 500 Unterschriften versehene Bittschrift gegen die Einführung der angekündigten Reformen in Bosnien zu unterbreiten." Es ist erfreulich, in diesem Vorgänge die Vereinigung von Männern aus allen dortigen Glaubensbekenntnisien zu gewahren. Gegen welche „Reformen", ob gegen die von der Türkei oder die von den Großmächten geplanten sie petitioniren, ist aus Obigem nicht zu ersehen. Wir halten es für unsere Aufgabe, Alles zu sammeln, was auf den Kernpunkt der großen und schwierigen Angelegenheit Bezug hat, und so fugen wir auch Folgendes hinzu. Aus London, 16. December, wird telegraphirt: „Die von mehreren Bulgaren dem Marquis von Salisbury überreichten Vorschläge fordern im Wesentlichen Folgendes: Allgemeine Amnestie; repräsentative Einrichtungen; Einsetzung eines eingeborenen durch die Pforte und die Großmächte ernannten Gouverneurs; Organisation der Gerichte; Gleichstellung aller Religionen u. s. w." — Man sieht, daß, wahrend die Kundgebungen der europäischen Mächte stets nur von den Christen sprechen, alle Aeußerungen des Orients die Gleichstellung aller Religionen befürworten. Auf welcher Seile steht hierbei das liberale Princip der Gewiffensfreiheit und der Gleichberechtigung? Koustautinvpel, 12. December. In den Provinzen ist jetzt ein Freiwilligencorps in allen größeren Orten entstanden. Bemerkenswerth dabei ist, daß die Nationalgarde, wie der Levant Herald aus guter Quelle erfährt, durchaus nicht ausschließlich aus Mohammedanern besteht; so sollen z. B. in Drona und Kamum die mobilen Corps zur Hälfte aus Juden und Christen zusammengesetzt sein. I e u i f Zur neueren «ui neuesten Geschichte der Juden Nom'r. Einem der bedeutendsten Journale Roms, dem Diritto vom 23. v. M., entnehmen wir folgenden Bericht: Zu den edelsten Errungenschaften, welche Rom seiner neuen Aera verdankt, gehört die im Anfänge dieses Jahres erfolgte Begründung einer Gesellschaft der Brüderlichkeit, (Socieiä della Fraiellanza) für den moralischen und materiellen Fortschritt der armen Juden in Rom. Die Geschichte der Juden in Rom unter der Gewaltherrschaft des Klerus ist noch nicht vollständig geschrieben. Noch aber leben die Erinnerungen und existiren die Thalsachen, um sie schreiben zu können — und dieses Buch würde das Brandmal der strafbarsten Infamie darstellen, welche von der sinnlosen Tyrannei, der grausamen Unduldsamkeit der römischen Curie begangen worden ist. l e t o n. Die Juden waren geduldet in Rom, aber geduldet zum Gespötte des gemeinsten Aberglaubens, geduldet um den Preis jeder erdenklichen Erniedrigung. Viele Jahrhunderte hindurch waren sie als die Parias unter der Bevölkerung Roms angesehen und behandelt worden; bis zu einer gewissen Zeit zwangen die Priester jene Unglücklichen während des Carnevals auf dem Corso wie die Berberhengste zu rennen und für eine abscheuliche Belustigung des Pöbels zu bienen. Die Juden waren verdammt, im schmutzigsten, ungesundesten Winkel der Stadt zu leben, ausgeschlossen von allen öffentlichen Aemtern, zurückgewiesen von den Schulen, untheilhaftig jeder Wohlthat und Barmherzigkeit, unterworfen den schimpflichsten Steuern und Abgaben — konnten da die empfindlichsten Merkmale einer solchen bestialischen Verfolgung auSbleiben? Es ist nur ein Wunder der Standhaftigkeit, welches die Juden im Unglücke stets aufrecht und zusammenhält, und das

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