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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-26 · Heft 52 (26.12.1876) · p. Seite 842

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 52 (26.12.1876)
Date
1876-12-26
Page
Seite 842 (sequence 12)
Language
German
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842 in Serbien und Rumänien sei, nachdem diese Staaten ihre Unabhängigkeit erlangt hätten, und sie richtet an die Mächte die Bitte, daß die Lage der Juden nicht verschlimmert werden möge, falls auch die übrigen türkischen Provinzen ihre Autonomie erlangen sollten. Paris, 15. Dec. Der Israelitische Congreß wurde heute geschloffen, nachdem die Denkschrift von allen Congreßmitgliedern unterzeichnet worden war. Baron Worms aus London, ein Verwandter Rothschilds, wurde beauftragt, das Actenstück nach Konstantinopel zu bringen, um es der Conferenz zu übergeben. — Gestern gaben die Pariser Mitglieder der Alliance Israelile Universelle den fremden Mitgliedern des Israelitischen Congreffes im Grand Hüiel ein Banket. Elf Reden wurden gehalten, Cremieux hielt die erste; die Fremden sprachen alle in ihrer Landessprache, für Deutschland der Rabbiner Landsberg aus Liegnitz und für Oesterreich Dr. Singer aus Wien. Als letzterer seine Rede in deutscher Sprache begann, rief ihm einer der anwesenden Franzosen zu: „Sprechen Sie nicht deutsch. Sie verstehen ja Französisch!" worauf derselbe erwiederte: „Ich bin Oesterreicher und rede in meiner Sprache; denn Gott Lob sprechen wir noch deutsch und nicht slavisch." — Der Congreß hielt sechs Sitzungen vom 11.—15. December, und war von ungefähr 60 Personen besucht, von denen ein Drittel Nicht-Franzosen waren. Paris, 17. Dec. (Nach den Arch. isr.)*) Das Budget für den israelitischen Cultus in Frankreich für das Jahr 1877 ist auf 192,400 Francs festgesetzt. Kleiner als vor 1871 wegen Loslösung Elsaß-Lothringen, ist es doch seitdem verhältnißmäßig gestiegen, und kommen nach der jüdischen Bevölkerungsziffer ungefähr 4 Francs auf den Kopf. — Eine bedeutende Entwendung von Fonds ist an der Caffe des israel. Consistoriums von Paris vorgefallen. Die gerichtliche Untersuchung ist im Gange. Da dies nicht das erste Mal ist, daß eine derartige Unterschlagung seitens ungetreuer Beamten stattgefunden, scheint die Controle mangelhaft zu fein. — Am 10. December fand die Wahl eines Mitgliedes des Centralconsistoriums für Paris statt. Die Zahl der Abstimmenden war 1205, also die absolute Majorität 603. Herr Dreyfus-Dupont erhielt 605 Stimmen und war hiermit gewählt. Für das Consistorium des Departements der Seine waren drei Mitglieder zu wählen, und erhielten der Kaufmann Erlanger in Wiederwahl 888 Stimmen und der Substitut des Staatsanwaltes Bloch 735; für die dritte Stelle erlangte Niemand die absolute Majorität, und muß ein zweiter Wahlgang stattfinden. Ein Zwischenfall ist bezeichnend. Unter den Canti Herr Isidor Caheu, Herausgeber der Arcli. isr., bricht wieder einmal die Gelegenheit vom Zaune. gegen uns einzustürmen. Wir constatiren, daß wir ihm nicht die geringste Veranlagung dazu gegeben. Er wirft uns vor, daß wir uns allzusehr auf unsre eigenen Ideen steifen. Herr Cahen hat gut reden. Er weiß, Niemand wird i h m einen solchen Vorwurf machen, da er überhaupt keine eigenen Ideen hat, sondern nichts als banale Phrasen über banale Gegenstände. Wir tonnten einen Preis darauf setzen, bei Herrn Isidor Cahen jemals eine eigene Idee zu entdecken. Rcdaetion. didaten befand sich auch das bisherige Mitglied des Consistoriums, der als Gelehrte rühmlichst bekannte Herr I. Deremburg, Mitglied des Instituts. Gegen diesen hatte man die Wähler aufzuregen gesucht, indem man behauptete, er habe öffentlich die Unsterblichkeit der Seele geleugnet. Herr Deremburg ließ deshalb folgendes Schreiben veröffentlichen: „Im September 1872 vertheivigte ich vor der Akademie der Inschriften und der schönen Künste einen Satz, der, ich bekenne es bescheidentlich, weder neu noch originell war. Ich behauptete, in Uebereinstimmung mit der Mehrzahl alter und neuerer Gelehrten, daß weder das „biblische Hebräisch noch das phönizifche einen Specialausdruck für die Unsterblichkeit gehabt, -) und daß man, um diesen Begriff auszudrücken, eine neue Bezeichnung sich hat bilden müssen. Bei dieser rein wissenschaftlichen Verhandlung handelte es sich weder um die eschatologischen Hoffnungen, die sich im Judenthum entwickelt haben, noch um meinen persönlichen Glauben. Ich schulde diese Erklärung nicht denjenigen, welche vollkommen wiffend, woran sie sich zu halten, aus einer Vorlesung im Institut eine Wahlwaffe gemacht haben, sondern den aufrichtigen Glaubensgenoffen, deren empfindliches Gewissen beunruhigt worden, und die in gutem Glauben ihre Stimme mir versagt haben. Ich schuldete sie auch meinen Freunden, welche meine unveränderliche Anhänglichkeit an den Interessen des Judenthums beffer kennend, muthig den Kampf unternommen haben und bereit sind, ihn wieder aufzunehmen. Schweiz. Ollen, 8. December. sPrivatmitth.) Gestern tagte hier eine Versammlung von Deligirten jüdischer Gemeinden in der Schweiz. Gegenstand war die Aufforderung der Alliance israelite in Paris, Vertreter nach dort zu einer Conferenz am 11. d. zu senden, in welcher ein an die Conferenz der Großmächte zu Konstantinopel zu richtendes Memoire, um auch den türkischen Unterthanen jüdischer Religion die Gleichberechtigung zu erwirken, berathen werden sollte. Anwesend waren Delegirte von Basel, 2) Wenn es sich um eine bestimmte Bezeichnung, ein speeistsches Wort für Unsterblichkeit in der Bibel handelt, so hat Herr D. recht. Denn Ob"# ■''nb Daniel 12, 2 bedeutet das ewige Leben nach der Auferstehung vom Tode, und rii72^brr Spr. Salm. 12, 28 ist doch nur eine Verneinung des Todes auf sittlichem Gebiete. Allein dieser Mangel an einer speeifischen Bezeichnung ist durchaus kein Beweis für das Fehlen des Begriffs, der Lehre, des Glaubens. So hat die Bibel auch keine Bezeichnung für die Welt als Universum und begnügt sich mit dem Ausdruck „Himmel und Erde", während doch der Begriff von der Einheit der Welt als Schöpfung Gottes mit dem ersten Verse der h> Schrift constatirt und zur Signatur des biblischen Judenthums und dann des Judenthums überhaupt geworden ist. Wenn D. dasselbe auch vom Phönizischen sagt, so scheint uns dies allzu kühn, da der Umfang des phönizischen Sprachschatzes, dessen Kenntniß wir bis jetzt besitzen, zu gering ist, um solche Bchaup- Mngen darauf gründen zu können. Endlich möchten wir Herrn D. fragen, ob er in griechischer, lateinischer und deutscher Sprache einen speeifischen Ausdruck Nachweisen könne? Denn a&avaaia, imroortalitas. Unsterblichkeit find nur negative Bezeichnungen, gerade wie das aus den Sprüchen citirte rrn3~böt. Redaction.

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