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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-26 · Heft 52 (26.12.1876) · p. Seite 840

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 52 (26.12.1876)
Date
1876-12-26
Page
Seite 840 (sequence 10)
Language
German
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840 hier and) Johannes Müller einen mächtigen Einfluß auf ihn aus, so fesselten ihn die übrigen Vorträge doch so wenig, daß er auf dem Punkte stand, der Medicin Valet zu sagen. Namentlich war der Zustand der Klinik traurig bestellt. Als Schönlein nach Berlin berufen wurde, gehörte Traube zu seinen eifrigsten Bewunderern, nachdem er jedoch 1840 Hierselbst promovirt und nach Wien geeilt war, um dort ein besonders eifriger Schüler Rokitansky's und Skoda's zu werden, drohte aus dem Bewunderer ein Gegner zu werden. Allein schon bei den ersten Schritten stieß er in Berlin seiner Religion wegen auf die allergrößten Schwierigkeiten. Da das eine hier bestehende Krankenhaus nur den Militärärzten zugänglich war, so sah sich Traube gezwungen, fast SVs Jahre als Assistent eines Armenarztes im Voigtlande zu fungiren. Inzwischen versammelte er durch seine Curse im Auscultiren und Percutiren zahlreiche Schüler, Aerzte und Studirende um sich und wurde der Erfinder der experimentellen Pathologie, trat 1845 in Beziehungen zu Reichert und Virchow, erreichte es jedoch erst durch eine energische Studentenbewegung, daß es ihm verstattet war, nachdem er sich 1858 als Privatdocent an der hiesigen Universität habilitirt hatte, 1549 als Assistent in die Schönlein'sche Klinik zu treten, wo sich zwischen Schönlein und ihm bald das freundschaftlichste Berhältniß entwickelte. Nach seiner Verheirathung im October 1849 entwickelte Traube an der Charitö als Forscher und Lehrer die höchste Fruchtbarkeit, und er verstand es, unter den schwierigsten Umständen mit unermüdlicher Geduld und rastlosem Fleiße sich in seiner Stellung zu befestigen. 1857 richtete er die propädeutische Klinik ein, die bald sehr besucht war und seit 1860 auch officiell die Eleven des Friedrich-Wilhelms-Jnstituts aufnahm, litt jedoch unter den fortgesetzten Jntriguen so sehr, daß er 1862 seine Entlassung einreichte und es erst einer ärztlichen Bewegung bedurfte, um das Ministerium zu Gunsten Traube's umzustimmeu. Seitdem hat man es versucht, durch Titel und Auszeichnungen den Bielgekränkten zu entschädigen. 1862 bereits zum Geh. Medicinalrath ernannt, wurde er erst 1872 ordentlicher Professor, ferner Ehrenmitglied des Vereins deutscher Aerzte in Paris, Ehrendoctor der Universität Leyden :c. :c. Die gleichmäßige exacte wissenschaftliche Methode giebt Traube's Arbeiten einen außerordentlich hohen Werth. Auf derselben Werthstufe steht Traube als Lehrer. Er war einer der größten klinischen Lehrer aller Zeiten, dessen Klarheit in der Darstellung und Beharrlichkeit in der Tendenz so viele Bewunderer gefunden hat. Dazu liebte er es, junge Kräfte heranzuziehen, und ebenso wirkte er als Arzt auf die Aerzte anregend und veredelnd und erwarb sich den Ruf des genauesten und gewissenhaftesten Unterfuchers, des trefflichsten Diagnostikers. Auch auf die ärztlichen Vereine hat er vielfach belebend eingewirkt, und als er im Alter von 58 Jahren abberufen wurde von seinem Wirken und Forschen, da umstanden diese Vereine seinen Sarg und klagten über den herben Verlust. Sein Weltruf als erster Vertreter der physikalischen Diagnostik, als erster Begründer der experimentellen Pathologie werde fortleben für alle Zeiten. Ein Chorgesang beschloß die schöne Feier." Leipzig, 10. December. (Privatmitth.) Der Ausschuß des deutsch-israelitischen Gemeindebundes hat, auf Anregung seines Vorsitzenden, Herrn Stadlrath Moritz Kchner, beschlossen, die vom Professor Schleiden in den „Westermann'schen Monatsheften" erschienene Arbeit: „Die Bedeutung der Juden für Erhaltung und Wiederbelebung der Wissenschaften im Mittelalter" als besondere Broschüre herauszugeben. Mit einem Vorwort und vielen sachlichen Ergänzungen vom Verfasser versehen, wird die vortreffliche, von Ihnen bereits ausführlich gewürdigte Abhandlung, unter Zustimmung der Verlagshandlung von G. Westermann in Braunschweig, noch im Laufe dieses Monats dahier erscheinen und in einer hiesigen Buchhandlung für einen geringen Preis zu bekommen sein. Zweck des befondern Abdrucks dieser, vom Geiste echter Wissenschaftlichkeit und Humanität durchwehten Arbeit, ist, ihren Inhalt auch in diejenigen Kreise gelangen lassen zu können, in welche die „Monatshefte" nicht dringen. (Wir können diesem Vorgehen nur unfern ganzen Beifall schenken, und wünschen, daß bei dieser zweiten Auflage unsere Bemerkungen, namentlich über die Geistesthätigkeit der Juden in der Rechtswissenschaft während des ganzen Mittelalters Berücksichtigung gefunden. Redaction.) Auö dem Elsaß, im December. (Privatmilcheil.) Im Budget für Elsaß-Lochringen ist auch ein Posten von 1920 Mark zu Stipendien für Studirende der jüd. Theologie ausgeworfen. Da in Deutschland für diese nur die Hochschule zu Berlin und die Seminare zu Breslau und Berlin bestehen, so sind diese Stipendien für solche Jünglinge aus Elsaß-Lothringen bestimmt, welche zu diesem Studium nach Berlin und Breslau gehen wollen. Es sollen vier Jahresstipendien sein, zwei zu je 640 Mark und zwei zu je 320 Mark. Jndeß sind die Israeliten von Elsaß- Lothringen hiermit nicht zuftieden. Sie wünschen ein eigenes Rabbinerseminar in Straßburg gegründet, wie das zu Paris früher in Metz bestand. Der Großrabbiner von Straßburg hatte deshalb in Verbindung mit einigen anderen Männern eine Aufforderung zu Zeichnungen von Spenden und Jahresbeiträgen erlassen, und zwar mit einigem Erfolg. Daß die deutsche Regierung die sämmtlichen Kosten für dieses Seminar übernehmen würde, ist durchaus nicht glaublich. Würde jedoch ein beträchtlicher Theil der Kosten durch die Israelit:;: selbst gedeckt werden, so könnte sich die deutsche Regierung dem Eintritt für den erforderlichen Rest nicht gut entziehen, und thäte dies wohl auch nicht. Es ist daher sehr zu wünschen, daß das Project res Hrn. Großrabbiner Aron eine recht thatkräftige Unterstützung finde. Denn die oben angegebenen Stipendien sind für das Bedürfniß nicht ausreichend, wenn auch die noch immer vorhandene Abneigung der Elsässer, zu irgend einem Studium nach Deutschland zu

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