Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 52 (26.12.1876)
- Date
- 1876-12-26
- Page
- Seite 839 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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(vom II. an) zwar auf tannaitische Urheber zurückzuführen seien, und zwar Mechilta und Sifre auf R. Jsmaöl, Sifra auf R. Akiba, hingegen erst spat in der amoräischen Zeit redigirt wurden und nur unvollständig uns erhalten blieben, als gesichert angesehen werden. Auch die Abhandlung über die kleinen Tractate führt zu dem bemerkenswerlhen Resultate, daß dieselben in der geonäischen Zeit entstanden und daß dieselben mit dem mabrt nwiap identisch seien. Sehr anregende Gedanken entwickelt das Schlußcapitel, welches die Entwicklungsgeschichte der Tradition in dem Zeiträume von der Zerstörung des Tempels bis zum Abschluffe der Mischna überschaut und nochmals den Grundzug derselben zur Anschauung bringt, wie der Inhalt der mündlichen Tradition, der früher den organischen Zusammenhang mit der Zeit und der umgebenden Cultur nicht verleugnet hatte, seit dem Falle Jerusalems zu einem Lehrstoffe und Schulgegenstande geworden, rer Individualität der einzelnen Gesetzeslehrer und Schulen anheimgestellt war, und wie Männer, die die Gefahr solcher Zustände erkannt halten, sich umsonst bemüht hatten, den Fluß der Lehrmeinungen zum Erstarren und in ein geschloffenes System zu bringen. Indem R. Jehuda aber der Autorität seiner Vorgänger bei der Mischnaredaction zu weit gehende Concessionen gemacht, hat er den Grund zu einer Forschungsweise gelegt, die seinen Bestrebungen zuwiderlief, zur Methode der talmurischen Dialektik und Disputirkunst — ein Thema, das bereits rem dritten Bande unseres Werkes Vorbehalten ist. Man wird schon aus diesen dürftigen Anführungen erkennen, wie geistvoll die Auffaffung, wie lebhaft die Imagination, wie reif die Urtheile unseres Autors sind, der sich durchaus nicht an die Schablone seiner Vorgänger gehalten, weder in der Form, noch in der Sache. Mag auch Manches darin bestritten werden — so viel steht fest, daß dieses Buch zu denjenigen Erscheinungen unserer Literatur gehört, die einen tief eingreifenden Einfluß auf die Gesinnung und die Erkenntniß einer großen Zahl unserer Glaubensgenossen ausüben. Wenn es ihm gelingen sollte, das Licht einer entwicklungsgeschichtlichen Erklärung des Judenthums nach Osten zu tragen, dann bezeichnet es eine Thal, die ihrem Urheber om hohes Verdienst um Fortschritt und Aufklärung zueignen muß. 0 - m. 6 u teil. Deutschland. Berlin, IO. December. (Privatmitth.) In Nr. 21 des vor. Jahres <S. 337) brachte d. Ztg. eine ausführliche Beschreibung der Enthüllung der 'Statue, welche aus einer allgemeinen Sammlung einem jüdischen Heros der medicinischen Wiffenschaft, Prof. Dr. Jacob Herz zu Erlangen, errichtet worden. Kurze Zeit darauf fand der schmähliche Angriff des Prof. Billroth statt, welcher den Juden die Qualität zur Medicin absprach, ein Wiederhall einer kurz vorhergegangenen gleichen Jnvective eines Berliner Gelehrten. Dies wird es rechtfertigen, wenn wir die soeben stattgefundene Gedächtnißfeier eines anderen großen jüdischen Mediciners hier mittheilen, und zwar, wie es bei Herz geschah, aus einer christlichen Feder. Die „Rat.-Ztg." berichtet: „In der Aula der Universität fand am Sonntag Mittag 12 Uhr die Gedächtnißfeier für den verstorbenen Geh. Medicinalrath Professor Dr. Ludwig Traube statt, welche von der hiesigen medicinischen Gesellschaft veranstaltet war und zahlreiche Freunde und Verehrer des leider zu früh abgerufenen großen Gelehrten zusammenführte. Vor der trefflich modellirten Büste des Verstorbenen, welche aus einem dichten grünen Blätterrahmen hervortrat, hatte eine ebenso glänzende, wie zahlreiche Gesellschaft Platz genommen, darunter: Cultusminister vr. F a l k, die Ministerialdirectoren Sydow und Greifs, mehrere Vortragende Räthe des Cultusministeriums, die Mitglieder der medicinischen Facultät und andere Professoren hiesiger Universität unter Vortritt des Herrn Rectors Magnificus Profeffor Bardeleben, Mitglieder der Akademie der Wissenschaften, Vertreter sämmtlicher hiesigen medicinischen Vereine und Gesellschaften, der militärärztlichen Bildungsanstalten, viele Studenten und andere Freunde und Anhänger des Verewigten. Die Feier begann mit einem Quartettgesange, dann betrat der Nachfolger Traube's, Prof. Lehden, das Katheder zur Gedächtnißrede. Die Feier, so begann etwa der Redner, gelte einem Manne, der, eine Zierde der Stadt und des Vaterlandes, ein Stolz des ärztlichen Standes, der Wissenschaft und der Welt zu früh entrissen worden. Die medicinische Gesellschaft habe mannigfaltige Gründe, das Andenken des großen Todten zu feiern. Gerade hier habe der weitberühmte Physiologe, Kliniker und Arzt die Medicin zum Range einer exacten Wissenschaft erhoben und als bewunderter Lehrer nicht nur in den Hörsälen, sondern weit über diese hinaus gewirkt. Dazu komme der Umstand, daß kaum je ein Gelehrter der Stadt Berlin so ausschließlich angehört habe, wie er. Trotz aller Hindernisse und Kränkungen, die er hier als Jude erfuhr, habe er ausgeharrt und alle an ihn ergehenden ehrenvollen Rufe zurückgewiesen, bis er als ein tapferer Kämpe auf dem Boden fiel, den er sich selbst erwählt hatte. Traube wurde am 12. Januar 1818 zu Ratibor von jüdischen Eltern geboren als ältester von drei Brüdern. Nachdem er sich schon auf der Schule besonders ausgezeichnet, bezog er 1835, 17 Jahre alt, die Universität Breslau, um Medicin zu studiren, mit welcher es zu damaliger Zeit noch traurig aussah. Ostern 1837 ging er von Breslau nach Berlin und gehörte hier seitdem der Universität dauernd an. Uebte