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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-26 · Heft 52 (26.12.1876) · p. Seite 838

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 52 (26.12.1876)
Date
1876-12-26
Page
Seite 838 (sequence 8)
Language
German
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838 und verwerflich sei, entkräftet werden sollte (S. 8—10). „So sind denn in der That alle Schriftauslegungen, welche lehren, daß die Thora und ihre Erklärungen und Gesetzesvorschriften (Halachas) vom Sinai gegeben seien, Kinder der Zeit »ach der Zerstörung des Tempels . . . und dies Alles nur deshalb, um den Mund ihrer Lästerer zu schließen, die sie beschuldigten, daß sie sich das Gesetz ersannen, so daß das Emporkommen der christlichen Seele von großem Einflüsse auf unsere Weisen und ein Grund zur Erweiterung der mündlichen Tradition gewesen (10 bis 11). Das 2. Capitel behandelt den Einfluß der parfischen Religion und Sitte auf die Tradition, wobei es sich zeigt, daß gewisse Entlehnungen in Glaubensvorstellungen und Gesetzesvorschriften sich mehr oder minder bewußt vollzogen hatten, hingegen der Gegensatz zu dem dualistischen Religionsprincipe in den Gebeten scharf ausgeprägt wurde. Eine ausführliche Behandlung erfährt der sittliche Zustand der römischen und griechischen Welt um diese Zeit in dem folgenden Capitel, und wird nachgewiefen, wie die Absicht, die jüdische Nationalität vor dem Einreißen der unsittlichen oder unmenschlichen socialen Einrichtungen jener Zeit zu bewahre», die Gesetzeslehrer zur Aufstellung von Schutzmaßregelu bewogen hatte. Hierbei wird besonders der Unterschied des jüdischen und des römischen Sklavenrechtes (24—26) sehr gründlich erörtert, wovon das Resultat die Thatsache ist, daß nach jüdischem Rechte auch im heidnischen Sklaven das Menschenrecht gewahrt wurde. Hinwiederum soll im 4. Capitel gezeigt werden, wie sich die Tradition dem Einflüsse griechischer Philosophie (nicht so evident! S. 29) und insbesondere dem Eindringen römischer Rechtsbegriffe und Institutionen nicht entziehen konnte, wobei besonders die letztere viel bestrittene Frage ausführlich ventilirt wird. Das Buch (VI.) schließt mit einer Apologetik der separatistischen Einrichtungen und Vorschriften der Halacha, die, als Schutzwehr gegen die Sittenlosigkeit und Verkommenheit der griechisch-römischen Welt aufgerichtet, zu jener Zeit ihre volle Berechtigung hatten, um so mehr, als die durch das Christenthum den Völkern vermittelten Grundlehren des Judenthums von den Priestern dieser Religion selber gar bald ihrer Reinheit beraubt und mit heidnischen Elementen vermischt wurden, so daß das allgemeine Sittlichkeils- und Humanitätsuiveau auch durch diese anscheinende Verbreitung des Judenthums nicht nur nicht gehoben, sondern nur mehr erniedrigt wurde, bis aus der Mitte des Christenthums die Reformation hervorging, die zu dem Urquell der jud. Lehre, der Bibel, wieder zurückging. Das VII. Buch behandelt die Restauration des Judenthums durch R. Jochanan b. Sakkai und die neue hermeneutische Richtung der Travitionsforschung, die sich die Herleitung der Halacha aus dem Schristworte oder durch logische Schlüffe zur Aufgabe gemacht und mittels ihrer Deutungen die überkommene Halacha entweder begründete oder hinfällig machte, oder auch neue Gesetzesaussprüche schuf, was an mehreren concreten Beispielen sehr lehrreich naher erwiesen wird. Das 7. Capitel dieses Buches bietet eine vollständige Kanonik der Traditionslehre, in welcher die Grundprincipien für die Lehrautorität der Synhedrien, das Verhaltniß dieser zur Schriftlehre, für diejenigen Motive, welche bei Aufstellung von gesetzlichen Einrichtungen und Vorschriften als leitend und maßgebend gelten, das Recht der Negation und Abrogirung eines Ge- oder Verbotes, kürz alle auch für die heutige Bewegung im Judenthum hochwichtigen Fragen ihre eingehende Erledigung sowohl vom rein talmudischen, als vom historisch kritischen Standpunkte erfahren. — Bon einem neuen Gesichtspunkte wird im VIII. Buche der Charakter R. Gamliel's, sowie die Geschichte seiner Conflicte als Synhedrialhaupt in Jabne dargestellt, wobei seinem Streben, die Einheit der Lehrmeinungen und die Autorität des Synhedriums wiederherzustellen volle Gerechtigkeit widerfährt und seine Gegner berechtigten'Tadel erfahren. Sehr liebevoll ist die Charakteristik R. Jsmael's und seiner Lehrweise ausgeführt und der Entgegenhalt der hermeneutischen Methode R. Akiba's und Jsmael's, der so sehr zu Ungunsten R. Akiba's ausfallt (Cap. 11) bildet eine Seite der kritischen Auffassung, die von der sonst üblichen Verherrlichung R. Akiba's abweicht. Nicht minder unterscheidet sich die Charakteristik der Nachfolger und Schüler R. Akiba's (IX. Buch) in der Darstellung des. Herrn Weiß von der anderer Gelehrten. So ganz besonders in Bezug auf R. Meir, den man gewohnt ist, auf Grund mehrerer alter Aussprüche über seine Lehrmethode, für den eigentlichen Begründer der rabbinischen Dialektik zu halten, während Herr Weiß die Ansicht aufstellt, daß es ihm bei seinen Gefetzesdeutungen geradezu umgekehrt darum zu thun gewesen, die dialektische Deutungsmethode R. Akiba's sä sdsurckum zu führen, und ihm vorzüglich an der bestimmten und deutlichen Gesetzesenffcheidung gelegen war. Hinwiederum wird R. Jehuda b. Jlai alle Originalität abgesprochen und die Ansicht vertreten, daß er nur ein Nachahmer seines Lehrers Akiba gewesen im Gegensätze zu R. Simon b. Jochai, der ein rein rationelles Princip in der Schriftdeutung vertrat. Eine erschöpfende Schilderung der Wirksamkeit R. Gamliel's II. und der zwischen diesem und R. Meir ausgebrochenen Reibungen und Streitigkeiten (Cap. 18) legt klar die Zustände dar, welche den Impuls zur Abfassung der Mischna des R. Jehuda Ha-Naßi gaben, eines Werkes, welches die vielfach gefährdete Einheit der Traditionslehre für alle Zeiten retten sollte. Mit großem Fleiße ist die Biographie R. Jehuda's (im X. Buche) gearbeitet, und die Nachweifung der eigentlichen Tendenz bei der Redaction der Mischna, die kein Gesetzbuch, sondern ein Leitfaden für den Vortrag in den Schulen sein sollte, sowie die Begriffsbestimmungen von Halacha, Midrasch, Agada sind höchst werthvolle und lehrreiche Ausführungen, die mit solcher Schärfe noch nicht gegeben wurden. Die gleiche Gründlichkeit und kritische Urtheilsschärfe bekunden die literargeschichtlichen Untersuchungen über Entstehung, Abfaffungszeit und Grundtendenz der Barajta-Sammlungen: Toßefta, Mechilta, Sifta, Sifre, sowie der sogen, kleinen Tractate, und kann der Nachweis, daß die Barajtes zu den 4 Büchern Mof.

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