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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-19 · Heft 51 (19.12.1876) · p. Seite 828

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 51 (19.12.1876)
Date
1876-12-19
Page
Seite 828 (sequence 14)
Language
German
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828 geworden. Herr Carl Marburg, Docent der Aesthetik in Upsala, erst 22 Jahre alt, hat ein Stipendium der Gustavianischen Stiftung erhallen, das stets als eine Auszeichnung für besondere Leistungen verliehen wird. Unser Syuagogenvorfieher, Rector Valentin, Lehrer der König!. Prinzen, ist mehrmals zu Hoffesten im Schlöffe und jüngst auch zur Confirmation der Prinzen speciell eingeladen worden. Auch wir haben erneu Lasker en miniature in dem Redacteur der hier erscheinenden Handelszeitrmg, Hrn. Eduard Nach man. Gleich jenem ist N. nur Jude der Geburt und dem Namen nach, gegen jüd. Gesetz aber kalt und gleichgiltig, gleich jenem steht sein Charakter rein und unbestechlich da, ist auch er unzugänglich jeder Bestechung, und wie jener bei Gelegenheit des Gründungsschwindels mit der Wucht seiner Rede selbst die Hochstehenden nicht schonte, so greift die überaus gewandte, nur oft allzuscharfe Feder des N. selbst die ersten Würdenträger und Staatsbeamten an, wenn es gilt, das Recht in Handelssachen zu wahren. Wie würde man anderswo einem Redacteur, der so herausfordernd spricht, sofort den Juden vorrücken! Jndeß Ausdrücke, die selbst seine Gegner nicht zu benutzen wagen, gebraucht leider N. selbst, da er jüngst gegen einen Herrn F. in Gothenburg (Apostate) zu Felde zieht. N. schließt seine Polemik mit den Worten: „Sehet Euch den Mann ohne feine Protectoren. in seiner wahren Gestalt genau an und Ihr habt vor Euch den schmutzigen Juden, der abschreckt." Solche Aeußerungen, im Munde eines Israeliten, sind keinesfalls dazu angethan, das Judenthum zu heben. — Eines unserer vielgeleseuen Blätter stellte jüngst Reflexionen über , die Staatskirche an und spricht manches Beherzigens- und Wünschenswerthe aus. Das Blatt schreibt: „Ist bas die in der Bersaflung garanttrte Religionsfreiheit, wenn Andersgläubige in jedem Falle gezwungen sind, für die Erhaltung der Staatskirche zu steuern? Glaubet nur, waS Ihr wollt, aber bezahlen müßt Ihr doch zum Unterhalte der Kirchen, Priester, Schulen, theol. Facultäten und andern Instituten der Staatskirche! Könnt Ihr dann außerdem eigne Priester, Kirchen und Schulen unterhalten, so wirb Euch das in Gnaden bewilligt. In Wirklichkeit übt die gegenwärtige religiöse Gesetzgebung einen schändlichen Mißbrauch der Uebermacht der Majorität. Weil wir z. B. neun Zehntel glauben, oder uns vorstellen zu glauben, oder aus Gleichgiltigkeit und Gewohnheit uns unterwerfen den Dogmen und Gebräuchen der Staatskirche, deshalb sollt Ihr, das zehnte Zehntel, unsre Religionsübung mitbezahlen? Darum, weil die Religionsgesellschast, die sich Bekenner der reinen evangelischen Lehre nennen, in sich den größten Theil der Einwohner des Landes schließt, darum sollen ihr auch andere Religionsgesellschaften mit ihrem Gelde Vorschub leisten? Dies ist ja der reine Gegensatz der Religiousfrecheit? Wir fordern Aushebung der Sttafen bei Angriffen ans die reine evangel. Lehre und deren Dogmen, oder bei Abhaltung von Borträgen, die dem Kirchenrath nicht zusagen, demnächst Bestrafung der Proselytenmacherei und Abschaffung der Priesterzeugniffe zum Zwecke bürgerlicher Acte und endlich Befteiung von Steuern denen, die nicht der Staatskirche angehören!" Diese Forderungen haben allerdings für uns viel Verlockendes, doch wir bekennen offen, daß wir lieber auf solche Vortheile verzichten, als daß auch wir in letzter Consequenz mit einem Gesetze über „willkürlichen Austritt aus der Gemeinde wegen religiöser Bedenken" beglückt würden. — Vor Kurzem starb hier der älteste Jude Schwedens, Herr Jsak Elkan, im Alter von 97 Jahren. Da die hiesige Gemeinde nur wenig länger besteht, hat er deren ganze Entwickelung miterlebt, all' die verschiedenen Wandlungen der Äudenftage bis zur vollständigen Emancipation. R. Vermischtes. Bekanntlich veröffentlichten die Herren Erkmann Chatrian im Jahre 1879 eine elfässische Dorfgeschichte L'ami Fritz, welche sie gegenwärtig zu einem Drama umgearbeitet haben. Es kommt darin auch ein Rabbiner David vor, der sich aus Neigung mit Ehestiften beschäftigt, und als Freund des ami Fritz, wie er der seines Vaters schon gewesen, den Junggesellen zu einer Heirath bewegen will. In dem in nächster Zeit in Paris aufzuführenden Stücke spielt der Komiker Got den Rabbiner David. Man erzählt ans diesem Anlaß folgendes Geschichtchen: Der gewiffenhafte Künstler hatte sich an den Pariser Landesrabbiner um Rath wegen des Costüms, der Sitten u. s. w. gewendet. Dieser, weit entfernt, sich etwa beleidigt zu fühlen, sagte zu Got: „Sie kommen zu mir, um einen Rabbiner zu sehen; feien Sie nächsten Freitag mein Gast, und Sie werden gleich ihrer zehn bei mir finden!" Got befolgte mit Vergnügen der Einladung und halte so reiche Gelegenheit, dem Einen seinen Bart, dem Andern sein Gewand und seine silberne Brille, dem Dritten seine hörnerne Tabaksdose und die Art, sich ihrer zu bedienen, abzusehen. Got soll daraus ein anmuthendes Cabinetstückchen gemacht haben. Im Carl-Theater in Wien hat eine am 28. November stattgehabte Vorstellung zum Besten des israelitischen Mädchen- Waisenhauses ein Reinerträgniß von 2675 Gulden erzielt. Die Herren Erzherzoge Karl Ludwig, Albrecht und Wilhelm haben dem Damevcomitö namhafte Beiträge für das genannte Institut zukommen lassen. Das Drama des Herrn S. Blumenau in Bielefeld „Aben- Esra" ist am 29. November auf dem Theater dieser Stadt mit Beifall aufgeführt worden.

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