Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1876)
- Date
- 1876-12-19
- Page
- Seite 825 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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825 Einfluß zu erlangen. Der Kampf in der Union wogt bekanntlich zwischen zweien großen Parteien hin und her, der demokratischen und der republikanischen; die erstere ist (trotz ihres Namens), die conservative, die letztere die liberale. Man kann sie ungefähr mit den Torys und den Whigs in England vergleichen, selbstverständlich nach amerikanischem Zuschnitt, d. i. von weit vorgerückterem Standpunkte. Die Geschichte lehrt nun, daß in einem solchen Staate das Wohl desielben niemals auf immer bei einer Partei zu finden ist. Jede derselben kann sich zur Zeit in Meinungen und Zwecke verrannt haben, welche dem Staate gefährlich werden können, so daß es zweckdienlich ist, daß die Macht zeitweise von der einen zu der anderen Partei übergehe. Dies stellt sich denn auch so dar, daß die eine Partei die Mehrheit der Volksstimmen gewinnt, die andere sie verliert. Dies findet in freien Staaten bei den Wahlen oft genug statt. Die Mehrheit in der Volksvertretung, und in der Union noch besonders bei der alle vier Jahre startfindenden Präsidentenwahl bietet den Ausdruck dafür dar.. Bei dem voraufgehenden Parieikampfe werden alle möglichen Hülssmittel verwendet, um den Sieg für die Partei zu gewinnen, und man bleibt von beiden Seiten weder bei der Wahrheit, noch bei der Moral überhaupt stehen. In diesem Augenblicke steht die Präsidentenwahl bevor. Die demokratische wie die republikanische Partei hat ihren Candiralen aufgestellt. Der Sieg ist sehr ungewiß, und in dem Augenblicke, wo wir dies niederschreiben, noch nicht entschieden. Es wird sich um einige wenige Stimmen Mehrheit handeln. Da versucht es denn auch die republikanische Partei, die Juden als solche in's Feld zu rufen, indem sie den Gegencandivaten feindlicher Absichten gegen die Juden zeiht; oder auch sucht sie die Gegenpartei dadurch anzuschwärzen, daß sie die Juden als fest verbunden zu Gunsten der demokratischen (der conservativen) darstellr und schmäht. Letzteres ist vollständig erfunden. Es ist möglich, daß eine nicht unbeträchtliche Zahl amerikanischer Bürger jüdischer Religion der demokratischen Partei angehört, aber nicht als Juden, sondern aus der jeweiligen Strömung in der nordamerikanischen Welt heraus. Dies wollten wir hier constatiren, und wir geben zu diesem Zwecke einen kurzen Artikel aus der jüngsten Nummer des „Hebr. Leader" hier wieder, der die Vorgänge bezeichnet. „Mit dem für die sogenannten Schriftsteller der republikanischen Partei charakteristischen Zartgefühl haben sie zwar vergeblich dem Governor Tilden zu schaden gesucht, wohl aber das Empfinden der ganzen jüdischen Bevölkerung in den Vereinigten Staaten auf's Tiefste verwundet. Nichts ist den Hebräern in der ganzen Welt, besonders aber den amerikanischen „Hebräern", verhaßter, als für eine Nation in der Nation angesehen zu werden, wie man in Europa sagt, oder als eine gesonderte Genossenschaft, die dem Kern der Nation nicht assimilirt ist, kurz als Juden und nicht als amerikanische Bürger zu gelten. Die Daily Post von Detroit entfaltete also eine nicht eben hervorragende Schlauheit, als sie schrieb: „Die Juden von New-2)ork stehen fest gegen Tilden. Einen der Gründe hierfür giebt der Hebrew Record wie folgt. „Tilden und die jüdischen Bürger. Als Samuel I. Tilden Mitglied des Senates von New-'Aork war, brachte er in dieser Körperschaft eine Bill ein, die die hebräischen Bürger dieses Staates gewisser Rechte und Privilegien beraubte. Er behauptete, daß Hebräer sich nicht zu amerikanischen Bürgern eigneten. Deshalb bilden die Juden in New-Nork eine mächtige Bereinigung in Opposition gegen ihn. Welche Schande, daß unsere hebräischen Mitbürger nicht die geringste Reform ertragen können. Vielleicht begreifen sie nicht, daß Tilden nur ihre Reform beabsichtigte." Das Schlimmste bei der Sache ist, daß in dieser abscheulichen Sache des republikanischen Organs eine Menge ausgemachter Lügen zusammengemischt sind. Es gehört eine gewaltige Masse von Schurkerei und Bettelhaftigkeit dazu, seine Collegen unter den Journalisten und die bestehenden Zeitungen hinterlistiger Weise mir falschen Nachrichten und Ansichten zu versehen. Der Hebrew Record existirr nicht, Governor Tilden war nie ein Mitglied des Senates von New-Aork und hat nie in irgend einer anderen Versammlung eine derartige Bill wie die oben beschriebene oder eine ihr ähnliche einzebracht. Was jüdische Organisationen zur Verfolgung politischer Zwecke betrifft, so existiren solche nicht, und der Jewish Messenger selbst, der republikanische Tendenzen hat, behauptete in einer seiner letzten Nummern mit Recht, daß Juden politisch nicht als Juden, sondern als amerikanische Bürger handelten. Man vernimmt auch, daß mehrere republikanische Juden ein Blatt in Toledo tadeln, weil es, indem es Herrn Peixotto wegen seiner dort gehaltenen Reden lobt, so viel von „unseren hebräischen Mitbürgern" spricht, gerade als wenn Herr Peixotto, dessen republikanische Ansichten von diesen Männern getheilt werden, solche Ausdrücke gebraucht Härte. Hinsichtlich der Frage, ob die amerikanischen Juden in ihrer Mehrheit Demokraten sind oder nicht, rathen wir dem Herausgeber der lügenhaften Detroit Daily Post, welche behauptet, es bestehe über die Antwort kein Zweifel, und deren Unwissenheit yicht durch die letzten Berichte über die amerikanischen Wahlen beseitigt ist, aus eine entschiedene Antwort bis nach der Wahl des Präsidenten Tilden zu warten, für den neun Zehntel der Amerikanischen Bürger hebräischen Glaubens mit Enthusiasmus stimmen werden." Philadelphia, 24. Nov. Mit dem Dampfschiff Alexandria ist die in d. Ztg. mehrfach besprochene Statue der Religionsfteiheit, welche die Bnai-Beruh zum hundertjährigen Jubiläum der Union widmeten, mit ihrem Verfertiger, Herrn Ezechiel, in New-Aork angekommen und wird dieselbe nach Philadelphia gebracht, um auf dem Centemalgrunde aufgerichtet zu werden. Am 30. Nov., dem amerikanischen Dankfeste, wird die Enthüllung stattfinden und ist das desfaüsige Programm bereits veröffentlicht worden. 51 *