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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-19 · Heft 51 (19.12.1876) · p. Seite 822

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 51 (19.12.1876)
Date
1876-12-19
Page
Seite 822 (sequence 8)
Language
German
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822 Würzburg, 8. Dec. Die hiesige Zeitung enthalt Folgendes, das wir als einen abermaligen Beweis, wie jüdische Männer in ihrem Wirkungskreise unter ihren Fachgenosien auch ehrende Anerkennung finden, wörtlich wiedergeben. „Die physikalisch - medicinische Gesellschaft dahier feierte gestern Abend in den festlich geschmückten Raumen deS Gasthofes zum Kronprinzen ihr 27. Stiftungsfest. Die ungewöhnlich große Anzahl der Festtheilnehmer und die außergewöhnlich festliche Stimmung derselben ließ sofort ahnen, daß eine besondere Feier diesen Abend verherrlichen sollte. Und. so war es auch in der That. Sind es doch 25 Jahre, daß der pract. Arzt Herr Dr. Jacob Rosenthal das Amt des zweiten Secretärs der Gesellschaft zum ersten Male durch das Vertrauen seiner Collegen erhallen und seitdem in unermüdlicher Ausdauer fortgeführt hatte, ein Amt, das in stetiger treuer Pflichterfüllung einer oft mühevollen Beschäftigung durch die Bortrefflichkeit seiner Wartung zu dem nach außen und innen blühenden Stand, desien sich die Gesellschaft erfreut, nicht wenig beizetragen hat. Dem entsprechend gestaltete sich das Fest auch durchaus zu einer wohlverdienten, in gehobener Stimmung verlaufenden Ehrenfeier für den II. Secretär Herrn Dr. Rosenthal. Schon der erste Redner, Herr Hofrath und Profeffor Nr. Sachs gedachte, nachdem er als Vorsitzender in üblicher Weise einen Rückblick auf das verflosiene Geschäftsjahr geworfen hatte, in warmen Ausdrücken des zum 26. Male gewählten II. Secretärs und überreichte ihm Namens der Gesellschaft mit den herzlichsten Worten der Anerkennung einen prachwoll gearbeiteten mit eingravirterWidmung versehenen silbernen Pokal. Sodann erhob sich der k. Regierungspräsident Herr Graf Luxburg, um dem Jubilar im Namen Sr. Majestät des Königs das Decret als kgl. Hofrath zu überreichen. In der Ansprache betonte derselbe, daß er sich des Auftrags freue, diese Allerhöchste Auszeichnung einem Manne überreichen zu dürfen, der so viele Verdienste in sich vereinige; es sei die schlichte, unermüdliche, nicht nach äußerem Glanze strebende, sondern nur dem Wesen der Wissenschaft und den Interessen des ärztlichen Standes dienende Arbeit, es sei die musterhafte Führung eines pract. Arztes, es gelte dem Vorsitzenden der Aerztekammer von Unterfranken, diesen Verdiensten spreche er auch im Namen der Regierung und der Provinz, der er vorzustehen die Ehre habe, die Anerkennung aus. Tiefgerührt von diesen Auszeichnungen und Anerkennungen sprach der Gefeierte des Abends in bescheidenen aber beredten Worten Seiner Majestät dem Könige, dem Königl. Herrn Regierungspräsidenten, dem Vorsitzenden und den Mitgliedern der physical. medicinischen Gesellschaft seinen Dank aus. — Noch in weiteren ernsten unv launigen Reden, namentlich von den Herren Hofrath v. Rienecker, Medicinalrath Bogt wurden die Verdienste des Jubilars um die Gesellschaft, um die ärztlichen Bereinsangelegenheiten, um den Pensionsverein für Wittwen u. Waisen bayrischer Aerzte u. s. w. gefeiert. Eine Anzahl von auswärts eingelaufener Glückwunschtelegramme, so namentlich von den Herren Virchow in Berlin, v. Recklinghausen in Straßburg, Klinger und v. Gudven in München, Quinke in Heidelberg, Rosenthal in Erlangen Namens der physikalisch - medicinischen Societät daselbst trugen nicht wenig bei, die festliche Stimmung zu erhöhen und ein neues Zeugniß darzulegen, sowohl von dem engen Zusammenhänge der physikalisch-mevicinifchen Gesellschaft mit ihren auswärtigen Mitgliedern als von den warmen Sympathien, welche diese hervorragenden Männer und früheren Mitglieder der Gesellschaft dem II. Secretär derselben auch in der Ferne bewahren. Oesterreich-Ungarn. Wie», 10. Dec. (Privatmitth.) In diesen Tagen feierte der Dr. Adolph Fischhof seinen 60-jährigen Geburtstag. Derselbe hat sich sowohl von seiner ärztlichen Praxis als auch vom politischen Schauplatz zurückgezogen, von der ersteren wegen andauernder Kränklichkeit, vom letzteren, weil er mit der allgemeinen Strömung in Oesterreich nicht einverstanden ist, sondern einem freisinnigen Föderalismus anhängt. Er lebt jetzt in Emmersdorf bei Klagenfurt. Welche große Achtung und Sympathie er jedoch bei allen Parteien besitzt, drückte sich dadurch aus, daß der Präsident des Abgeordnetenhauses und eine große Anzahl Abgeordneter aus allen Fractionen ihm eine gemeinsame Glückwunsch-Depesche zu seinem sechzigsten Geburtstage übersandten. In einem warme», schön abgefaßten Antwortschreiben sprach der Gefeierte die Freude aus, die ihm diese Kundgebung verursacht hat. Pest, 3. Dec. z Privatmitth.). In der gestrigen Sitzung des Abgeordnetenhauses kam einmal wieder die Religionsfreiheit zur Verhandlung. Bei der Berathung über den Cultusetat bemerkte Jränyi, es sei jetzt ein volles Jahr, daß das Haus die Vorlage eines Gesetzes über unbedingte Religionsfteiheit votirt habe und trotz Zusage der Regierung sei noch nicht der geringste Schritt darin gethan. Der Minister-Präsident habe zwar behauptet, in Ungarn herrsche volle Religionsfreiheit, wenn auch die Gesetzgebung noch zurück sei. Aber das Verbot der Ehe zwischen Juden und Christen und die Behandlung neu erstehender Secten bezeuge, daß es auch um die thatfächliche Religionsfreiheit in Ungarn sich noch schlimm verhalte. Er sagt: „Die Regierung habe ihr Versprechen, einen Gesetzentwurf über die Religionsfreiheit einzubringen, deshalb nicht erfüllt, weil sie die Geistlichkeit fürchtet, weil sie fürchtet, der Clerns würde ihr dann seine Unterstützung entziehen. (Beifall auf der äußersten Linken.) Schließlich bringt Redner den Beschlußantrag ein, das Haus möge die Regierung anweisen, noch im Laufe dieser Session dem Hause den Gesetzentwurf über Religionsfreiheit zu unterbreiten. (Lebhafter Beifall auf der

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