Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 51 (19.12.1876)
- Date
- 1876-12-19
- Page
- Seite 821 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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821 o&ettuucj 6itocc&uxi&tc4i/. Deutschland. Berlin, 7. Dec. Die offentl. Bl. enthalten: Personen des Beurlaubtenstandes, welche ein geistliches Amt in einer mit Corporationsrechtcn innerhalb des Reichsgebiets bestehenden Religionsgesellschaft bekleiden, dürfen, nach den bestehenden Gesetzen, für den Fall der Einberufung zur Reserve, Land- und Seewehr mit Unabkömmlichkeitsattesten versehen werden, wenn ihre Stellen, selbst vorübergehend, nicht offen gelaffen werden können und eine geeignete Vertretung nicht möglich zu machen ist. Mit Bezug hierauf ist von dem Minister der geistlichen u. s. w. Angelegenheiten in Einverstandniß mit dem Kriegsminister angeordnet worden, daß diese Atteste bei dem Oberprasirenten nachzusuchen und von demselben geeigneten Falls zu ertheilen sind. Etwaige Anträge auf Zurückstellung sind fortan alljährlich zweimal zur bestimmten Zeit durch Vermittlung der Vorgesetzten Amtsbehörde dem Oberpräsidenten der Provinz einzureichen, doch kann die Berücksichtigung außerterminlich gestellter Anträge nur ausnahmsweise statlfinden und es muß jedes Gesuch um Zurückstellung im Augenblick der Einberufung als unzulässig betrachtet werden. Wir machen hierauf aufmerksam, damit auch für die Cultusbeamten der jüdischen Gemeinden, wenn sie für den Gottesdienst nicht abkömmlich sind, dieselben Beneficien gefordert werden. Es ist dies Sache der betreffenden Gemeinden, die Forderung auf dem angegebenen Wege zu stellen. Sachseuhageu (Schaumdnrg), 3. December. iPrivatm.) In dem benachbarten westphalischen Städtchen Schlüffelburg ward am 29. November die neue, schön ausgestattete Synagoge eingeweiht. Es verdient dieses deshalb erwähnt zu werden, weil selbige ihren Bestand und ihren Schmuck der frommsinnigen Begeisterung und Opferwilligkeit eines dortigen Israeliten, Namens Michel Hildesheimer, verdankt. Aus Württemberg, 6. December. «Privatmitth.) Der Staalsanzeiger für Württemberg veröffentlicht einen Bericht des Kgl. Justizministeriums über den Stand der gerichtlichen Strafanstalten Württembergs vom l. Juli 1874,7». Gefangene jüd. Confessio» befanden sich Ende Juli 1874 in den verschiedenen Anstalten.5 Neueiugeliefert wurden 1874/75 . . . > 18 zusammen 23 Entlasten wurden in dieser Zeit .... . 11 Verbleibt Stand am 30. Juni 1875 . . . 12 — 0,1 pCt. der jüv. Bevölkerung, ein höherer Procentsatz als bei der evangelischen (0,08 pCt.) und der kathol. (0,09 pCt.) Bevölkerung, wie auch die Zunahme eine ungleich höhere als bei den anderen Confessionen ist. *) 1) Die allgemeinen Bemerkungen des Herrn Corresp. sind wahr und beherzigenswert!). Jndeß die obigen Zahlen, weil au« einer zu Es ist vas, besonders in Württemberg, eine sehr traurige Erfahrung für die Entwickelung unserer jüdisch-socialen Berhältniffe und halte ich es für eine wichtige Aufgabe der jüd. Journalistik, nachdrücklich aufmerksam zu machen, auf solche Krebsschäden im Leben unserer Glaubensgenosten, aus den großen Luxus in der Präsentation nach außen, auf die vermehrten Ausgaben in den Familien, auf die dadurch nöthig gewordenen theuren Ausstattungen der Töchter und Sorgen der Väter, diese von Tag zu Tag höher steigenden Bedürfniste befriedigen zukönnen. In wie manche Falle, besonders bei der strenger gewordenen Justiz, kömmt oft dadurch ein sonst fleißiger und reeller Geschäftsmann! Der Bericht über das israel. Waisenhaus „Wilhelmspslege" in Eßlingen pro l. Juli 187 5/76 erwähnt, daß innerhalb dieses Jahres das Bierteljahrhuvdert ablief, während dessen die Leitung der Anstalt dem dermaligen Vorstand derselben, Herrn Hofrath vr. Levi in Stuttgart anvertraut war. Von Seiten des Ausschusses, sowie eines größeren Theils der isr. Gemeinden Württembergs wurde demselben bei diesem Anlaß Dank und Anerkennung gezollt. In der Waisenanstalt erhalten nunmehr auch die israel. Seminaristen und Präparanden ihre vollständige Beköstigung, wodurch zugleich die regelmäßige rituelle Abhaltung des Morgen- und AbendgottesviensteS im Hause ermöglicht ist. Der Anstalt wurde von Particulier H. B. Goldschmidt in Stuttgart eine Stiftung von 18,000 Mark zu dem Zwecke der methodischen Heranbildung von Krankenpflegerinnen mos. Glaubens übergeben. In der Anstalt werden gegenwärtig 26 Zöglinge erzogen und verpflegt. Das Vermögen hat um 9397 Mark zugenommen und bettägt gegenwärtig 162,991 Mark, ohne den zu 28,800 Mark veranschlagten Grundbesitz. Der Verein für Unterstützung von Wittwen und Waisen israel. Lehrer Württembergs veröffentlicht ebenfalls seinen Bericht pro 1. Juli 1875/76. Der Fond ist im Zunehmen begriffen. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder beträgt 48, darunter 6 pensionirte Lehrer; blos 5 Lehrer haben sich dem Verein noch nicht angeschloffen. Bon Sr. Maj. unserem König erhielt der Verein eine Gabe von 7 0 Mark, von Ihrer Maj. der Königin 43 Mark. Dem Verein stoffen von dem größten Theile der isr. Gemeinden des Landes Geschenke und Opfer zu. An Gaben wurden verwilligt 5 Portionen ä 80 M., 4 i 60 M. und 1 (einem christl. Lehrer) mit 30 Mk. Württemberg zählt gegenwärtig 18 isr. Elementarschulen unter Aussicht rer evangel. Schulbehörde 11 - - - - - kathol. 15 - Religionslehrer- und Borfangerstellen unter Aufsicht der israelitischen Oberkirchenbehörde. kleinen Bevölkerung, wie die jüdische in Württemberg ist. stammend, vermögen nichts zu beweisen, da der Zufall bei solchen leicht bestimmend rst. Zur richtigen Beurcheilung müßten die Proportionen aus einem längeren Zeitraum z. B. aus >0 Jahren vorliegen. Rrdastivu.