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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-12 · Heft 50 (12.12.1876) · p. Seite 810

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 50 (12.12.1876)
Date
1876-12-12
Page
Seite 810 (sequence 12)
Language
German
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810 Befähigung von vornherein baar und eines unkünstlerischen, nur auf materielle Zwecke ausgehenden Strebend theilhaftig beschuldigte. Die jüdische Race besitzt nach Wagner, leiblich und geistig, keine Fähigkeit zu irgend welcher Kunst und ist nur von gemeinen, selbstsüchtigen Motiven geleitet.. Mendelssohn und Meyerbeer waren Juden, folglich producirten sie nur Schlechtes, wirkten nur schädlich und erwarben sich ihren Ruhm auf unsittlichen Wegen. Dies war dem Richard Wagner „das Judenthum in der Musik". Wie allen derartigen Explosionen wüthenoen Hasses und außerordentlicher Anmaßung und Frechheit gegenüber stand die öffentliche Meinung einen Augenblick wie verdonnert da. Bald begriff sie jedoch ihre Mitschuld, wenn sie sich all' die Aufhäufung falscher, lügenhafter Behauptungen, die den offenbarsten Thatsachen in's Gesicht schlagen, ruhig gefallen ließ und sich namentlich den ersten der beiden genannten Meister, den sie so lange auf Händen getragen, plötzlich rauben und in den Staub werfen ließ. Im Grunde war doch die ganze musikalische Welt, welche Mendelssohn auf's Höchste bewundert, waren die Bühnen aller Länder, die Meyerbeer's nicht entbehren konnten und können, auf's Tiefste beschämt, ja gebrandmarkt. Man protestirte daher gegen die galligten Auslastungen des Herrn Wagner, noch dazu, da die Motive dieses Vielschreibers zu offen lagen. Aber das Uebel war, daß die beiden Componisten doch immer Juden waren, und jede üble Nachrede, welche Juden betrifft, gern entgegengenommen und ungern aufgegeben wird. Meyerbeer, der in seinem Leben so große Erfolge erfahren, gönnte man die Niederlage von Herzen. Mendelssohn dagegen, der liebenswürdige und allgeliebte Künstler, und der so frühzeitigen Todes verblichen, dabei doch eigentlich schon von Geburt an getauft war, lhat den Leutchen weh. Gelitten hat sein Ruhm durch die Angriffe Wagner's doch etwas; das sewper aliquid haerei bewährte sich auch hier; man sah auf einmal eine Menge Schwachen, wo man bis jetzt nur das Trefflichste und Gemülhvollste empfunden hatte; erst allmälig kann man sich davon freimachen; erst nach und nach überläßt man sich wieder unbefangener dem Eindruck des Zaubers, den der edle Componist aller Zeit zu üben verstanden. Dies ist die Macht des Voruriheils. Das erbärmliche Spiel Richard Wagner's, seine selbstsüchtigen Zwecke und seine gemeinen Mittel, seine schrankenlose Eitelkeit und Selbstüberhebung und seine schwere Verirrung in der Kunst selbst, lagen in seiner Broschüre so offen dar, daß das blödeste Auge sie gewahren, die zaghafteste Hand sie greifen konnte. Aber es waren zwei Juden, die er skalpirte, es waren die Juden überhaupt, die er abfchlachtete, und somit war sein Werk der Beachtung empfohlen und des Eindrucks gewiß. Doch mit einem so entschiedenen Judenhaster, der dabei als großartiger Gaukler vor der Welt so offenkundig casteht, haben wir es hier nicht zu thun. Wir wollen nur beiläufig bemerken, daß wenn man gegenwärtig die Energie, die unermüdliche Ausdauer und die schrankenlose Kühnheit Richard Wagner's so vielfach rühmt und ihm deshalb eine hohe Theilnahme und Bewunderung nicht verweigern zu dürfen glaubt, man solche doch wohl auch dem bescheidenen Clown eines Circus widmen müßte, der mit dem außerordentlichsten Aufwande von Kraft, mit einer unbeschrankten Hingebung und Selbstentäußerung seine Sprünge und Verrenkungen vollbringt, aber fast unbeachtet in seinen Winkel sich zurückziehen muß. Wir wollten vielmehr ein Beispiel anführen, wie Jemand die Vorurtheile gegen die Juden bekämpfen will und sofort wieder mitten hineinfällt, und dies gerade in der Vertheibigung und Verherrlichung Mendelssohn's. Es erscheint jetzt eine Gesammtausgabe von Mendelssohn's Werken, und diese bespricht in einem sonst gut geschriebenen Aufsatze Louis Ehlert im Augustheft der „Deutschen Rundschau". Wir finden darin S. 205 folgende Stelle, die wir hier, von unsren Bemerkungen begleitet, wiedergeben. „Man hat versucht, bestimmte Eigenschaften von Künstlern aus ihren Glauben zurückzuführen. Natürlich handelt es sich hierbei nicht um den Werth einer Confession, sondern um das Racenthum." <Wenn es sich nicht um den Glauben, sondern um das Racenthum handelt, weshalb erwähnt Herr Ehlert des ersteren unv sagt nicht gleich: man will den verschiedenen Racen in der Kunst Fähigkeiten zu- und absprechen.) „Convertirt Jemand, so ist sein Glaube nichts weiter als eine theologische Geschmackssache. Das Ererbte aber, die Summe des Habituellen, Angeborenen, das ist es, was gemeint wird. Das Judenthum zu perhorresciren, glaubt man sich schon historisch berechtigt." (Worin liegt aber dieses historische Recht? wodurch ist es begründet? wodurch ist es ein Recht? Ein solches Zugeständniß mache», heißt schon der confessionellsten Befangenheit anheimgefallen sein.) „Achtzehn Jahrhunderte haben den widerlichen Brand nicht zu löschen vermocht. Immer lodert er wieder auf, in letzter Zeit aus musikalischem Gebiete. Man hat den Nachweis des Racenthums an den begabtesten Männern unter den Juden zu führen versucht." (Diese Worte bezeugen doch wohl, daß der Vers, des Aufsatzes das ganze Verfahren gegen die Juden mißbilligt und den gedachten „Versuch" verwirft. Hätten wir nun schon gewünscht, daß er offen den Versuch als von Wagner in dessen bekannter Broschüre unternommen bezeichnet hätte, so wollen wir sehen, wie er in seiner Mißbilligung verharrt.) „Nun hat, wie jedes Gemeinwesen, auch jede Religion ihr Armen- und Krankenhaus, wo man die Hilflosen und Siechen hinschleppt. Eine ganze Religion aber für ein Hospital zu erklären, in welchem constitutionelle Krankheiten gepflegt werden, das ist unerhört." (Ganz vortrefflich; nur etwas mehr Deutlichkeit hätte nichts geschadet. Der Vers, will sagen: Jede Religionsgenoffenschast, richtiger aber nach seinem eigenen Sinne, jede Race hat ihre Schwächen und Mängel, der jüdischen aber nur Fehler und Gebrechen zu insinuiren ist niederträchtig.) „Was man dem Judenthum als einen Mangel seiner Gestalt Nachweisen kann, das chue man immerhin. Der höchste

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