Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-12-05 · Heft 49 (5.12.1876) · p. Seite 793

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 49 (5.12.1876)
Date
1876-12-05
Page
Seite 793 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227119--34958-3304880
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

793 haben alle bisherigen Kundgebungen der Pforte von dem Hamayut von Gülhane an stets sämmtliche nichtmuselmännische Unterthanen des Reiches befaßt; nur daß die Ausführung überhaupt immer viel zu wünschen übrig ließ. Doch hoffen wir, daß dies für die Zukunft nicht mehr der Fall sein und die Reformen endlich zur Thal werden. Geschehen zur rechten Zeit Schritte von der Anglo-Jewish Association, der Alliance zu Paris und zu Wien, besonders aber von den türkischen Juden selbst und deren größeren Gemeinden: so wird dies vollkommen genügen, wahrend eine größere Conferenz meist nur viel Lärm macht und keinen Erfolg bringt. Türkei. Konstanlmopel, 26. November. Auch wir wollen es an dieser Stelle verzeichnen, daß durch einen allgemeinen Befehl des Sultans vom 23. d. die Sklaverei in dem ganzen ottomanischen Reiche aufgehoben worden. Die näheren Bestimmungen sind noch abzuwarten. Rumänien. Bukarest, im November. Auch Italien hat es wie Frankreich vorgezogen, mit Rumänien vorerst nur eine provisorische Stipulation abzuschließen, nach welcher die Handeltreibenden und die Waaren gegenseitig nach den den meistbegünstigten Nationen zugestandenen Vortheilen behandelt werden sollen. Bon confessionellen Beschränkungen und Ausnahmen ist hierbei nicht die Rede. Die italienische und die französische Regierung sind hierdurch der Verantwortlichkeit wegen confessioneller Beschränkungen ihrer Unterthanen enthoben, und die rumänische Regierung hat mit ihrer Auslegungskunst genug Spielraum, um etwa hierherkommende französische und italienische Juden nach ihrem Belieben zu beschränken. Vorkommende Proteste würden dann den weitläufigen diplomatischen, d. h. vergeblichen Verlauf nehmen. Der rumänischen Regierung kann diese Ausflucht nur genehm sein. Die Spitze ihrer Bemühungen war gegen die Juden aus Oesterreich und Rußland gerichtet und dies hat sie erreicht. Aus den übrigen Ländern kommen so selten Juden zu gewerblichen Zwecken hierher, daß eine Bestimmung über sie nur einen principiellen Werth hat, und dieser liegt weder im Interesse der Juden jener Länder, als in dem der rumänischen. Denn, wie die Dinge einmal liegen, haben die rumänischen Juden vom Auslande nichts zu hoffen, sondern allein davon, daß die Rumänen selbst mehr zum Bewußtsein ihres Unrechts und zur Erkenntniß ihres wirklichen Jntereffes gelangen. Im Uebrigen zeigen neue Thatsachen immer mehr, welchen Fehler die österreichische Regierung mit ihrem rumänischen Handelsvertrag begangen. Jüngst hat die rumänische Regierung von allen österreichischen Geschäftsleuten, Spediteuren und Commissionären, welche auf dem Zollamt zu Ätzkany Abfertigungen vornehmen laffen, eine Erwerbssteuer von jährlich 600 Frcs. einzuheben befohlen, widrigenfalls jede Amtshandlung zurückzuweisen sei. Es streitet dieses vollständig gegen Art. 2 des Handelsvertrages. Wir wollen sehen, ob die österreichische Regierung sich dies gefallen laffen werde. Zum Schluffe sei hier noch ein Paffus einer Correspondenz der N. fr. Pr. hinzugefügt. Unsere radicalen Blätter, Romanul und seine Nachbeter, die so empört thun über die türkische Regierung, daß sie den Bulgaren und tutti quanti die ihnen „gebührenden Rechte" vorenthalte, vergeffen nicht nur, daß unser civilisirter Staat einem namhaften Theil seiner Bevölkerung, weil er mosaischen Bekenntniffes ist, die elementarsten Menschenrechte verweigert, sondern entblöden sich noch obendrein nicht, Artikel aus der ultramontanen Voce della Veritä in Rom zu reproduciren, worin natürlich das Los der rumänischen Juden als noch viel zu gut dargestellt wird. So sorgen diese Herren dafür, daß der künstlich angefachte Haß zwischen unseren Christen und Juden nicht erlösche, denn die Bevölkerung kann nicht wiffen, daß die Export-Artikel schon deshalb zu verurtheilen seien, weil sie in der Voce della Veritü stehen; sie kann nicht wiffen, daß die Radicalen manchmal jesuitischer noch als die Jesuiten sein können. Feuilleton. Dr. Abraham Neumaun. Eine Lebensski;;e. (Schluß.) Neumann und Viele mit ihm glaubten und hofften, daß durch die Begründung der Chorsynagoge eines jeden Gebildeten Interesse für das Allgemeine angeregt und gestärkt werde, daß ein Zusammengehen bei solcher Annäherung im Gotteshause stallfinden werde. Aber diese Hoffnung hat sich nicht bewährt. N. eiferte von der Kanzel herab und privatim gegen diese Gleichgiltigkeit, und es gelang ihm auch Vieler Interesse regezu machen, neue Kräfte für die allgemeine Sache zu gewinnen und die alten zu ermuthigen, um das Geleistete zu erhalten. Es ist hier nicht mehr der Ort, die Gründe aufzudecken, warum so wenig Fortschritte in dem Gemeindewesen in den letzten vier Jahren zu registriren sind. Trotz der immer sich mehrenden Anstrengungen in ven Amtsgeschäften der Gemeinde, die mit jedem Tage neuen Nachschub aus den Provinzen erhält, ließ er nicht nach, in jeder Hinsicht um Alles besorgt zu sein, was das ganze Gemein- und 49*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.