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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-28 · Heft 48 (28.11.1876) · p. Seite 780

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 48 (28.11.1876)
Date
1876-11-28
Page
Seite 780 (sequence 14)
Language
German
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780 innig geliebt, weinte so lange, bis sie völlig erblindete und kurze Zeit darauf aus Gram starb. Nach einigen Jahren (1830) besuchte Beith feinen Heimathsort und ließ bei seinem Vater anfrageu, ob er ihm verziehen und seinen Besuch aunehmen werde; er erhielt gber die Antwort, daß sein Vater die Meinung ausgesprochen, keinen Sohn mehr zu besitzen, also auch keinen mehr empfangen zu können. — Der Moment, in welchem der als Kanzelredner hochgeachtete Beith dem Judenthume durch das offenmüthige Bekennmiß der Wahrheit einen Dienst leistete, war folgender: Im Anfänge der Vierziger fand jene berüchtigte Judenverfolgung in Damaskus statt. Ein Pater Thomas war verschwunden, und die Christen in Damaskus setzten unter der Leitung des französischen, von Thiers geschützten Consuls die Fabel in Scene, daß die Juden den Pater getödtet hätten, um deffen Blut zum Osterkuchen zu verwenden (!!!). Die Franzosen vermochten damals bei den türkischen Behörden sehr viel, und so wurden die angesehensten Juden der Stadt in's Gefängniß geworfen, und nicht wenige arg mißhandelt. Es machte dies in ganz Europa großes Aufsehen und es kam sogar die Ansicht auf: es müsse doch eine solche Sitte, wenn auch von den gegenwärtigen Juden verabscheut, irgend einmal bei ihnen vorhanden gewesen sein und davon in irgend einem nicht zugänglichen Theile ihrer Literatur davon die Rede sein. Bei der Geneigtheit, Borurtheile gegen die Juden zu nähren, war eine solche Ansicht sehr bedrohlich. Da trat Beich in einer Predigt, bei welcher er Mitglieder der höchsten Stände zu Zuhörern hatte, auf, erinnerte daran, daß er als Jude geboren und erzogen und in allen Dheilen der jüdischen Literatur wohl unterrichtet sei, daß er, soweit die Lehren des Judenrhums den christlichen widersprächen, ein Gegner des Judenchums sei; er versichere aber an Eidesstatt, daß der Gebrauch des Christenblutes seitens der Juden eine Fabel ur.v erlogen sei, wofür sich im Leben und in der LiteraMr auch nicht der entfernteste Anhalt finde. Diese feierliche Versicherung auf der Kanzel von einem Manne, deffen christlicher Eifer und deffen Sachkennwiß nicht bezweifelt werden konnte, machte damals einen großen Eindruck, ging durch alle Blätter Europa's, und trug nicht wenig dazu bei, jene gefährliche Voraussetzung oder Bermuchung im Keime zu ersticken. Gefährlich, sagen wir, weil man weiß, wie schwer eine einmal aufgetauchte Meinung gegen die Juden, wenn sie einige Wurzel gefaßt, wieder zu beseitigen ist. Ein schöner Zug jüdischer Großmuth. In der Beilage zu Nr. 259 der Niederschlesischen Zeitung (4. November 1876), erzählt Stanislaus Graf Grabowski am Schluffe feiner historischen Novelle „Der Werbe-Officier" vom Oberst v. Seelen, welcher am 14. October 1758 in der Schlacht bei Hochkirch fiel und bedeutende Schulden hinterlaffen hatte, Folgendes: „Er (v. Seelen) schuldete Jakob Moses, Oberlandesältester der Judenschast zu Berlin, sechstausend Thaler; als nun nach seinem Tode das Haus der Wittwe verkauft werden sollte, erschien Jakob Moses bei ihr und zerriß den Wechsel vor ihren Augen mit den Worten, daß er die Familie eines so edlen und braven Mannes nicht in das Unglück zu bringen vermöge." S. Weintraub. Hohes Alter. In Pest wurde den 1. November Frau Leonore Deutsch geb. Perlgruud im Alter von 102 Jahren zu Grabe geleitet. Dieselbe hinterließ 27 Enkel und 18 Urenkel und besaß bis kurz vor ihrem Ableben die volle Frische des Geistes. Wenn jüngst in dieser Zeitung eine Bemerkung Lirchow's in seinem Bortrage über die Haupthaar- und Augenfarben in Deutschland auf der anchropologischen Versammlung in Jena mehr als ein harmloser Scherz, denn als wohlbegründete Beobachtung angesehen wurde, so war dies doch ein Jrrthum. Nach den vorgelegten Karlen zeigte sich die Erscheinung, daß in Deutschland blonde und helläugige Juden häufiger vorhanden sind (bis 11 pCt.) als man in der Regel annimmt, und daß die meisten Hellen Juden in den preußischen Provinzen mit verhälinißmäßig dunkler Bevölkerung Vorkommen. W n i < i g e tu Die jüdische Gemeinde zu Drüssei sucht für ihre neue Synagoge einen tüchtigen Chazan, der gründliche Kenntniss der hebräischen Sprache und der Musik besitzt. Reflectanten wollen sich an Herrn Wiener, Präsident, Nr. 01 rue de la loi, in Brüssel wenden. Ein jüngerer Commis (Israelit) wird für ein kleineres Leinen- und Weißwaarengeschäft ea detail in Hannover gesucht. Mit der Branche Vertraute erhalten den Vorzug. Sonnabend und Festtage geschloffen. Offerten unter 8. v. 5 durch Carl Schüssler's Annvuceu-Expedition in Hannover. Lehrer Gesuch. Ein acad. geb. Lehrer, besonders f. d. mathem. u. Naturwissenschaft. Fach in einem israel. Institut; Consession gleichg.; Eintritt sofort oder zu Ostern. Adr. Chiffre II. B. 2748. a. d. Hermann’sehe Buchhandlung in Frankfurt am Main. Für eine junge bewährte Dame, Israelitin, wird zu Neujahr oder später eine Stelle zur selbstständigen Führung des Haushaltes oder zur Stütze der Hausftau und zum Mitunterrichten und Erziehen der Kinder gesucht. Nachricht ertheilt Lehrer Schlesinger in Göttin gen.

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