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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-28 · Heft 48 (28.11.1876) · p. Seite 776

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 48 (28.11.1876)
Date
1876-11-28
Page
Seite 776 (sequence 10)
Language
German
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776 daß ein Jude Polizeicommiffar geworden, wie auch Böhm wohl der erste jüdische Oberstabsarzt der Monarchie sein dürfte. Frankreich. Paris, 15. Nov. (Nach den Arch. isr.) Im vorigen Jahre wurde in dem neuen Tempel rue üe la Victoire ein feierlicher Gottesdienst mit Predigt am Sabbath-Nachmittag eingerichtet. Man hat diese Neuerung am 11. Nov. wieder begonnen und auch auf den Tempel rue des I'ouruelles ausgedehnt. Dieser Gottesdienst findet jeden Sabbath um 2 Uhr Nachmittag statt. Später soll er auch in dem Tempel Notre dame de Nazareth hergestellt werden. — Jeden Mittwoch Abends 8 Uhr ist ein Unterricht im Hebräischen für junge Mädchen eingerichtet worden, welche sich zum Lehrerinnenfache ausbilden. — Bekanntlich kommen seit einiger Zeit in den ausgedehnten Staatswaldungen in Algerien sehr verheerende Feuersbrünste vor, welche zweifellos von den Eingeborenen herrühren und einen unberechenbaren Schaden anrichten. Böswillige verbreiten nun die Meinung, daß die Eingeborenen diesen Frevel aus Aerger an den Ehrenbezeugungen verüben, welche den jungen Rekruten jüdischer Religion bei ihrem Abmarsch nach Frankreich bezeugt worden. Hieran ist natürlich nichts Wahres; aber es bezeugt doch, wie es noch immer Biele giebt, die den Juden keinen Fortschritt gönnen, mag dieser auch in wahrhaft patriotischem Geiste beruhen. Italien. Reggio, im November. (Arch. isr.) Der Lieutenant in der Cavallerie, früher Ordonnanz-Officier des Generals Cialdini, Herr Ulderico Levi, hat seiner Vaterstadt Reggio 200,000 Lires zum Geschenk gemacht, um dafür trinkbares Wasser nach der Stadt und durch dieselbe zu leiten und in allen Quartieren der Stadt Brunnen herzustellen. Der Stadtrath hat hierauf diesem angesehenen Israeliten das Patriziat der Stadt als Dank votirt und ihm das Adelsdiplom, welches die Stadt nach einem alten Privilegium den um die Stadt und das Vaterland verdienten Bürgern zu ertheilen das Recht hat, in feierlichem Aufzuge überreicht. Die italienische Regierung decorirte ihn mit dem Commandeurkreuze der italienischen Krone. Die Bevölkerung brachte ihm einen Fackelzug. Großbritannien. London, 12. November. Auf eine an Musurus Pascha, den türkischen Botschafter in London, gerichtete Zuschrift betreffs der angeblichen Ausschließung von Juden aus dem neu bildenden türkischen Staatsrathe hat derselbe Folgendes erwidert: Kaiserlich, ottomanische Botschaft, London, 7. Nov. Mein Herr! Ich habe Ihren Brief vom ö. d. M., der einige Zweifel betreffs des Antheiles, den die Juden der Türkei künftighin an dem reorganisirten Staatsrathe des Reiches genießen werden, ausdrückt, empfangen. Ich werde Ihren Brief der kaiserlichen Regierung zustellen, aber inzwischen zögere ich nicht, meine Ueberzeugung auszudrücken, daß in den neuen Repräsentativ- Jnstitutionen, mit welchen Se. kaiserliche Majestät das Reich auszustatten geruhte, die gesammte Bevölkerung ohne Unterschied der Race oder des Glaubens repräsentirt fein wird, und Jude, Muselmann und Christ auf gleiche Rechte als Wähler und Gewählte Anspruch haben werden. Derselbe Geist der Billigkeit wird die von der kaiserlichen Regierung zu vollziehenden Ernennungen für den Senat leiten. Ich verbleibe, mein Herr, Ihr gehorsamer Diener Musurus. —. Die Handelskammer von Bradford hat einstimmig die Resolution votirt: „Lord Derby wird ersucht, keinen Vertrag mit Rumänien zu unterzeichnen, durch welchen britische Unterthanen israelitischer Religion Beschränkungen oder Ausnahmen ausgesetzt werden könnten. — . Wie das „Jew. Chr." minheilt, haben Herr und Mad. Joseph Barrow Montefiore am 1. Nov. ihre goldene Hochzeit zu London gefeiert. Dieser Herr Montefiore war einer der ersten jüdischen Ansiedler in Australien, und ist ein Neffe des Sir Moses. Er war lange Zeit Friedensrichter in Sidney und seinen Bemühungen verdankt man es, daß diese Stadt das Terrain zu dem ersten jüdischen Friedhof schenkte. Marokko. Marokko, im October. Wenn irgendwo sich bis jetzt alle Anstrengungen der europäischen Juden, insbesondere des Sir Moses Montefiore und der Alliance, alle Einsprachen der europäischen Machte, namentlich Englands und Frankreichs, und alle Versprechungen und Ordonnanzen der Sultane, Großveziere und Gesandten als nichtig und erfolglos sich erwiesen, so ist es in Marokko, wo selbst unter den mohammedanischen Landern am grausamsten die Juden behandelt werden. Man kann sagen, was Rumänien in Europa. Persien in Asien, das ist Marokko in Aftika. Wir kennen also diejenigen drei Punkte der Erde, wo die Barbarei noch am stärksten wüthet und am schwierigsten zu bekämpfen ist. Die Alliance hatte Herrn Joseph Halevy beauftragt, die von ihr errichteten Schulen in den Küftenstädten von Marokko zu untersuchen, und derselbe nahm die Gelegenheit wahr, bis nach der Hauptstadt Marokko zu dringen. Hier fand er den Zustand der Juden höchst beklagenswerth. Sie dürfen außerhalb ihres Mellah (Ghetto) weder Fez, noch Turban, noch Schuhe tragen, und selbst, wenn sie die Kopfsteuer nach dem Finanzhause tragen, muffen sie barfuß und den Kopf mit einem Taschentuche umhüllt, das sie nicht vor den Gluthstrahlen der Sonne schützt, gehen. Eine Anzahl jüdischer Weiber muß gegen einen lächerlich geringen Lohn in der Werkstatt des Staates an der Equipirung der Soldaten arbeiten, und zwar ohne sich des Schleiers bedienen

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