Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1876)
- Date
- 1876-11-28
- Page
- Seite 770 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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770 schaaren, die wie Fliegen uud Bienen beschrieben werden, sollen von Egypten und Assyrien kommen und in denThalern, in de» Klüften der Felsen, den Hecken und Wiesen lagern. Fruchtbares Land wird nur Disteln uud Dornen hervorbringen. Angebaule Hügel werden den Disteln und Dornen überlassen bleiben. Nichts von allem dem ereignete sich in der Zeit Jesu. Aber die Weißsaguug des Michah ist noch ungeeigneter. Der Herrscher, der in Bethlehem geboren werden soll, soll Israel zum Siege über alle feine Feinde führen. Er soll sein Volk von den Assyrien befreien. Der Ueberrest von Jakob soll unter den Heiden wie ein Löwe unter den Thieren des Waldes sein, wie ein junger Löwe unter Schafheerden. Seine Hand soll erhoben sein gegen seine Gegner und alle seine Feinde sollen zerstreut werben." „Diese Beziehungen auf Weißsagung waren daher gewiß nicht glücklich. Eine Anspielung des Matthäus auf die Worte: „Das Volk, das in der Finsterniß wandelt, sieht ein großes Licht", ist nicht geeigneter, denn Jesaias fährt an der in Frage stehenden Stelle fort, das Kind, welches ihnen dies Glück bringen soll, als eins zu beschreiben, welches die Herrschaft auf sich nehmen und aus dem Throne Davids sitzen wird, um ihn durch Recht und.Gerechtigkeit herzustellen und für immer zu behaupten.e) Ein anderer Auszug aus dem Jesaias, welcher beginnt: „Siehe meinen Diener, den ich erwählt habe" und einen milderen Charakter schildert, ist mehr angemessen, aber zu unbestimmt, um leicht auf ein bestimmtes Individuum angewendet zu werden.", „Jesus selbst, wird durch einen seiner Biographen berichtet, soll sich auf gewisse Worte des Pseudo-Jesaias als auf eine Bestätigung seiner Sendung bezogen haben. Wenn der Bericht wahr ist, so ist der Umstand von großer Wichtigkeit, indem er nachweist, welche Ansicht er selbst von seinem Amte hegte, und welche Mittel er anwendete, um die Juden von seinem Anrecht auf dasselbe zu überzeugen. Eingetreten in die Synagoge von Nazarech, empfing er die Rolle des Propheten Jesaias und begann aus dem 61. Capitel zu lesen wie folgt: „Der Geist des Herrn Jehovah ist auf mir, weil Gott mich bestimmt hat, frohe Botschaft den Armen zu verkünden, er hat mich gesandt, den der gebrochenen Herzens ist zu befestigen; den Gefangenen zuzurufen, Freiheit, und denen in Fesseln, Befteiung; auszurufen ein Jahr der Gnade von Jehovah." Hier brach Jesus die Vorlesung mitten in einem Verse ab und erklärte, daß an diesem Tage die Schrift erfüllt sei.') Aber setzen wir einmal unser Studium der prophetischen Vision ein wenig weiter fort: „Auszurufen ein Jahr der Gnade von Jehovah und einen Tag der Rache von unserem Gotte; zu trösten Alles waS trauert anzulegen den Trauernden Zions, — Schmuck statt Asche, das Oel der Freude statt der Trauer, daß sie Eichen der Gerechtigkeit genannt werden, eine Pflanzung Jehovahs, ihn zu verherrlichen. 6) Matth. 4, 16. aus Jesaias 8, 1. 7) Lucas 4, 16. auS Jesaias 61, I. 2. Und sie werden aufbauen die Trümmer alter Zeiten, wieder hergellen die Verwüstungen früherer Tage, und sie werden erneuern verwüstete Städte, die Trümmer von Geschlecht auf Geschlecht. Und Fremde sollen stehen und Eure Heerden füttern und die Söhne der Fremden sollen Eure Tagelöhner und Eure Winzer 'ein. Und Ihr sollt heißen, „Priester Jehovahs", „Diener unseres Gottes" soll man Euch nennen, die Reichthümer der Völker sollt ihr verzehren und in ihren Glanz sollt Ihr eintteten." Hätte Jesus die Stelle, die er begonnen, beendet, so hätte er kaum sagen können: „Diesen Tag ist die Schrift erfüllt worden vor Euren Ohren." Der Courrast zwischen der Verheißung und dem Thatsächlichen würde zu schreiend gewesen sein." „Die scheinbar tteffendste Aehnlichkeit mit Jesus findet man vielleicht in dem Manne, der mit so schönen Worten von einem unbekannten Propheten im 53. Capitel des Jesaias geschildert wird. Aber diese Worte konnten von den Juden nicht auf ihn angewendet werden, an erster Stelle, würde sich eine Beziehung auf ihn bis nach seiner Kreuzigung auS ihnen nicht entnehmen lassen, in Hinsicht darauf, daß sie Unterdrückung, Gefängniß, Berurcheilung und Hinrichtung beschreiben; zweitens aber, weil kein Grund war zu glauben, daß er ihre Krankheiten trug und ihre Sorgen auf sich nahm. Und obgleich die uns so vertrauten Worte, — doppelt vertraut durch die herrliche Musik Händels, — „Er war ein Mann der Sorgen und vertraut mit Kummer" uns, die wir sein Ende kennen, ihn vollkommen zu schildern scheinen, so konnten sie ihn kaum den Juden beschreiben, die ihn in seinem täglichen Leben sahen. In diesem wenigstens war nichts besonders Unglücksvolles." 8) 8) Die ganze h. Schrift weiß nichts von einem leidenden, sondern nur von einem siegenden Messias; auch das pätere Judenthum nicht, da nur wenige derartige Züge bei päteren Lehrern Vorkommen, vgl. Sanhebr. 98, 2. Ist nun auch das etwas dunkle Cap. 53 messianisch, so ist doch darin von einem persönlichen Messias nicht die Rede. Vielmehr bedeutet 'n *T33? hier (52, 13), was es nach Cap. 42, 44, 49 bedeutet, nämlich das Volk Israel selbst, das hier als ganz dem Ewigen anhängig gedacht ist. Wir haben es mit der vierten Rede des zweiten Abschnittes im Buche des zweiten Jesaias zu thun 52, 13—15 und Cap. 53, deren Inhalt ist: Israel leidet in der Verbannung zum Heile aller Völker und wird deshalb erhöht. Der Prophet drückt dies so aus: Zuerst spricht er die zukünftige Größe Israels aus (52, 13), die so groß sein wird, wie Israel jetzt erniedrigt ist (14). Darüber werden die Völker und Könige in das größte Erstaunen versetzt (15!, die sich die ganze Verachtung, in welcher Israel gewesen, zum Bewußtsein rufen, und das gerade der Einige dieses Volk nun so hoch erlöset habe. (53, 1—3). Aber daraus erkennen sie, daß Israel dieses harte Schicksal nur zu ihrer (der Völker) Erlösung aus ihrem sündhaften Zustande ertragen hat (4—6, so daß Israel, durch die Ausdauer, die es dennoch in allen Leiden gezeigt, indem es nicht vom Ewigen wich, nur um so höher gestellt wird (7—9). Darum wird Israel von Gott um so mehr erhöht und beglückt und der Wille Gottes durch Israel erfüllt (10—12). Den 'weiteren Erweis hierfür f. in unsrem Commentar z. St. Red.