Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 48 (28.11.1876)
- Date
- 1876-11-28
- Page
- Seite 769 (sequence 3)
- Language
- German
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769 Nation eine ungeheure Wohlthat für dieselbe sein würde, und sprach das Wort nicht, das ihr dazu verholfen haben würde, ihn anzuerkeunen. Er glaubte, eine Sendung von Golt zu haben und verfehlte es, ein mächtiges Beweismittel zu Gunsten der Wahrheit dieser Idee anzuwenden. Er sah endlich, daß er wegen angeblicher Gottlosigkeit zum Tode verurtheilt wurde und litt, daß das Sanhedriu die Schuld seiner Berurtheilung auf sich lud, ohne sich einer seiner kräftigsten Vertheigungswaffen zu bedienen. Glücklicherweise sind wir nicht gezwungen, ihn dieser Unbilligkeit zu beschuldigen. Die widersprechenden Geschichten, durch welche seine königliche Abkunft und seine Geburt in Bethlehem bekräftigt werden sollen, verratheu genügend ihren Ursprung, um uns an die Ehre und Ehrlichkeit Jesu glauben zu laffen." „Eine andere messianische Weissagung, die er erfüllt haben soll, ist die der Geburt von einer Jungfrau, deren Nothwendigleit aus einem Ausdruck ves Jesaias abgeleitet wurde. Daß der Verfasser des vierten Evangeliums von dieser Jungfrauengeburt nichts wußte, haben wir schon gezeigt und daß das jüdische Volk im Allgemeinen ihn für den Sohn des Joseph hielt, geht genugsam aus den Anspielungen auf seinen Vater hervor. Auch hier wiederum widersprach er nie der allgemeinen Annahme. Aber selbst wenn sie von der wunderbaren Empfängniß Kenntniß gehabt hätten, halten die Juden leugnen können, daß die Stelle im Jesaias irgendwie eine solche Deutung ertrüge, wie ihr Matthäus unterlegte. Er giebt sie wieder: „Siehe die Jungfrau soll schwanger werden und einen Sohn gebären." Eine richtigere Uebersetzung würde sein: Las Mädchen wird empfangen und einen Sohn gebaren, denn das Wort, welches Matthäus mit „Jungfrau" übersetzt, schließt junge Weiber, die ihre Jungsrauenschafl verloren haben, nicht aus. Sonderbarerweise wird es an anderen Stellen gerade von Mädchen gebraucht, die einen Lebenswandel führen, der sie derselben berauben mußte. 2) 3) Das Wort rrcbr, fälschlich jiuqÖ wog in der Septuaginta wiedergegeben, bedeutet nach Furst's hebräischem Lexicon, „ein heirathsfähiges reifes Mädchen, entweder unverheiralhet, Gen. XXIV, 43. Ex. II, 8. Hohelied VI, 8 . . . oder im geschlechtlichem Umgang mit einem Manne. Prov. XXX, 19." — Die richtige Uebersetzung dieser Stelle wurde bereits im zweiten Jahrhundert von Theodotion und Aquila gegeben, welche Jrenäus mit Hülfe einer fabelhaften Geschichte widerlegt , des Inhalts, daß von den 70 Uebersetzern des alten Testaments jeder sein Werk abgesondert verrichtete und daß ihre 70 Uebersetzungen, als sie dem Ptolemaus vorgelegt, Wort für Wort übereinstimmend gefunden wurden. So „bemerkten selbst die anwesenden Heiden, daß die Schriften unter Eingebung Gottes übersetzt worden feien." — Jrenäus adv. Haer. III, 21. Verfasser. Wir müssen über die ganze Stelle (Jesajas 7, 14) au unsren Commentar zur Stelle wiederum verweisen, die wir übersetzen: „Darum giebt der Herr selbst Euch ein Zeichen: siehe das junge Weib wird schwanger und gebiert einen Sohn und nennt seinen Namen Immanuel (Gott mit uns.)" Wir wollen hier nur Einiges hervorheben. Der König von Israel hatte sich mit dem Könige von Syrien gegen Juda verbunden. Gegen Weiter, die beiden von Matthäus citirten Prophezeiungen, die den Juden zweifellos vertraut waren, konnten unmöglich von ihnen auf eine Person vom Charakter Jesu angewenver werden. Selbst die geringen Bruchstücke, die vom Evangelisten aus ihrem Zusammenhang gerissen werden, überführen ihn einer falschen Anwendung. Im ersten Bruchstück wird der Jungfrauenfohn Immanuel genannt, ein Name, den Jesu niemals trug.3 4) Im zweiten wird er als ein Herrscher beschrieben, der mein Volk Israel beherrschen soll, was Jesus niemals war.5) Aber die Unähnlichkeit der verkündeten Person zeigt sich ferner, wenn man die Umstände, wie sie der Prophet aufsaßte, mit den wirklichen Zeitumständen vergleicht. Immanuels Geburt soll, während er noch zu jung ist, um zwischen gut und übel zu wählen, von einer schrecklichen Verheerung des Landes gefolgt sein. Heerdiefe wollte Achas die Hülfe des Königs von Assyrien fordern. Hiervor wollte Jesajas den König warnen, von dem Bündniß mit Asiyrien abmahnen, welches nach der Besiegung jener beiden Juda großen Schaden zufügen werde. Es half dies, wie man aus 2. Kön. 16, 17 ersiehr, dem Propheten nichts. Der Prophet fordert Achas auf, ein Zeichen vom Ewigen zu fordern, was jener jedoch verweigert. Und nun spricht der Prophet den angeführten Vers, und verheißt, daß bis der Knabe zwischen Bösem und Gutem zu unterscheiden wüßte, werde Israel und Syrien durch Asiyrien verödet und Juda durch dasielbe gezüchtigt werden. Daß V. 14 aus dem Zusammenhänge gerisien und auf Jesus bezogen und rstjbr „unbefleckte Jungfrau" gedeutet werde (Matthäus 1, 18—23), dagegen bemerkt schon Gesenius: „Es kam darauf an, dem ungläubigen Achas ein Zeichen zu geben, welches bald in Erfüllung ging und ihm gleichsam vor Augen lag. Wie hätte die Verheißung der wunderbaren Geburt eines Messias, die viele Jahrhunderte später erfolgen sollte, dieses gewähren können? wie konnte Achas eine weil später zu erfüllende Verheißung als die Gewähr eines früheren Erfolges nehmen?" — Daß ein Prophet in seinen Weisiagungen sich Kinder mit bezeichnenden Namen gebaren läßt, sieht man bei Jesajas aus demselben Cap. V. 3, ferner 8, 3 und Hosea Cap. 1, 8, 18 sagt der Prophet: „Siehe, ich und die Kinder, die der Ewige mir gegeben, sind zu Vorbildern und Wunderzeichen (a'ns'Hbi mrsbj in Israel vom Ewigen." Es geht daraus hervor, daß der Prophet, um ein Hauptmoment seiner Weisiagungen zu symbolisiren, und die Verwirklichung desselben charakkeristifch hervorzuheben, es als seinen Sohn, der ihm geboren ist oder wird, bezeichnet. So hier die Hülfe Gottes und Seine Wallung, die sich in dem Untergang Israels und Syriens, der Züchtigung Juda's bethätigen soll, in dem Sohne Immanuel. „Das junge Weib" bezeichnet die baldige Berwirllichung, wie wiederum, „bis der Knabe Böses und Gutes zu unterscheiden weiß", auf die geringe Zahl von Jahren hindeutet, während derer das Geweißsagte geschehen wird. An ein wirkliches Gebären eines Knaben von einem bestimmten Weibe ist gar nicht zu denken, wie aus Hosea Cap. 1 vollständig einleuchtet. Nicht ganz zu übersehen ist auch der bestimmte Artikel in rnibrn andeutet, von welchem Kimchi bemerkt: 771?: 1722 r-.nb? «bst rtbira rrabyrr — .nbisu n« ribnro rvnn Redaction. 4) Matth. 1. 23. aus Jesajas 7, 14. 5) Matth. 2, 6. auS Micha 5, 1. 48