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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-21 · Heft 47 (21.11.1876) · p. Seite 761

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 47 (21.11.1876)
Date
1876-11-21
Page
Seite 761 (sequence 11)
Language
German
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761 Gemeinderath der Stadt St. Gallen an, daß er -ei' waltender Sachlage nicht im Falle sein werde, das Verbot des Schachlens gegen die israelitische Religionsgenoffenschaft in St. Gallen fernerhin aufrecht zu erhalten. Dem Großen Rathe wird hiervon einfach Anzeige gemacht und die Angelegenheit fällt daher aus Abschied und Traktanden." Hiermit wird wohl diese leidige Angelegenheit für immer zu Ende sein, und man sieht auch aus diesem Beispiele, daß ein ausdauernder Widerstand gegen Unduldsamkeit und Unrecht in unserer Zeit zum Siege verhilft. Türkei. Paris, 7. Nov. Bon hier wird gemeldet, daß Sadik Pascha dem Duc Decazes mitgetheilt, daß die türkische Reichsvertretung schon Mitte December zusammentreten soll. Erste Vorlage soll die Gleichberechtigung aller das Reich bewohnenden Confessionen sein. Durch ein so vvtirtes Gesetz glaubt die Pforte den besten Beweis, daß es ihr um die Reformen und Gleichstellung aller ihrer Unterthanen Ernst sei, gegeben zu haben. Amerika. Baltimore, 23. October. (Privatmilth.) Gestern fand die Einweihung des neuen israelitischen Waisenhauses auf den Calvertonhöhen statt. Sie haben in d. Bl. von der Errichtung deffelben, sowie von dem schweren Brandunglück, welches daffelbe betroffen, feiner Zeit berichtet, und so werden Sie mit Befriedigung von der schnellen Wiederherstellung der großartigen Anstalt Act nehmen. Auf Betrieb einiger Damen im Jahre 1870 war durch eine allgemeine Versammlung im Mai 1872 ein israelitischer Waisenhausverein gegründet worden, welcher in kurzer Zeit 18,000 Doll, sammelte und Jahresbeiträge von 245 Mitgliedern zugesichert erhielt. Rasch aber zum Ziele gelangte er als Herr W. S. Rahner am 4. Nov. ein 110 Fuß langes und 268 Fuß tiefes, mit einem geräumigen Gebäude versehenes Grundstück als Geschenk darbot. Schon im März 1873 wurden die ersten Waisen ausgenommen. Das Institut blühte schnell auf und erhielt von allen Seiten Unterstützung; als am 12. Nov. 1874 in dem Gebäude Feuer ausbrach und es gänzlich verzehrte. Rührend war es, wie der Anstalt alsbald die nöthigste Hülfe angeboten wurde, namentlich auch vom Vorstände des „Allgemeinen deutschen Waisenhauses". Doch besorgte der Vorstand schnell ein angemeffenes Asyl für die Waisen. Vor einer Woche schon kehrten diese in ihr eigenes Gebäude wieder ein, das auf der alten Stelle als ein wahrer Prachtbau, geeignet 150 Kinder aufzunehmen, dasteht. Der neue Bau hat 48,800 Doll, gekostet. Die Schuld, die auf demselben noch lastet, betragt 25,000 Doll.; doch vertraut man der Wohlthatigkeit der hiesigen Glaubensgenossen genugsam, um die Verzinsung und Amortisirung dieser Schuld nicht zu bezweifeln. Gestern nun fand Die Einweihungsfeier in Anwesenheit des Gouverneur Carroll und einer unabsehbaren Menschenmenge statt. Herr Rabbiner Szold hielt das Gebet und Rabbiner Hochheimer die Festrede (in deutscher Sprache), welche mit nicht envenwollendem Beifall ausgenommen wurde. Zahlreiche und werthvolle Geschenke wurden dargebracht. Möge das neue Gebäude unter dem Schutze Gottes für lange Zeiten der Zufluchtsort und die Erziehungsstätte zahlreicher vom Geschick heimgesuchter Kinder sein! I e « i 1 Festrede vr. Ludw. Fug. Frarckl's bei der Enthüllung des Schillerdeukmals zu Wien am 10. Nov. 1876. (S. oben Wien vom 12. November.) Es gereicht uns zur Befriedigung, daß in demselben Jahre die Festrede bei der Enthüllung der Denkmäler zweier deutscher Geistesheroen von ausgezeichneten Männern jüdischer Religion gehalten worden, und zwar solchen, welche ihr lebendiges Interesse auch für ihren Glauben und ihre Glaubensgenossenschaft in hochherziger Weise bethätigt haben, wir meinen Prof. Lazarus bei der Enthüllung des Herbart-Denkmals in Oldenburg (s. Nr. 21) und Dr. Frankl bei der des Schiller-Dentmals in Wien. Die letztere Rede lautete: „Freude hat „uns" Gott gegeben, Schet, wie ein gold'ner Stern Aus der Hülse, blank und eben, Schalt sich der metall'ne Kern. 1 e t 0 n. Die Gestalt Friedrich Schiller's, von eines Meisters Hand geformt. Wenn sein Name ertönt, geht ein mächtiger, ein melodischer Klang durch die Herzen und Geister der ganzen großen deutschen Welt, weht ein warmer Hauch der Liebe durch die Herzen und Geister Oesterreichs, dessen Volk und Fürsten von alten Zeiten her die Dichtkunst liebten und ehrten. Seit fast einem Jahrhundert wirkt die Macht seiner Gedanken, lebt die Pracht seiner Gestalten. Nirgends schritten diese so glänzend, so Begeisterung weckend an den entzückten Hörern vorüber, wie hier in Wien. Gedanken unr Gestalten, wir nahmen sie auf in uns; wir haben uns zu eiger gemacht den Reichthum der schöpferisch bildenden Culturwelt Friedrich Schiller's. Wenn eine Stadt einen lebenden thatenreichen Bürger zu höchst ehren will, so schreibt sie seinen Namen in ihr 47*

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