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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-21 · Heft 47 (21.11.1876) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 47 (21.11.1876)
Date
1876-11-21
Page
Seite 762 (sequence 12)
Language
German
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762 goldenes Buch. Einem großen Dahingeschiedeneu errichtet sie ein Denkmal. Und heute, da wir Friedrich Schiller, wie schon lange geistig, nun auch im Ebenbilve besitzen, dürfen wir, nichtwie einst sein unsterblicher Dichtergenoffe rufen: „Er war", wir dürfen stolz und freudig jubeln: „Er ist unser!" Und so möge denn die Gestalt des unsterblichen Dichters und Propheten auferstehen vor uns, begrüßt von Sr. Majestät, den Vertretern des Reiches und der Stadt, und ragen in dieser altehrwürdigen Stadl der Kaiser als eine Säule des Ruhmes, und leuchten als ein Sonnenzeiger der Welt, wie uns, auch allen künftigen Geschlechtern!" vr. Abraham Aeurnaun. Eine Lebensskizze. (Fortsetzung.) Reumann mußte dem Drange seiner Gefühle folgen — die Freude, den Jubel seines Innern, den Segen über den geliebten Monarchen-Wohlthäter öffentlich und im Gebete vor Gott aus dankbarem Herzen aussprechen — Aber wo und wie? Kein Local, kein Borbeter u. s. w. Nach unendlichen Mühen gelang es ihm. Alles so einzurichten, daß er auch viele Andersgläubige zu diesem Gottesdienste auffordern konnte; auch der Fürst war zu diesem Gottesdienste erschienen. .*^73m ns-ntr -:n n? war die Einleitung zur Predigt, das Thema derselbei?bildete— .rrobra bw nmboa tnn rrnn Noch jetzt erinnern sich viele der Gäste dieser Predigt; eine solche Hingebung' und Dankbarkeit gegen das regierende Haus, solche Erkenntlichkeit in tiefgefühlten Worten für alle Wohlthaten des Monarchen, haben sie nicht so bald gehört — (Souworoff war froh, das Glück seines Freundes zu sehen — Jauchzte doch sein eigenes Herz hoch auf über diesen Sieg der Humanität.) — Alle Anwesenden stimmten mit in das inbrünstige Gebet des Rabbiners für das Wohlergehen des regierenden Hauses ein und Juden und Christen stehlen vereint zum Allgütigrn um Schutz für den geliebten Monarchen .... Und Gottes schützende Hand war es auch, die ein halbes Jahr später den bübisch ausgedachten Streich eines Bösewichts von dem Haupte Alexanders II. abgewandt, zum Glück und Frieden nicht seiner eigenen Unterthanen allein, sondern auch der ganzen Menschheit. Bon Schrecken wurde unser Herz über die erste Kunde dieser Thal ergriffen, — aber desto größer war unsere Freude über diese wunderbare Errettung. Ein Jeder fühlte, baß sein eigenes Leben gleichsam wie von einem Mordanfall durch wunderbare Fügung errettet worden. N. hatte Mühe, diese Nachricht in ihrer ganzen Furchtbarkeit zu faffen. Erst als ein Strom von Thränen sein Herz erleichtert hatte, rief er den Bers aus: varns bn ns 'n -m« und zog sich in sein Zimmer zurück, wo er in stillem Gebete allein verharrte. Ein Adjutant von Souworoff theilte das Borgefallene officiell mit. Er begab sich nach -dem Kaufmannsbechause, hier fand er gerade viele zum Minchahgebet versammelt — „Dankgebete, wie einst unsere Priester die Dankopfer, wollen wir dem Herrn von der Tiefe unseres Herzen bringen für die Errettung unseres Monarchen — i:b Ni“ rrnrn 'ser ist uns wiedergeschenkt —" war ungefähr rer Inhalt der kurzen aber begeisterten Ansprache, die er an die vor Freude weinende Versammlung richtete. — Hierauf begab er sich zum Fürsten, sein Herz war übervoll. — Er fand hier das Echo von dem, was in seinem Innern vorging — Schrecken und Freude malten sich auf jedem Gesichte .Hier trug er dem Fürsten seines Herzens Drang vor, des Glückes theilhaftig zu werden, dem Monarchen persönlich seinen Glückwunsch im Namen seiner Glaubensgenoffen, im Namen seiner Gemeinde darbringen zu können. — Auf die erfolgte Erlaubniß standen am Freitag, den 10. April, der Rabbiner und 10 Israeliten im Winterpalais, des Erscheinens ihres Monarchen-Wohlthäters harrend. Nicht lange und Alexander der Zweite stand vorihnen. Der Rabbiner wandte sich mit folgenden Worten an Seine Majestät den Kaiser: „Gelobt sei Gott für den Abglanz seiner Himmlischen Majestät auf Erden und hochgepriesen fein Name für das Licht seiner Gnade, das er uns in diesem Augenblicke in solch' hoher Huld leuchten läßt! Geruhen Ew. Kaiserliche Majestät allergnädigst zu gestatten, einen schwachen Ausdruck unserer allerunterthänigsten Gefühle Allerhöchst Ihnen zu Füßen legen zu dürfen, sie kommen aus dem tiefen Quell unserer Herzen. Gott wolle, Gott wird sie erhören zum Schutz und Schirm Ew. Kaiserlichen Majestät, zum Schutz und Schirm des ganzen erhabenen Kaiserhauses und des ganzen Vaterlandes." — Seine Majestät war sichtlich gerührt. — Bei den Worten „sie kommen aus dem tiefen Quell unserer Herzen", geruhte der Kaiser zu äußern: „Ich glaube es, Ich glaube es." Nach Beendigung der Anrede geruhte der Kaiser den Rabbiner zu fragen, wo er geboren und wie lange er schon in Rußland wäre. „In Bayern bin ich geboren; in Rußland bin ich schon 25 Jahre", war N's. Antwort. „ — Dann sind Sie schon halber Ruffe", bemerkte gnädigst der Monarch. — „ — Bon Herzen bin ich es ganz." „ — Und Sie", fragte der Kaiser in russischer Sprache an die andern gewandt. „Wir sind Ruffen", war die freudige.einstimmige Antwort russisch. — Huldvoll geruhte hier auch der Kaiser die Adreffe entgegen

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