Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 47 (21.11.1876)
- Date
- 1876-11-21
- Page
- Seite 758 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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morgeuländische Trauerscene aus dem Saron von Rabbiner J Die Uebersetzuvg liest sich fließend und ist von Germanismen Dr. L. Philippfo» metrisch in's Hebräische (Preßburg, 1873).! meistens ftei. Kayserling. 3betbu/U/Cj 6uAxc&tlcfeteii. Deutschland. Gießen, 7. November. (Privatm.) Auf die in Nr. 41 mitgetheilte Petition der Großh. Rabbiner zu Gießen und Darmstadt betreffs des Schulbesuches jüdischer Kinder an Sabbath und Festtagen (vgl. Nr. 37) ist ein Ministerialbeschluß erfolgt, welcher dem ausgesprochenen Gesuche zum Theil entspricht. Er lautet: Darmstadt, 31. October 1876. „Wir finden uns veranlaßt, mit Genehmigung Großherzoglichen Ministeriums des Innern zu bestimmen, daß die jüdischen Schüler und beziehungsweise Schülerinnen an nachfolgenden Festtagen, falls dieselben in die Schulzeit fallen, vom Besuche der Schule freizugeben sind, nämlich: 1. Ostern, einen Tag ganz, für den zweiten Tag nur während des Gottesdienstes, 2. Pfingsten, einen Tag ganz, für den zweiten Tag nur während des Gottesdieustes, 3. Neujahrsfest, zwei Tage ganz, .4. Bersöhnungstag, einen Tag ganz, 5. Laubhütten^, einen Tag ganz, für de» zweiten Tag nur währenddes Gottesdienstes. Au de» übrigen.Festtagen, sowie an den gewöhnlichen Sabbathen (Samstagen) dagegen sind die jüdischen Schüler und beziehungsweise Schülerinnen zum Besuche der Schulen verpflichtet, es sollen jedoch diejenigen, deren Eltern es wünschen, au diesen Tagen nicht zum Schreiben angehalten werden. Sie wollen sich hiernach bemeffen und beziehungsweise die betteffeuden Lehrer und Schulvorstande entsprechend bedeuten. Knorr. Achenbach. Friedeberg (Neumark), 5. Nov. (Privatm.) Als Leser Ihres geschätzten Blattes weiß ich, wie gern Sie jeden Fortschritt in der Toleranz und Freisinuigkeit verzeichnen. Hierzu mag Ihnen folgendes Beispiel aus unserm Städtchen dienen. In der gestrigen gemeinschaftlichen Sitzung des Magistrats und der Stadtverordneten wurde das ehrenwerthe jüdische Mitglied der Versammlung, der Herr B. Iacobus, mit Majorität zum Kreistags-Abgeordneten gewählt. Nach der kaum geschehenen Wahl zweier conservativer Abgeordneten zum Landtage ist dieser Vorgang um so anerkennenswerther, als gerade der Kreistag früher eine hocharistokratische Institution war, und in diesseitigem Kreise das Wirken des v. Wedemeier noch in frischem Angedenken ist. Es zeigt ferner, daß der gesunde Sinn unserer christlichen Mitbürger sich nicht hat beirren lassen von den Schmähschriften eines Glagru, Nieudorff. Rohling, rc. Jauer, H). Nov. (Privatmitth.) Unter die ueugewahlte« Abgeordneten jüdischer Religion ist irrthümlich in Ihrer Zeitung Dr. Alexander Meier in Breslau gezählt worden, was übrigens auch in Berliner und Breslauer Blättern geschehen ist. Herr Dr. A. Meier ist kein Jude. T. T. Nienburg a. d. Weser, 2. Nov. (Privatmitth.) Am 18. October feierte der israeliüsche Lehrer L. Sommer in Verden sein 25jähriges Dienstjubiläum. Es ist dies ein im Lehramte so eifriger und pflichtgetreuer Mann, von solcher Reinhett des Charakters und nicht bloß von seiner Gemeinde, sondern auch von der ganzen Stadt so werthgeschätzt, daß wir dieser Feier hier wohl zu gedenken haben. Es wurden ihm werthvolle Geschenke, Adreffen und Telegramme gewidmet. Oesterreich-Ungarn. Wien, 12. Nov. (Privatmitth.) Vorgestern fand hier auf dem Schillerplatze vor der neuerbauten Kunstakademie in Gegenwart des Kaisers, mehrerer Erzherzoge, der Minister und zah^ reicher Notabilitaten, sowie einer großen Menge ans allen Klaffen unserer Bevölkerung die feierliche Enthüllung der Schillerbildsaule statt. Die Festrede hielt Dr. Ludwig August Frankl, welche Ehre ihm auch wegen seines Verdienstes um das Zustandekommen dieses Denkmals zustand. Es ist wohl gestattet bei dieser Gelegenheit hervorzuheben, wie Frankl in fast mustergiltiger Weise das eifrigste Streben für die höchsten allgemeinen Zwecke mit der Bethätigung des wärmsten Interesses für seine Glaubensgenoffenschaft verbindet. Dies hat er nicht allein durch seine literarischen, besonders seine poeüschen Arbeiten erwiesen, sonder« auch durch die besten Thaten seines vielbewegteu Lebens. Z« diesen gehören in jüngster Zeit die Gründung des israelitischen Blindeninstituts und die Errichtung der Schillerstatue. Frankl besitzt ein großes Talent, die Leute für einen gemeinnützigen Zweck zu interessiren, daß sie auch den Beutel öffnen, und zwar recht weit; aber er besitzt auch, was noch höher auzuschlagen, die unermüdliche Ausdauer, so lange mit seinen Gesuchen fortzufahren, bis das Ziel, und zwar im besten Maße, erreicht ist. Dies wird auch sein Andenken, abgeschen von feiner Stellung in der Literatur, durch Jahrhunderte erhalten. — Bei der gedachten Enthüllungsfeier hielt, wie bemerkt, Frankl die Festrede, over vielmehr den Festspruch: denn er hatte den richtigen, aber seltenen Takt, nur eine gediegene und schwungreiche, aber kurze Ansprache zu halten, ohne sich verleiten zu lassen, über den Werth