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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-14 · Heft 46 (14.11.1876) · p. Seite 743

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 46 (14.11.1876)
Date
1876-11-14
Page
Seite 743 (sequence 9)
Language
German
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743 Asche. — In Turin hingegen schwebt die vielbesprochene Angelegenheit der Synagoge noch immer. Da der Magistrat den Ankauf des Gebäudes verweigert hat, ist jetzt der Gemeinde die geringe Summe von 150,000 Frcs. geboten worden, und die Verwaltung hat die Mitglieder der Gemeinde aufgesordert, sich über Len Verkauf auszusprechen. Einstweilen muß man sich mit der kleinen völlig ungenügenden alten Synagoge behelfen, die von dem ehemaligen Ghetto stehen geblieben ist. Spanien. Madrid, im October. Was man allgemein von der zweideutigen Fassung des Art. 11 der allerjüngsten spanischen Constitution über die sogenannte Religionsduldung — denn das Wort Religionsfreiheit wäre da ein arger Mißbrauch — voraussetzte unv auch in d. Bl. besprochen worden, hat sich in den jüngsten Maßregeln der augenblicklichen spanischen Regierung vollständig bewährt. Sie tritt dem Protestantismus auf's Feindlichste entgegen, läßt den Bischöfen und Prä secten freie Hand, ihn auf's Aeußerste einzuschränken und unterdrückt die Schulen desselben. Sie führt nämlich den Art. 12 durch, daß keine Schule anders als von einem Spanier und mit Genehmigung der Regierung eröffnet werde, d. h. keine protestantische Schule bestehen dürste, und hierzu schreiben nun die Bischöfe den Schulvorstehern vor, keine protestantischen Schüler anzunehmen. Alles dies richtet sie gegen die „von der römischen Kirche abtrünnigen Secten". Man wird deshalb fragen, wie sich diese Regierung gegen die Juden benimmt, die doch zu diesen „abtrünnigen Secten" nicht gerechnet werden können? Allerdings hat der Katholicismus den Protestantismus zu fürchten, La dieser, in Spanien namentlich' der anglikanische, eine starke Proselytenmacherei treibt, was seitens der Juden niemals der Fall ist. Jndeß hegt diese Regierung auch gegen die Juden eine starke Abneigung, wie aus einem Telegramm hervorgeht, das die Agence Havas „Madrid, 18. October", verbreitete, und von den Arch. isr. mitgetheilt wird: „Die spanische Regierung hat beschloffen, eine Reclamation an England zu richten in Bezug auf die Contrebande, welche in großer Ausdehnung von Gibraltar aus betrieben wird, wo sich 1800 Israeliten mit Anfertigung von Cigarren beschäftigen, die in Spanien eingeschmuggelt werden." In Gibraltar leben bekanntlich nur eine geringe Anzahl1) Juden, und die ganze Nachricht scheint nur erfunden, um im Voraus Verfolgungen zu rechtfertigen, mit welchen die spanische Regierung die wenigen Juden in Spanien bedenken will. Türkei. Konstautinopel, 16. Oktober. (Arch. isr.) Das auffälligste Ereigniß der Woche und welches unsre türkischen Glaubens- 1) So gering ist sie doch nicht. Nach richtiger Schatzung schlägt man sie aus 2000 Seelen an. Die Unrichtigkeit der obigen Beschuldigung bleibt auch bei solcher Zahl offenbar. Redaction. genoffen am meisten interessirt, ist die Weigerung der Regierung. Israeliten in den soeben unter der Präsidentschaft Sr. H. Mirhat Pascha reorganisirten Staatsrath zuznlrffen. Dieser Rath, der aus vier Sectionen besteht, ist gebildet aus zwei Dritteln Türken und einem Drittel Christen,- im Ganzen aus 36 Mitgliedern. Unter dem Groß-Vezirat deö verstorbenen Ali-Pascha waren im Chourar-Derlet zwei Mitglieder und ein Requetenmeister Juden; unter dem seines Nachfolgers Mahmoud-Pascha, berüchtigt Lurch seinen rückschrittlichen Geist und Haß gegen Alles, was nicht Muselmann war, gab es noch einen. Es ist wahrlich überraschend, daß unter einer Herrschaft voll liberaler Pretensionen, und die sich als solche vor den Augen Europas aufspielt, man so ungerecht gegen eines der treuesten, fleißigsten und intelligentesten Elemente dieses Reiches, deffen Schicksal in diesem Augenblicke die ganze Welt interessirt, sein kann. Neulich fragte ich einen mir befreundeten höheren Würdenträger, warum rer wegen seiner Toleranz und seiner Einsichren mir Recht so gerühmte Midhat-Pascha die Israeliten vom Staatsrath ausschlösse? Anfangs zeigte er große Lust, mich um den Grund meiner Jnriscretion zu befragen, aber da er sah, daß ich ziemlich dreist reu Blick der befragten Excellenz aushielt, antwortete er mir mit feinem Lächeln und leichter Ironie: „Was wollen Sie? Ihr seid so friedfertig, Ihr macht keine Revolutionen; eie Bulgaren machen uns Furcht mit dem Schatten des Nordens, die Griechen mit der Insel Kreta unv Thesialien, die nur das Losungswort zum Aufstande abwarten; die Armenier benutzen wir, weil diese Nation außerordentlich geschickt ist, mir uns zu glauben, Laß weiß schwarz und umgekehrt sei, und uns bemitleidet, wenn sie unter sich sind. Aber Eure Glaubensgenoffen haben keine dieser Eigenschaften, das sind Leute, die sich nur mir dem Handel und der Bank beschäftigen wollen, es fehlt ihnen durchaus die Elasticität im Fache der Jntriguen." — „Mein Herr, erwiderte ich ihm bescheiden, dieselben Geschäftsleute, wie Sie sie nennen, zahlen unter sich in Europa, ohne sich zu empören, Generäle, Minister, Richter u. s. w." — „Ach, erwiderte er mir seinem unwandelbaren Lächeln, Ihr treibt auch Logik, das ist eine Geistesthätigkeit, die nicht für unser Klima paßt!" — Er glaubte mich hiermit zum Stillschweigen gebracht zu haben; ich war es in der Thal, denn ich fühlte nicht mehr den Muih, ihm noch ferner über diesen Gegenstand zu sprechen. — Unsere Glaubensgenossen befinden sich in großer Zahl in Konslantinopel und Salonichi. In diesen beiden Städten sind deren mehr als Hunderttausend, von denen ein Zwanzigstel mehr oder weniger im Wohlstände lebt, und eine sehr kleine Zahl besitzt ein unabhängiges Vermögen. Es ist aber sehr zu beklagen, daß die, welche etwas Gutes thun könnten, die Gleichgiltigsten gegen ihre Brüder sind. Eine einzige Schule in jeder der Städte Smyrna. Salonichi7 Vola und Avrianopel u. s. w. unv dies Dank rer Alliance israälite. In der Hauptstadt bestehen zwei Schulen, aber die i eine gänzlich auf Kosten eines einzigen Hauses, das von Eamondo, 46

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