Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1876)
- Date
- 1876-11-14
- Page
- Seite 740 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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740 gionslehre der Israeliten nach den Lehrbüchern von Herxheimer und Bücinger bearbeitet von Dr. D. Leimbörser, Prediger der Synagogengemeinde Nordhausen". lNorohausen, Carl Forner, 1876.) Es ist dies ein Katechismus in kurzen nüchternen Sätzen nach der hergebrachten Schablone, der immerhin als ein Leitfaden für den Lehrer benutzt werden kann. — „Deutsche Schul-Lieder componirt von L. Lewandowski, Kgl. Musikdirector. Vierte vermehrte und verbesserte Auflage". (Berlin, Poppelauer, 1876.) Das Büchlein (S. 40) ist durchaus empfehlenswerth, da die Texte gut gewählt, und die Melodien frisch und lebendig find, auch die Gesangsfähigkeiten der Schüler angemessen berücksichtigen. Die 2:; Lieder sind sämmtlich von Lewandowski componirt, hingegen die 13 des „Anhangs" von verschiedenen Componisten, zum Theil auch Volkslieder. Was uns wundert, ist, daß außer der „Volkshymne der Preußen" die patriotischen Gesänge, welche gang und gäbe sind, weggelaffen wurden, was uns für den Schulunterricht eine Lücke zu sein scheint. — „Praktisches Uebungsbuch zum Uebersetzen aus der hebräischen Sprache mit Interlinearübersetzung und grammatisch anleitender Worttheilung. Nach ganz neuen Grundsätzen (Typensystem) bearbeitet von Di-. Alex. Kisch, k. k. Landwehrseelsorger, Rabbiner u. Prediger in Brüx." (Erstes Heft. Ausgewählte Gebetstücke. Breslau, 1876, Skntsch.) Das Schriftcben ist durchaus brauchbar. Es enthält zuerst die Hauptgebete in schöner, leicht lesbarer Schrift; alsdann dieselben Gebete mit deutscher Interlinearübersetzung. Außerdem sind hier die Wurzelbuchstaben jedes Wortes mit größern Typen als die Formbuchstaben gedruckt, so daß der Schüler beide unterscheiden und sich die Wurzeln schnell aneignen kann. Wir hätten hierbei nur zweierlei gewünscht, nämlich, daß eine Tabelle der Formbuchstaben mit ihrer Bedeutung hinzugefügt und daß das Princip consequent durchgesührt worden wäre. Denn z. B. das "> des Plurals gehört nicht zur Wurzel, das n des Feminin ebenfalls nicht, sowie das ndes Plur. Fern., welches bisweilen groß, bisweilen klein gedruckt ist. Warum in mTssjTa bas mittlere 72 klein gedruckt ist, wahrend es in crrrari richtig groß gedruckt ist, kann man nicht abfehen. In einer zweiten Auflage, sowie im zweiten Hefte, das die wichtigsten Stücke der Genesis bringen soll, könnte hieraus noch etwas mehr geachtet werden. Praktische Schulmänner werden über diese neue Methode sich schnell ein Urtheil bilden. 5be4/ttLLtcj 6iioccfatxc&teu. Deutschland. Bremen, 27. October. In Nr. 41. d. Ztg. war das ausgezeichnete Schreiben des Herrn Hauptpastors Schmelzkopf an den Vorstand der hiesigen israelitischen Gemeinde bei Gelegenheit ihrer Synagcgenweihe abgedruckt worden. Ter „N. fr. Pr." iheilr man nun aus Bremen daffelbe Schreiben mit und fügt hinzu: „Dieser Brief gelangte, vielleicht etwas indiscret, zur Veröffentlichung in der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums", Leipzig, Nr. 41 vom 10. October d. Ä. Daraufhin aber erhob sich ein gewaltiger Sturm unter den orthodoxen Altlutheranern Bremens, namentlich aber unter den Dunkelmännern des geistlichen Standes, und sollte Pastor Primarius Schmelzkopf, ein ausgezeichneter Kanzelredner, auch als Mann der Wiffenschaft und der Freiheit hochstehend, gezwungen werden, zu widerrufen oder auf sein Amt zu resigniren. Glücklicherweise überwog die freisinnige und verständige Richtung der Bremer Bürgerschaft, und so ist es vorläufig bei cer Drohung geblieben; allein die Flammen züngeln unter der Asche fort. Man sieht, das lutherische Zelotenthum giebt demjenigen anderer Confessionen in nichts nach." (Was zuvörderst den Ausdruck „etwas indiscret" betrifft, so kann derselbe schwerlich auf uns bezogen werden, da uns zur Veröffentlichung das Schreiben zugesandl worden. Aber auch dem Vorstande der israelitischen Gemeinde kann dieser Vorwurf nicht gemacht werden, denn das Schreiben war ein officielles und er sogar verpflichtet, es den Mitgliedern der Gemeinde bekannt zu geben, von denen es wiederum Niemandem untersagt war, es weiterhin bekannt zu machen. Wir bedauern es sehr, daß dem Herrn Pastor Schmelzkopf aus dieser Beranlaffung irgend welche Unannehmlichkeiten entsprungen seien. Da aber dieser ausgezeichnete Kanzelrebner schwerlich bei dieser Gelegenheit zum ersten Male seine freisinnigen und toleranten Ansichten ausgesprochen haben wird, so konnte er dem Schicksal der Verlästerung seitens der Zeloten doch nicht entgehen. In unsren Tagen ist es immer nur eine Frage der Zeit, wann die Gegensätze hervortreten und in den Kampf kommen sollen. Uebrigens war Bremen niemals der Ort, wo fteisinnige kirchliche Meinungen unterdrückt werden konnten. Redaction.) Berlin, 29. October. (Privatmitth.) Wie die Leser längst aus den Berichten über die Wahlen zum Abgeordnetenhause erfahren haben, haben die liberalen Parteien nicht allein keine Einbuße erlitten, sondern einen Zuwachs von 7 Stimmen erlangt, und während die Centrumsparlei ihre frühere Stärke behalten hat, erlebten die Agrarier und die Deutsch-Conservativen eine schwere Niederlage. Ihr Wühlen, ihre Beschuldigungen, ihr anmaßendes Geschrei zugleich mit ihren vielfach 'zweideutigen Programmen halfen ihnen nichts: das Volk verleugnete sie. Dieses wichtige Ergebniß dürfen wir Juden auch unsererseits als einen Sieg ansehen. Nicht weil etwa die in kleinen Gruppen durch den ganzen Staat zerstreuten Juden irgend einen entscheidenden Einfluß auf die Wahlen üben konnten: sondern weil die Ultramontanen, die