Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 46 (14.11.1876)
- Date
- 1876-11-14
- Page
- Seite 739 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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739 schon Laie, die Bemerkung, daß es doch eigenthümlich ist, wenn ein Gesetz eine Bedingung ausstellt, veren Erfüllung gar nicht controlirbar ist. Das Einschieben der Worte „religiöses Bedenken" hatte doch ein religiöses oder sittliches Bedenken bei dem Gesetzgeber Hervorrufen sollen, da es sicherlich in vielen Fallen eine sehr leichte Behandlung des Begriffs „religiöses Bedenken" mit sich führt. — Literarischer Wochenbericht. Bonn, 19. October. Wie immer, hat sich in der jüngsten Zeit eine Anzahl Predigten bei uns angesammelt. Da der Raum verbietet, eine jede einzelne derselben eingehender Kritik zu unterziehen, so halten wir es für unsere Pflicht, ihre Titel hier anzugeben, um so die Aufmerksamkeit des Lesers der einen oder der anderen zuzuwenden. „Mit dem Strome und gegen den Strom schwimmen. Zwei Reden, gehalten am 23. Oct. und 13. Nov- 1875 von Dr. Sam. Spitzer, Oberrabb. zu Effeg." (Preßburg, Kötteritsch, 1875.) — „Mehr Licht! Predigt, gehalten am Jom-Hakkipurim 5635 von Dr. Heinrich Zirndorf, Seminardirector." (Leipzig, Friese, 1876). — „Gottesdienstliche Borträge von H. L. Reich, Rabb. zu Nadas." (Preßburg, Nirschy, 1874.) 1. Neujahrsrede, 2. Bersöhnungsfestrede. Daffelbe von demselben, Oberrabb. zu Wieselbnrg (Wien, Gebr. Winter), enthaltend 4 Predigten. „Daniel, in 7 Kanzelreden für das Neujahrs- und Versöhnungsfest von Dr. M. Deffauer, Rabb. in Köthen." (Breslau, Skutsch, 1875). — „Fruchttragende und fruchtlose Baume, eine Zeitbetrachtung (Predigt) von S." (Wien, Winter, 1875). — Die folgenden Predigten sind Gelegenheitsreden. „Predigt am 2. Sept. 187 6 (Sedan) von Dr. I. Glück, Landrabb." (Oldenburg, Schulze.) — „Zwei Reden zur Einweihung des israelitischen Tempels in Komotau am 14. Sept. 1876 von Dr. S. Maybaum, Rabb. in Saaz." (Komotau, Mandl, 187 6.) — „Unsre Festfreude (Sedan) von Dr. A. Rosen zweig, Rabbiner zu Birnbaum" (Magdeburg, 1876.) — „Worte der Weihe zur Einweihung des neuen Begräbnißplatzes von Dr. Bamberg er" (Königsberg i. Pr., Hausbrand, 1875.) — „Zwei Predigten zur Einweihung der neuen Synagoge zu Braunschweig vom Landrabb. Dr. Herzfeld." (Braunschweig. Häring, 1875.) — „Die irdische Majestät gleicht der himmlischen. Festprevigt am Geburtstage des Kaisers von Dr. Emanuel Schreiber, Rabb. u. Prediger in Elbing." (Elbing, Gaartz, 1876.) — Ferner „Grabreden von Dr. Jaraczewsky", (Erfurt, Brodmann, 187 6), „von Oberrabiner A. A. Wolfs an der Bahre seiner Ehegattin, am 4. Februar 1876." Kopenhagen, Saloman, 1876), „Auf Ferdinand den Gütigen von Rabb. Dr. A. Kisch" (Brüx, Kunz, 187 5), „Denkrede auf Leopold Löw und Eduard Horn von Dr. Julius David am 21. Nov. 1875 zu Preßburg", „Blätter zum ehrenden Andenken an den sel. Abraham Wälder, Stadt- und Bezirksrabbiner für Laupheim - Ulm, am 7. April 1876. Gewidmet von den beiden israelitischen Gemeinden Laupheim und Ulm." (Ulm, Sellmer, 1876.) — Bonn, 20. October. Aus der Schulliteratur haben wir folgende Novitäten zu verzeichnen: „Profesior Dr. M. L e v y' s Biblische Geschichte nach dem Worte der heiligen Schrift der israelitischen Jugend erzählt. Fünfte vielfach verbefferte und zum Theil neu bearbeitete Auflage, herausgegeben Dr. B. Badt, ordentlichem Lehrer am Johannes - Gymnasium zu Breslau. Breslau, H. Skutsch, 1876." Die Veränderungen, welche Herr Badt an dem bewährten Schulbuche vorgenommen, können nur als Berbesierungen angesehen werden. Er hat z. B. die kleinen Liederverse am Schlüße der pentateuchischen Erzählungen weggelasien und dafür paffende Bibelsprüche gestellt; Auszüge aus den Propheten sind weggeblieben, da sie für den Schüler ohne Berständniß bleiben u. dgl. m. — „Lehrbuch der biblischen Geschichte und Literatur von Dr. Moritz Levin, Rabbiner zu Nürnberg, Bieling, 1876." Wie verschieden die Ansichten auf diesem an sich begrenzten Gebiete sind, leuchtet schon aus der Vergleichung des vorhergehenden Schulbuches mit diesem zweiten ein. Jenes entlehnt die Darstellung möglichst überall aus der h. Schrift selbst, dieses richtet das Augenmerk mehr auf die Geschichte als solche und den geschichtlichen Faden, erzählt deshalb auch mehr selbstständig und läßt weg, was nicht gerade zur Geschichte gehört. Wir unsrerseits gestehen offen, daß uns die erste Methode für die biblischen Geschichten, namentlich bis zu den höheren Schulstufen mehr zusagt. Der eigenthümliche Ton, den die Geschichte in den biblischen Erzählungen hat, gehört unzertrennlich zu ihr; es webt darin ein Geist, ohne welchen die Erzählungen ihren eigentlichen Werth verlieren, ja unverständlich werden. Gerade deshalb vermögen wir es auch nicht zu billigen, wenn der Verfaffer erst mit der Berufung Abrahams anfängt, und die Schöpfungsgeschichte u. s. w. für den zweiten Theil aufhebt. Es muß da dem Schüler sonderbar, weil unvermittelt, Vorkommen, wenn er zum Anfang liest: „Gott sprach zu Abraham: Zieh' hinfort u. s. w. Da ging Abraham, wie Gott zu ihm geredet, u. s. w. Als Abraham in die Gegend Sichems kam, da erschien ihm Gott und sprach, u. s. w." Im Widerspruch hiermit steht es, wenn der Verfaffer Auszüge aus den Propheten «inschiebt, was den geschichtlichen Faden, den er festhalten will, unterbricht, während doch die Schüler diese prophetischen Reden nicht recht zu verstehen vermögen. Hiermit wollen wir nicht gesagt haben, daß die Schrift des Dr. Levin nicht in der Hand des tüchtigen Lehrers nützlich wirken werde. Wir meinen nur, daß auf diesem Gebiete eine allzuängstliche Methodik nicht am rechten Platze, sondern die einfachste Lehrweise die füglichste sei. Der Verfaffer gedenkt ein „Lehrbuch der jüdischen Geschichte und Literatur folgen zu laffen. — „Kurzgefaßte Reli-