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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-07 · Heft 45 (7.11.1876) · p. Seite 730

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 45 (7.11.1876)
Date
1876-11-07
Page
Seite 730 (sequence 12)
Language
German
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730 eine Notiz gefunden, die uns auf zwei Jahrhunderte früher hinführt. Edward Davies, der sich viel mit keltischen Forschungen beschäftigt hat, giebt in seiner London 1809 erschienenen Schrift: „Tlie Mythology and Rites of die British Druids“ in Nr. VIII des Appendix ein Geeicht des Barden Taliesin, welches in einem Dialog zwischen einem Ugnach und diesem Taliesin besteht. Dieser Ungnach war ein Mönch, Abt von Caer Seon (Segontiutn), begegnet dem Taliesin auf seinem Roste, wie er von Diganwy, dem Fürstensitze seines Schutzherrn, nach Caer Seon reitet, und ladet ihn ein, bei ihm zu speisen und bis Mittwoch als Gast zu bleiben. Taliesin antwortet: Ban deuaw o Caer Seon, 0 imtat ac itewon, I tau Caer Leu a Gwidion. Daß heißt nach Davies: „Wenn ich zurückkehre von Caer Seon, vom Streiten mit den Juden, will ich kommen nach der Stadt von Leu und Gwidion." — Es ist dies sicherlich eine höchst interessante Stelle. Taliesin war der oberste Bard im sechsten Jahrhundert. Die Religion dieser Barden scheint eine Vermischung christlicher und heidnischer Elemente, in der jedoch die letzteren bei Weitem die Oberhand hatten, gewesen zu sein. Doch auch das Christenthnm in jener Zeit und Gegend war sehr heidnisch gefärbt. Aus dem angeführten Gedichte geht also hervor, daß zwischen den christlichen Mönchen und den heidnischen Barden keine Feindschaft bestand, so daß sie sich gastlich bewirtheten und sich gegenseitig mit Marchaxvc, d. i. „Ritter" anredeten. Der Oberbarde will aber, bevor er die Gastfreundschaft des Abtes annimmt, nach der Stadt Seon ziehen, um „gegen die Juden zu streiten". Als Barde, und wie die ganze Situation zu zeigen scheint, da nicht angedeutet ist, daß Taliesin in irgend welcher Begleitung reitet, es seien denn vielleicht einige untergeordnete Barden, ist hier nicht an ein Streiten mit Schwert und Lanze von ihm gegen die Juden zu denken, sondern an eine Disputation mit Worten, wohl auch in dichterischer Form. Wie dem auch sei: es muffen also im sechsten Jahrhundert in jener Gegend (bei Caernarvon) Juden gewohnt haben, und zwar in solcher Anzahl und solchem Ansehen, daß die Barden sie zu bekämpfen sich bewogen fühlten. Während der Heide und der Christ friedlich mit einander lebten, sahen sie in dem Juden ihren geistigen Gegner. — Dies ist es, was wir aus jener interestanten Stelle zu schließen haben, vorausgesetzt, daß die Authenticität des Gedichtes sicher steht und die Uebersetzung des Davies richtig ist. Wir wünschten, daß ein Sachkundiger jener Sprache und Literatur uns hierüber Austchluß zu geben vermöchte und sich entschlöffe. Ein Mischer Ärzt des dreizehnten Jahrhunderts. Im Jahre 1251 war Graf Alfons v. Poitiers, der Bruder Ludwigs des Heiligen von Frankreich, an einer Ophthalmie erkrankt, die er sich wahrscheinlich auf den glühenden Sandflächen Egyptens bei Gelegenheit des sechsten Kreuzzuges zugezogen hatte. Als die französischen Aerzte nichts gegen die Krankheit vermochten, hörte der Gras von einem jüdischen Heilkünstler sprechen, dessen Ruf groß war in den südlichen Ländern; wie sein Name Ibrahim besagte, stammte er aus dem Lande der Sarazenen, aber er hatte sich in dem christlichen Reiche Aragon niedergelaffen, wo er durch seine Kunst und zugleich durch Handel großen Reichthum erworben. Freilich verboten die Gesetze der heiligen Concilien, dem Bruder des frommen Königs wie jedem Christen, sich an einen jüdischen Arzt zu wenden; freilich war Graf Alfons sonst ein schlimmer Judenfeind: aber in seiner Bedrangniß überwand er seine Verehrung für die Kanones und seinen Abscheu gegen die Hebräer und ließ durch seinen Vasallen, den Herrn v. Lunel, den Juden zu sich entbieten. Doch Doctor Ibrahim war selbstbewußter und edler, als die meisten Juden heul zu Tage. Trotz des schimmernden Lohnes, der ihm winkte, wies er es zurück, dem hochgeborenen Grafen, der seine Glaubensgenossen so übel behandelt hatte, zu dienen. Erft als der v. Lunel ihm zwei Israeliten aus den Ländern Alfons zusandte, die ihn wahrscheinlich gerade im Interesse der dortigen Juden um sein Kommen ersuchten, willigte er ein. Doch so wenig Charlatan war der jüdische Arzt, daß er von vorn herein verkündete: nur dann werde er den Grafen heilen können, wenn dieser noch blau von grün zu unterscheiden und kleine Gegenstände in der Nähe zu erkennen vermöge. Jedenfalls schlug seine Kur an, denn von einer fernern Augenkrankheit des Grafen Alfons verlautet nichts mehr. Aber ebenso wenig wiffen wir von der Belohnung, die dem ebenso wackern wie gelehrten Ibrahim zu Theil geworden wäre. HI. P. (E. Bontaric, Saint-Louis et Alfonse de Poitiers [Paris, 1870] 8. 87.) Vermischtes. Zur Warnung vor der Wanderbettelei. In das Comptoir der Gebrüder Gutmann, Wien, Kantgaffe Nr. 6, kam vorigen Donnerstag ein junger, anständig gekleideter Mann, welcher ein vom 8. d. M. datirtes Empfehlungsschreiben, das die Unterschrift: „l)r. Frankfurter, Rabbiner in Bielitz", trug, überreichte. Der Procurist der Firma, Heinrich Wittmann, ein gebürtiger Bielitzer, ließ den jungen Mann, der sich als Hörer der Rechte gerirte, arretiren, weil er sich sofort die Ueberzeugung verschafft hatte, daß das Empfehlungsschreiben falsch und der Ueberreicher ein Schwindler sein müsse. Br. Frank-

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