Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-11-07 · Heft 45 (7.11.1876) · p. Seite 728

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 45 (7.11.1876)
Date
1876-11-07
Page
Seite 728 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227069-3227115--34889-3304807
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

728 1866 sind noch im frischen Gevächtniß bei Allen. Nicht nur die jüdischen Männer wurden schwer mißhandelt, sondern auch die Frauen und Kinder; ihre Hauser wurden gestürmt, geplündert und zerstört, ihre Tempel geschändet; und erst durch Verkündigung des Belagerungszustandes und Einschreiten des Militärs gelang es, den Gräueln ein Ende zu setzen." l) Pest, 22. October. «Privatmitth.) Bekanntlich hat der vor zwei Jahren verstorbene Anton Fochs den größten Theil seines Vermögens für den Bau eines allgemeinen ungarischen israelitischen Taubstummen - Instituts bestimmt, und die Vollziehung dieser hochherzigen Widmung einem von ihm testamentarisch bestellten Curatorium übertragen. Gestern fand nun das Gleichenfest des Gebäudes, das ein wahrhaft monumentales zu werden verspricht, in Gegenwart zahlreicher Gäste statt. Der Lehrplan für den Unterricht der taubstummen Zöglinge, deren 126 Aufnahme finden können, wird nach dem Muster der hervorragendsten ausländischen Anstalten festgestellt werden. — Die Enthüllungsfeier des Grabmonuments für den verstorbenen Oberrabbiner Leopold Löw in Szegedin fand vorigen Donnerstag mit einer ergreifenden Gedächtnißrede des Herrn llr. W. Bacher statt. Daß an demselben Tage Löw's Bildniß in der Synagoge feierlich enthüllt wurde, wie „Szeg. Hir." berichtet, ist, weil den Anschauungen des Judenthums widersprechend, kaum glaublich. Frankreich. Paris, im October. (Privatmitth.) Sie haben in Nr. 36 d. Bl. in dem Leitartikel „Die Bearbeitung des Talmud" über die beiden von l)r. I. I. M. Rabbinowicz veröffentlichten Schriften „Legislation civile du Talmud iraduite et annotee“ und „Legislation criminelle du Talmud“ berichtet, sowie daß der Autor die Legislation civile vollständig in fünf Bänden herausgeben will. Es sind bereits »2p »22 und »22 druckreif und soll deren Druck beginnen. Herr Rabbinowicz har hierzu bereits einige Unterstützung, welche den Beginn der Drucklegung ermöglichen, erhalten, indem Herr Senator A. Cremieux 560 Frcs., Herr Baron Horace Günzburg 2000 Frcs., Herr A. Horwitz 1000 Frcs., Herr L. Rofenthal 1000 Frcs. und Herr Warszawski 1000 Frcs. subskribirt haben. So hochherzig diese Zeichnungen sind — die französischen und deutschen jüdischen Financiers glänzen durch ihre Abwesenheit — so genügen sie 1) Wir können Obiges bestätigen. Ein uns befreundeter preußischer Stabsarzt, welcher den Feldzug von 1806 mittnachte, wurde zu .in einer sehr anständigen israelitischen Familie einquartirt. Nach einigen Tagen gewahrte er, daß man eine Kiste mit Papieren und Werthsachcn aus einem Versteck herausgeholt batte und fragte seinen Wirtb, ob man sich denn von der preußischen Armee vvrgestellt hätte, daß sie Alles plündern und rauben werde? Der Wirth antwortete ihm, die Kiste sei seit viel längerer Zeit, als der Krieg ausgebrochen» versteckt gewesen, und nicht vor den preußischen Soldaten, sondern vor dem czechischcn Pöbel vergraben worden, der unter dem berüchtigten Ruse: Sribro'. die Juden ausgeplündcrt habe. Redactiou. doch zur Vollendung des Werkes und dem Berfaffer nur eine geringe Entschädigung für seine mühevolle Arbeit zu gewähren, nicht. Es wäre wohl zu wünschen, daß man auch in Deutschland die Aufmerksamkeit auf dieses Werk lenke, welches befähigt ist, volles Licht über die betreffenden Theile des talmudischen Rechts zu verbreiten und vielen Vorurtheilen entgegenzutreten. Auch ist nicht zu übersehen, daß der Berfaffer mit kritischem Scharfsinn manche falsche Auffaffung, welche die Mischna zur Zeit der Kreuzzüge dem damals sehr natürlichen Geiste nach von bedeutenden jüdischen Gelehrten, selbst von Maimonives erfahren, ausgedeckt hat. Ich bemerke, daß man auch auf die einzelnen Bände suskribiren und die beiden erschienenen sogleich erhalten kann, und zwar zu 20 Frcs. für den Band. Der Berfaffer wohnt Paris 63 rue de Seine. Großbritannien. London, im October. Auch dieses Blatt hat den mindest sonderbaren Brief Gladstone's über die Nichttheilnahme der Juden in England an den sogenannten Entrüftungsmeetings gebracht. Die hiesigen Zeitungen haben darüber eine Conttoverfe enthalten. Es ist unter Anderem Gladstone erwidert worden, daß unter mohammedanischer Herrschaft die Lage der Israeliten im Orient immer noch eine beffere ist, als in den dortigen christlichen Halbstaaten. Ein jüdisches Sprichwort im Oriente laute daher: „Es lebt sich besser unter Jsmael als unter Edom." Man kann nur bedauern, daß ein Mann wie Gladstone in so anzüglicher Weise auf die Haltung der hiesigen Juden hinwies, während er der Katholiken nicht gedenkt, die doch dieselbe Haltung einnehmen. Freilich war Gladstone sogar im Jahre 1848 noch ein Gegner der Judenemancipation; und der alte Sauerteig wirkt offenbar sogar nach mehr als einem Bierteljahrhundert bei ihm fori. Rußland. Aus Polen, im October. Bei jeder besonderen Gelegenheit erlebt man es jetzt, daß irgend ein einzelner Jude, sei es nun sich hervorzuthun, sei es aus wirklichem Fanatismus für cie Partei, die er ergriffen, nicht ansteht, alle seine Glaubensgenossen zu compromittiren, indem er Proteste oder Aufrufe erläßt , wobei er zugleich über die Geldbeutel der Juden zu verfügen sich das Recht anmaßt. Bor Kurzem veröffentlichten einige russische Zeitungen den Aufruf eines Juden aus Wilna „an wie Hebräer Rußlands", worin derselbe seine Glaubensgenossen auffordert, ebenfalls für die Slaven beizusteuern, die Interessen rer Slaven zu den eigenen zu machen, damit, wie rer Mann sagt, „unsere älteren Brüder, (?) die Russen, sehen, daß uns Alles das nahe steht, was sie bewegt." Die Vorsteher der hebräischen Gesellschaft werden aufgefordert, eine beständige Sammlung freiwilliger Gaben einzurichten, bis zur Beendigung

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.