Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 45 (7.11.1876)
- Date
- 1876-11-07
- Page
- Seite 724 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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724 derlichen weilereu Modalitäten unv entsprechenden Aeuderungen in der Organisation der Gemeinde bei aüseitigem guten Willen ohne große Schwierigkeit finden laffen. Unter der Voraussetzung, daß Sie aus diesen Gedanken einzugehen gewillet sind, erklären wir uns bereit, auch in mündliche Verhandlung einzutrelen und sehen Ihrer gefälligen Rückäußerung entgegen. Achtungsvoll Der Vorstand der israelitischen Gemeinde. «Der Vorstand spricht in diesem Schreiben die gewiß richtigen Grundsätze aus: Diejenigen, welche aus der Gemeinde austreten, haben, wie schon das Gesetz bestimmt, keinen Antheil au den Gemeindeinstitulen; diejenigen, welche in der Gemeinde verbleiben , aber einer andern gottesdienstlichen Vereinigung angehören, können Len Erlaß des Theiles ihrer Steuern, welcher für den Culrus verwendet wird, fordern. Wir werden nun sehen, wie sich die Petenten der Antwort des Vorstandes gegenüber verhalten. Revaction.) Literarischer Wochenbericht. Bonn. 16. Oktober. Soeben erschien der dritte Theil von: „Heinrich IV. und Philipp III. Die Begründung des französischen Uebergewichts in Europa. 1598—1610. Bon Dr. Martin Philippson, außordentlicher Proseffor der Geschichte an der Universität Bonn. Berlin. Verlag von Franz Duncker. 1876." Mit dem dritten Bande (S. VIII und 500) ist dieses ausführliche unv gründliche Geschichtswerk abgeschloffen, welches erne für die Geschichte Europa's überaus wichtige und entscheidende Periode behandelt, und von der Kritik, namentlich auch der französischen, äußerst günstig ausgenommen worden ist. Der schnelle Niedergang der spanischen Uebermacht und eie Begründung des französischen Uebergewichts in Europa durch den mit eben so großen diplomatischen wie kriegerischen und organisatorischen Talenten begabten Heinrich IV. veränderten wesentlich den Lauf der ferneren Ereigniffe im westlichen und mittleren Europa, und befähigten auch im Besonderen den Protestantismus, den Kamps gegen den von den Habsburgern in Spanien und Oesterreich vertheidigten Katholicismus zu bestehen, und den letzteren nicht wieder zur Alleinherrschaft in Europa kommen zu laffen. Diese große Umwandelung konnte nicht allein aus militärischen und diplomatischen Erfolgen hervorgehen, sondern mußte wesentlich aus dem inneren Verfall Spaniens und aus einer schnellen und kräftigen Hebung der inneren Berhälrniffe Frankreichs bewirkt werden. Dem Verfaffer war es gelungen, sowohl durch fleißige Benutzung aller über diese Periode vorhandenen Druckschriften als auch durch eigene Forschungen in den Archiven zu Paris, Brüffel, Turin, Wien und Berlin, im ersten Theile seines Werkes ein treues und prägnantes Bild der politischen Lage und Vorgänge bis 1605, im zweiten Theile von den inneren Zuständen Spaniens und Frankreichs zu entwerfen unv bietet er nun in diesem dritten Theile eine Schilderung der äußeren Politik der beiden rivalisirenven Mächte während der letzten fünf Lebensjahre Heinrichs IV. bis zu deffen Ermordung (1610.) Ueber keinen neuern Monarchen sind feit langer Zeit so viele Fabeln im Umlauf als über Heinreich IV. Man hat ihm Eigenschaften angedichtet. die er in diesem Maße gar nicht besaß, unv hingegen große Vorzüge ihm nicht zuerkannt, die er in glänzender Weise bethätigt hat. Die französische Kritik hat die Unparteilichkeit des deutschen Geschichtsschreibers rühmend anerkannt. Zur Verdunkelung der Fakten hatten die Mömoiren Sully's, des verdienten Ministers des Königs, beigetragen. In einer Beilage erweist der Verfaffer die unerhörte Lügenhaftigkeit Sully's, der alles Große und Rühmliche sich selbst anvichtele unv den König lediglich von seiner Leitung abhängig fingirte. Dieser dritte Band bietet besonders eine charakteristische Schilderung der damaligen Diplomatie, von der die heutige Vieles lernen könnte. — Dem zweiten Bericht über die Hochschule für die Wiffenschaft des Iuvenlhums in Berlin gehl eine Abhandlung des Lehrers des talmudischen Faches an dieser Anstalt, des Rabb. vr. Lewy voraus: „Ueber einige Fragmente aus cer Mischna des Abba Saul." Wir können diese Arbeit als aus einer umsaffenden Kennrniß der Talmudim und aus einer ebenso scharfsinnigen, wie besonnenen Kritik hervorgegangen, rühmend bezeichnen. Der Verfaffer beherrscht seinen Gegenstand vollständig und geht in seinen Voraussetzungen und Folgerungen nicht weiter als solange er einen sichern Boden unter den Füßen fühlt. Ohne an dieser Stelle in die Details einzugehen, bemerken wir, daß in dieser Abhandlung vorzugsweise das Verhälmiß der einzigen und vollständig erhaltenen Mischna-Sammlung des Rabbi Jehuda Hanasi (etwa 205—215 n. v. Zr. abgeschlossenzu den früheren, immer nur memorirten Mischna - Sammlungen erforscht wird, und zwar besonders zu der des R. Melr unv des Abba Saul, deren Fragmente, soweit es noch möglich, aus den vorhandenen Urkunden herausgesucht werden. Der Verfaffer weift nach, daß Abba Saul jünger als R. Akiba und wahrscheinlich ein Schüler deffelben war, und etwa um 150 n. v. Zr. lebte. Was nun von Abba Saul irgend wo sich erhalten hat, wird zusammengestellt, und charaklerisirl sich derselbe hierdurch als ein Mann von hoher sittlicher Würde und rigoroser Anschauung in halachischer Beziehung. Ist auch das Resultat dieser Untersuchungen nicht von bedeutendem Umfang, so wird ihnen der Sachkundige die Wichtigkeit doch nicht abfprechen. Es handelt sich einerseits darum, die Werkstätte genauer zu erkennen, aus welcher unsre Mischna hervorgegangen, die Art, wie Jehuda bei ihrer Abfaffung gearbeitet hat, andererseits aber, und dies ist noch wichtiger, der Entwickelungsgeschichte der Halacha sorgfältig nachzugehen und die Wege zu erkennen, die in ihr verfolgt wurden. Der Ber-