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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-31 · Heft 44 (31.10.1876) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 44 (31.10.1876)
Date
1876-10-31
Page
Seite 714 (sequence 12)
Language
German
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714 meltcn sich beinahe alle Mitglieder und sprechen ihren Unwillen I Obgleich N., selbst im späten Alter noch, seine leicht erregüber diese.Willkür Kahan's aus. Am meisten aber waren bare Natur bewahrte, sah man ihn in Versammlungen niemals die als Gaste lebenden Juden gegen die Kahanisten (so können heftig werden. Er bewahrte stets eine Gemüthsruhe, welche von wir sie nun fortan nennen) aufgebracht. Biele meldeten sich seinen näheren Bekannten bewundert wurde. Da die Anträge beim Rabbiner in diesen Tagen, um gleichsam ihm ihre Hochdes Präsivirenden keine Opposition fanden, so wurden sie rasch achtung zu beweisen. In den Synagogen, selbst bei dem Chaserledigt und die Versammlung geschlossen. Da bemerkte ein sidim wurde nur von diesem Vorfälle gesprochen, und von allen Kahanist, gleichsam im Privatgesprache, aber sehr laut und ernst, wurde Kahan als der Urheber aller dieser Zwistigkeiten angeklagt. warum eigentlich bei uns Juden nicht das vollständige parlamen- „WLre doch Günzburg hier", hörte man von allen Seiten, tarische Verfahren eingeführt sei. — Es konnte doch bei uns „sie hätten das nicht gewagt". — gleichfalls eine Linke, Rechte und ein Centrum eingeführt werden. Es liegt ein großer Theil Wahrheit darin; aber die Ka- Ein Jeder begriff, wohin diese so unschuldig scheinenden Worte hanisten haben die Anwesenheit eines Mannes in Petersburg zielten, und N. von Heftigkeit hingerissen, entgegnet: „Was Linke, übersehen, dem gegenüber sie sammt ihrem Meister stets nur als! was Rechte; bei uns giebt es keine Parteien, wir sind alle eins, einfache Schüler erschienen. — Bringen Sie in die Gemeinde und unter die Juden nicht Wer in der Handelswelt kennt nicht den Namen Leon Spaltung hinein, die Sie vor dem Allmächtigen einst verant- Rosenthal, diesen Themistccles unserer Börse; aber auch außer- Worten." halb dieser Welt kann der Name Rosenthal's keinem zeitgemäß Dieses Privatgespräch war für Alle der hingeworfene Handgebildeten Israeliten in Rußland fremd geblieben sein.schuh. — In deutlichen, klaren Worten zeigte Rosenthal, daß die Ihm ist ras seltene Glück zu Theil geworden, daß seine außer- Juden der Bildung und Ordnung Thür und Thor geöffnet, daß ordentlichen natürlichen Anlagen — Verstand, Energie und Aus-1 der Rabbiner in den l1/* Jahren die Liebe aller anwesenden Lauer — im Kampfe mit fast unüberwindlichen Hindernisien! Juden sich erworben, trotz den unsäglichen Mühen von Seiten immer mehr gekräftigt wurden, und sein Streben wurde vielfach, I der Kahanisten, sein Ansehen zu verringern und Unordnung zu wenn auch nach vielen bittern Erfahrungen, von Erfolg gekrönt, schaffen. Er zeichnete die Lage der materiellen Mittel der Ge- Sein Wohlthatigkeitssinn kennzeichnet ihn als Israeliten der alten meinre, ihre Bedürfnisse, ihre Zukunft u. s. w. mit so vieler Zeit, und warm schlägt sein Herz für alle Interessen seiner Kenntniß, daß Keiner ihn widerlegen konnte. — Glaubensgenossen. Seine Leistungen für die Juden in Rußland Zum Schluß hielt noch N. eine versöhnende, in die Herzen unter rer Aegive Günzburg's und mit ihm zusammen, gehören I dringende Anrede, und bildete das Thema der Vers rrasr: der künftigen Geschichte der Juden in Rußland — sie sichern I .tan» mbrsm ihm einen bleibenden Namen. — Bei der Berufung N.'s war Aber leider war der „Friede" unmöglich geworden, denn es er nach Günzburg das thätigste Mitglied; auch er erkannte die war auch keine „Wahrheit" mehr zu finden. Nicht lange dauerte Wichtigkeit der Anwesenheit N.'s in der Residenz. — Aber merkdiese anscheinende Ruhe. — Die Kahanisten erholten sich bald würdig genug, auch er sah dem Treiben der Kahanisten ruhig von ihrer Niederlage; da sie aber als Vertreter der vorgeschützten zu, obgleich er längst erkannt hatte, daß sie nicht die allgemeine fanatischen Partei sich nicht mehr geriren konnten und nur das Meinung der Juden vertreten. Die vorerwähnte Versammlung einzige Ziel im Auge hatten, die Macht aus Kahan's Händen rüttelte Rosenthal aus seiner Ruhe auf. — In der Bersrmmnicht entschlüpfen zu lassen, so schlugen sie den Weg der Unauflung der Gesellschaft für Verbreitung der Bildung unter den! richtigkeit ein. — Juden fordert er fast alle Mitglieder für den andern Tag zur! Günzburg kam. — Er wollte den von der Rosenthal'schen allgemeinen Versammlung beim Rabbiner auf. — Alle fanden Versammlung eingeschlagenen Weg verfolgen und ä tour prix sich auch wirklich ein, auch viele andere der angesehensten fremden Ordnung in der Gemeinde schaffen, um mit Hülfe Neumann's Juden erschienen zu dieser Versammlung beim Rabbiner. — Die zu etwas Größerem für das Wohl der Juden zu schreiten. — Kahanisten waren vollzählig — aber sie begingen den Haupt- Wieder wurde Versammlung nach Versammlung abgehalten; fehler. Laß Kahan selber in dieser Versammlung anwesend war. Günzburg und Rosenthal wurden nicht müde, alle möglichen — Niemand von seinem Anhänge konnte sich zu seinem Advo- Winkelzüge anzuhören und zu discutiren. — Man hätte glauben caten aufwerfen; jeder fühlte, daß Kahan zu weit gegangen war können, daß diese Männer nur diese Beschäftigung hätten. — — daher das vollständige Fehlen einer Opposition als vom Aber wozu führte alle diese Arbeit und Anstrengung — kaum Präsidium — (N. präsidirte in dieser Versammlung nicht) — verließ Günzburg seiner Gewohnheit gemäß Petersburg, so wurden die Annullirung der Beschlüsse und der Wahl von der Kahanalle Versammlungsbeschlüsse über den Haufen geworfen, und die scheu Versammlung beantragt, und daß bis zur Ausarbei- Kahanisten, denen Günzburg aus Artigkeit die Verwaltung noch tung eines Statuts alle Bracht in die Hand des Rabbiners gelegt immer überließ, gingen sogar soweit, daß sie dem Rabbiner das wurde. ' Gehalt vorenthielten. Geduldig ertrug der schwergekränkte Mann

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