Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1876)
- Date
- 1876-10-31
- Page
- Seite 711 (sequence 9)
- Language
- German
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711 wort zu handeln: „Auf einen groben Klotz, gehört ein grober Keil." So wurde auch Ihre Antwort an Rebbert in Nr. 40 in mehreren Provinzialblättern abgedruckt, z. B. in der „Westfälischen Provinzial-Zeitung" vom 13. October. Möge die Zeit bald kommen, wo man aller dieser Händel überhoben, und in die gesammte Presse Anstand und Gerechtigkeit zurückgekehrt sein wird. WongrowiH, 16. October. (Privatmitth.) Wie groß der Mangel an geeigneten jüdischen Lehrkräften in hiesiger Gegend ist, davon giebt die dreiclassige jüdische Elementarschule in unserer Nachbarstadt Rogasen einen eclatanten Beweis. Während früher die sämmtlichen Stellen mit jüdischen Lehrern besetzt waren, fungiren heute an der Schule ein jüdischer, ein evangelischer und — um alle Confessionen vertreten zu haben — ein kathol. Lehrer. Letzterer wurde, da die Gemeinde aus pecuniaren Gründen die Stelle lange unbesetzt ließ, von der Königl. Negierung zu Posen gesandt und trotz Sträubens des jüd. Schulvorstandes vom Magistrat in sein Amt eingeführt. Die Resultate einer solchen Anstalt können durchaus keine günstigen sein, da an zwei Tagen in der Woche am Sonnabend und am Sonntag der Unterricht ganz ausfällt, und die jüdischen und christlichen Feiertage streng gehalten werden. Fragen wir nun, woher es kommt, daß die Gemeinde nicht jüdische Lehrer anstellt, so ist die Antwort, weil nur wenige vorhanden und weil die christlichen Lehrer billiger zu beschaffen sind, da auch ihr Lebensunterhalt ein viel billigerer ist. Auch fehlt dem jüdischen Schulvorstande jegliches Interesse für die Schule. Die Hauptsache ist das Cheider, wo das Hebräische noch ganz nach alter Manier gelehrt wird. Nun sollte man meinen, daß es nach der Anstellung des Herrn vr. Pleßner. eines jungen orthodoxen Rabbiners, in dieser Beziehung besser werden wurde, allein es bleibt Alles beim Alten. Es ertheilen nach wie vor ehemalige Schneider und Dorfgeher den hebräischen Unterricht, und nimmt Herr vr. Pleßner gar keinen Anstand mit denselben an einer Schule, welche sich „Religionsschule" nennt, mehrere Stunden wöchentlich zu unterrichten. Welch' günstigere Resultate könnten erzielt werden, wenn statt der christlichen Lehrer jüdische angestellt werden, die zugleich mit als Lehrer an der Religionsschule fungirt hätten! Kein Wunder, wenn die jüdische Jugend eine ganz vernachlässigte ist und man sich eher nach Polen versetzt glaubt, als in eine deutsche Gemeinde. 8p ... . Oesterreich - Ungarn. Wien, im October. (Privatmitth.) Der hiesige „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studirenden" hat seinen 15. Jahresbericht soeben herausgegeben. Es heißt in demselben: „In diesem Vereinsjahre wurden 250 Gesuche vorgelegt, von welchem nach genauer Prüfung bloß 192 berücksichtigt werden konnten. Unter diesen waren 98 Stndirende der Medicin, 45 Hörer der Rechte, 40 Studirende der Technik und 9 Hörer der Philosophie. Dem Baterlande nach waren 3 aus Wien, 87 aus Ungarn, 32 aus Mähren, 31 aus Böhmen, 16 aus Galizien, je 7 aus österr. Schlesien und aus der Bukowina, 5 aus Rumänien, 2 aus Siebenbürgen und je Einer aus Niederöslerreich und Italien." Man kann hieraus zwei Bemerkungen ziehen: zuerst, wie unverhältnißmäßig klein die Zahl der Studenten der philosophischen Faculrär, zu welcher doch auch die Naturwissenscbasren, die Philologie und die jüdische Theologie gehören, gegen die Mediciner, Juristen und Techniker ist. Es giebt dies keinen besonderen Beweis für den in unsrer Jugend herrschenden wissenschaftlichen Geist. Andererseits zeigt es sich, wie wenige Wiener die Hülse des Vereins in Anspruch nehmen, während bis aus wenige Ausnahmen alle Beiträge für den Verein von Wienern herrühren. Wir heben dies immer und immer wieder hervor, um bei den noch immer geringen Mitteln des Vereins endlick die Glaubensgenossen in der Provinz zu bewegen, dem Vereine thatkräftiger zu Hülse zu kommen, dessen Wirksamkeit zum allergrößten Theil für sie bestimmt ist. Die Einnahmen betrugen 3277 fl., worunter 1635 fl. Jahresbeiträge, 1053 fl. Zinsen waren. Von diesen Einnahmen blieb ein Saldo von 766 st. über. Das Bereinsvermögen beläuft sich jetzt auf 18,250 fl. Der Bericht bemerkt: „Die Zahl rer Petenten mehrt sich von Jahr zu Jahr, während der Zustuß an Einnahmen sich leider nicht vergrößert. Die Lage der armen Studirenden verschlimmert sich zusehenrs, dieselben leiden unter dem Einflüsse der bedrängten Zeirverhälinisse, werden von der Theuerung rer Wohnungen und aller Lebensmittel schwer gedrückt, und fühlen dies um so harter, weil die Einkünfte, die sonst der Privatunterricht geboten, theils durch die Einschränkungen in den Familien, theils durch die Vermehrung der öffentlichen und Privaischulen so zu sirgen ganz wegfallen. In solcher für die armen Studirenden unseres Glaubens, unter denen wir alljährlich, zu unserer größten Freude, ausgezeichnete, mit den besten Zeugnissen versehene Studirende finden, wenden wir uns an unsere hochgeehrten Mitglieder mit der Bitte, unserem Vereine, sohin den dürftigen Studirenden unseres Glaubens, weiter ihre Unterstützung freundlichst angederhen zu lassen und uns in unserem Bestreben förderlich zu sein, dem Vereine neue Kräfte und durch dieselben vergrößerte Unterstützungen zuzuführen." Wien, 18. October. Die hiesige jüdische Gemeinde hat einen recht fühlbaren Verlust durch den heute erfolgten Tod ihres vieljahrigen Vorstehers vr. Maximilian Engel erlitten. Er war vor einiger Zeit als Redacteur der „Wiener Zeitung" in