Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 44 (31.10.1876)
- Date
- 1876-10-31
- Page
- Seite 710 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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710 israelitischen Waisenerziehungsanstalt ein Capital von 3000 Mark gespendet. Möge dieses schöne Beispiel dazu beitragen, recht viele Menschenfreunde zu Gaben an diese, ihre segensreiche Wirksamkeit immer mehr ausvehnende Anstalt zu bewegen. Da die Gesuche um Aufnahme von Waisen sich immerfort steigern, so ist ein Wachsrhum der Mittel ein dringendes Bedürfniß und bei der noch schwachen Funcirung des Instituts geradezu unentbehrlich. Die Begründerin und Leiterin desselben, Fräulein Fanny Nathan, ging zwar von Beginn an von dem Grundsätze aus, im Vertrauen auf Gott und gute Menschen müsse die Aufnahme von Waisen in größerer Anzahl erfolgen, als die augenblicklich vorhandenen Mittel zu gestatten scheinen — und dieses Vertrauen hat sie nicht getäuscht. Doch verdankt man diesen Erfolg zum größten Theile der energischen Anstrengung dieser Dame. Bei dem hohen Alter derselben wird es jedoch immer nothwendiger, daß der wohlthätige Sinn unserer Glaubensgenossen ihr mit reicheren Gaben entgegenkomme, namentlich aus den Provinzen Westphrlen und Rheinland, für welche das Waisenhaus vorzugsweise wirkt. Aus Westphalen, 16. October. (Privatmitth.) Sie haben zwar, und man kann es ihnen nicht verdenken, ausgesprochen, sich mit dem Prof. Rebbert nicht weiter beschäftigen zu wollen. Jndeß kann dies doch nicht so streng beobachtet werden, um, wo es gilt, die Lage der Dinge in unsrer Provinz zu charakterisiren, mit Stillschweigen darüber hinwegzugehen, weil jener ehemalige Priesterseminar-Dirigent dabei zu nennen wäre. Das ist sicher, daß so viele und kräftige Schlage auch auf diese Hetzer in der Soutane geführt werden, sie selbst in ihrem Handwerk sich dadurch nicht stören lassen. Aber ebenso gewiß ist es, daß, mögen sie auch bei einigen ihrer blinden Anhänger auf dem Lande Gefühle des Hasses wecken und nähren, sie auf die allgemeinen Verhältnisse keinen Einfluß üben, vielmehr die Stimmung gegen sie selbst sich immer mehr ausbreitet. Dies erregt eben ihre Wuth in immer größerem Maße, aber gerade durch die nnverhalrenen Ausbrüche dieser Wuth wacht in der Bevölkerung auch immer mehr das Bewußtsein auf, daß die Herren Kapläne und Genosien aller Wahrheit und Gerechtigkeit in's Angesicht schlagen, daß ihre Schmähungen und Hetzereien jedes Glaubens unwerth sind und unbeachtet bleiben müssen. Auch wäre es ganz unrichtig, die Gegenwehr gegen diese Wühler, welche nur die Bürger gegen ihre Mitbürger zur bittersten Zwietracht aushetzen, und alle Wohlfahrt des Volkes untergraben wollen, in der Meinung, zu unterlaßen, daß die liberalen Blätter doch nicht in die Kreise dringen, welche von jenen beherrscht werden. Von den großen Zeitungsblättern mag dies zumeist der Fall sein; nicht aber von der Provinzial-, Stadt- und Landpresie. Was in diesen steht, verbreitet sich doch auch unter dem katholischen Volke, und selbst die Antworten und Erwiderungen, welche die ultramontanen Skribenten geben, macht die Leser ihrer Blätter aufmerksam. — So kämpft in dem „Paderborner Kreis-Anzeiger" ein Pseudonym Asl V. auf's Wackerste gegen den Prof. Rebbert und seine Hetzschriften und „die Hetzkapläne des Liborius-Boten". In dem genannten Blatte vom 13. Sept. brandmarkt er die berüchtigten Pamphlete, und zwar in nachdrücklichster, aber unparteiischer Weise, und schließt mit den Worten: „Zum Schluß fügen wir noch hinzu, daß das christliche Volk Ihre Widmung und Enthüllung in dieser neuesten Schrift mit Entrüstung zurückweist, denn wirklich tief zu beklagen wäre ein Volk, daß seine geistige Nahrung aus solchem Schmutzborn schöpfen wollte." — Die von Rebbert in der Wählerversammlung zu Menden vorgetragene Unwahrheit, daß er bei einem Besuche des Redactionszimmers der Kölnischen Zeitung unter den zehn Redakteuren acht Juden getroffen, was eben von der „K. Z." und der „Berliner Volkszeitung" als „Lüge" erwiesen worden, veranlaßt Rebbert sich in Nr. 230 des „Liborius-Boten" zu entschuldigen, und schiebt er einen ungenannten Gewährsmann, der ihm dies erzählt haben solle, vor. Herr Ast senior bleibt ihm in Nr. 81 vom l l.Oct. die Antwort nicht schuldig, er sagt: „Werden Sie dabei nicht sehr lebhaft an den abgefaßten Dieb erinnert, der frischweg erklärt, „ich habe das gestohlene Gut gefunden". — Wer schenkt ihm Glauben, — wer kann es"? Solche Entschuldigung kann Jeder Vorbringen, nachdem er abgefaßt worden ist, und Niemand kann ihr Glauben schenken, so lange nicht wenigstens der Vordermann in der Reihe der Erfinder genannt ist, wobei dann stets noch die Beurtheilung der Glaubhaftigkeit von den besonderen Umständen abhängt, ob der Vormann überhaupt zuverlässig erscheint und sein Unrecht eingesteht; ein bloßer Name einer vielleicht in Amerika weilenden Person würde aber die ganze Entschuldigung sehr hinfällig erscheinen lassen. Ihre Sache ist es, dies klar zu stellen, und bis dahin glauben wir nichts zurücknehmen zu müssen." Rebbert hatte sich auch für einen „Gesperrten" ausgegeben, und da wird ihm dann nachgewiesen, daß er mindestens 3900 Mark fester Einnahmen habe, ohne was er sich durch seine Hetzschriften erwirbt. Herr Asl schließt: „Ein altes deutsches Sprichwort sagt: „Wer lügt, der stiehlt", und will damit sagen: wer lügt, zeigt dadurch einen solch traurigen sittlichen Standpunkt, daß man auch viele andere Schlechtigkeiten von ihm erwarten kann, weil dadurch zunächst constatirt ist, daß er die Bahn des Bösen betreten hat, und daß die ferneren Fortschritte auf dieser Bahn sich jeder Berechnung entziehen, weil sie meistens mit beschleunigter Geschwindigkeit ihrem Ziele zueilen. Wir unsererseits können es nicht Unterlasten, unser tiefes Bedauern auszusprechen, daß die Kirche es nicht zu verhindern vermag, die Dienste solcher Apostel sich aufdringen zu lasten, und kann sie mit gerechtem Schmerz ausrufen: „Herr, bewahre mich vor meinen Freunden, mir meinen Feinden werde ich allein fertig werden." — Ich füge diese Stellen nur an, um auch den entfernteren Lesern der „A. Z. d. I." zu zeigen, daß man in unsrer Provinz nicht unterläßt, den schändlichen Provocationen genügend zu antworten und sich nicht scheuet, nach dem Sprich-