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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-24 · Heft 43 (24.10.1876) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 43 (24.10.1876)
Date
1876-10-24
Page
Seite 696 (sequence 10)
Language
German
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696 Juden nicht vom Handel lebt, sondern dem Handwerkerstande angehört. Die meisten Handwerker in Rumänien sind Juden. Die Verhältnisse für diese haben sich aber hier zu Lande sehr verschlechtert, und aus meinen Beobachtungen im Auslände habe ich ersehen, daß jetzt die Handwerker erster Claffe nicht so gut bezahlt werden, wie die der zweiten Clafse im Auslände. Daher ist gegenwärtig in einer größeren Zahl dieser Handwerker der Wunsch nach Amerika auswandern zu können erwacht, als zu der Zeit, wo der Emigrationsplan im Großen, der in der Conferenz zu Brüffel zu Falle kam, ventilirt wurde. Schreiber dieses war Gegner dieses Planes, kann sich jedoch der Beobachtung nicht entziehen, daß die schlechte Behandlung seitens des Staates und die traurigen Gewerbsverhältniffe in vielen hundert Handwerkern die Auswanderungsluft geweckt hat. Dem Lande selbst würde der Verlust zahlreicher fleißiger Handwerker gewiß fühlbar werden. — Ich habe Obiges der Wahrheit gemäß dargestellt, damit wir nicht, die wir im Inland vom Haß unterdrückt werden, nicht auch im Auslande mit Borunheilen zu kämpfen hätten. Palästina. BoUU, 12. October. (Privatmitth.) Unsre Zeit ist reich an wunderlichen Ausgeburten, deren Werkstätte die Beweglichkeit und Vielseitigkeit des Geistes ebenso wie die grenzenlose Verwirrung aller Verhältniffe ist. Nach einem Berichte in der „National-Zeitung" vom 3. Oct. trägt man sich im Batican mit der Idee, in Palästina die weltliche Macht des Papstes neu zu begründen, d. h. Palästina zu einem neuen Kirchenstaat zu machen. Dieselbe Idee wurde schon 1860 und dann zur Zeit des vaticanrschen Concils 1870 besprochen. Ist sie also ultramonranen Schwärmern nicht ganz fremd, so braucht man sie doch wohl nicht ernstlich zu behandeln, auch nicht, wenn es heißt, daß gegenwärtig mit Oesterreich und der Türkei darüber Verhandlungen eiageleitet seien. Möchten einige europäische Staaten eS auch recht gern sehen, wenn das Papstthum aus Europa nach Asien verpflanzt würde, so liegt dies doch kaum im Interesse des Papstthums selbst, und es giebt andere Mächte genug, welchen eine ausschließliche Herrschaft der katholischen Kirche in Jerusalem nicht Zusagen würde. Denn ausschließlich würde diese ultramontane Herrschaft sofort nach Besitznahme Jerusalems. Den griechischen Kirchen würde ihr Antheil an den für die Christen heiligen Orten entzogen oder äußerst verkümmert, und die Muselmänner aus den ihrigen hinausgeworfen. Bei der Gehässigkeit, welche die ultramontaue Welt gegen die Juden zeigt, wurde diesen im h. Lande das grausamste Schicksal bereitet. Doch, wie gesagt, das Ganze ist nur Phantasterei. Aber selbst eine Phantasie der lllrramontanen bleibt für uns nicht unfühlbar. Vor Kurzem wurde in der europäischen Presse ausgesprengt, jüdische Banquiers wollten der Türkei Palästina abkaufen. Der Eifer, mit welchem die ultramontane Presie sich dieser Erfindung bemächtigte, läßt voraussetzen, daß sie auch die Urheberin derselben gewesen. Dahin gehört auch eine Mittheilung in ftanzösischen Blättern dieser Partei. Es heißt da: „Da die türkische Regierung den Vatican autorisirt hat, die Erbauung eines Hafens in Jaffa, einer Eisenbahn von Jaffa nach Jerusalem und die Gründung katholischer Colonien in Palästina zu patronisiren, so hat die englisch-ftanzösische Gesellschaft von Israeliten, gegründet, um mit der Pforte den Ankauf von Palästina zu verhandeln, gegen die dem römischen Stuhle gemachten Zugeständniffe zu protestiren." Es ist dies Alles nichts als Dunst. sowohl die hier erwähnten Unternehmungen des römischen Stuhls, als auch die englisch-ftanzösische Gesellschaft und der Ankauf Palästinas. Doch selbst das wird benutzt, um die Katholiken gegen die Juden aufzuhetzen, und die letzteren gegen die ersteren in Feindschaft zu zeigen. I e u i l Förchtegott Lebrecht. > Nekrolog. F. Lebrecht wurde geboren in den ersten Jahren unseres Jahrhuilderts zu Memmelsdorf bei Ebern in Unterftanken, in welchem Dorfe sich damals eine israelitische Gemeinde von ca. 40 Familien befand, unter denen das Talmudstudium eifrig gepflegt wurde. Sein ursprünglicher Name war „Schmajah", welchen Namen er später in „Fürchtegott" umwandelte. Seine Eltern lebten in mittelmäßigen Verhältniffen und hatten außer ihm noch drei Söhne und zwei Töchter, von denen der älteste Bruder, Herr Alexander Simon in Hannover, wohl noch am Leben ist. Die Anregung zum Talmudstuvium erhielt er bei fei»«. früh sich offenbarenden ausgezeichneten Fähigkeiten durch den Geist jener Zeit überhaupt, wie insbesondere durch seinen Großvater und seinen Onkel mütterlicherseits, Wolf und Mordechai Nordheimer, welche beide gute Talmuvisten waren und im Orte wohnten. So kam er schon in früher Jugend in die Talmudschule zu Burgpreppach, wo ein namhafter Rabbiner und ein tüchtiger Talmudlehrer, Rabbi Abraham Stein, fungirtew, und von dort nach Fürth, wo er sich nach wenigen Jahren den Namen eines feinen Bachurs erwarb. Ob ihm nun die Art und Weise, wie auf dieser Jeschibah das Studium des Talmuds betrieben wurde, nicht gefallen, oder ob eine andere Ursache zu Grunde lag, er verließ dieselbe in der Absicht, dieses Studium in Prag fortzusetzea. Zu jener Zeit hielt er in seinem Vater-

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