Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 43 (24.10.1876)
- Date
- 1876-10-24
- Page
- Seite 694 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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in Vertretung des Unterrichtsministers, Hofrath Hermann, die Landes-Schulinspectoren Niedergesäß und Prausek, der Bezirks- Schulinspector Hülsenbeck, Herr Director Pablasek vom k. k. Blinden- Institute und andere hervorragende Pädagogen, sowie ein großer Kreis von Damen. Die Prüfung gestaltete sich zu einem interessanten Schauspiele, an welchem alle Anwesenden den lebhaftesten Antheil nahmen, besonders da die Leistungen der Zöglinge als erfreuliche Erscheinungen einer neuen, vom Herrn Director Heller eingeschlagenen Richtung in der Blinden-Pädagogik zu betrachten sind. Hierzu gehören besonders: das Modelliren in Thon, das Zeichnen von Landkarten und geometrischen Formen, der Unterricht in der Botanik nach lebenden Pflanzen, das Nahen auf der Nähmaschine und das Rouleaux.Weben. Die Erzeugnisse der Werkstätte, sowie die weiblichen Handarbeiten wurden eifrig gekauft. Zöglinge, die aus eigene Rechnung arbeiten, haben ganz beträchtliche Summen erspart, der tüchtigste 180 fl. 34 kr. Der Präsident, Herr vr. L. A. Frankl, richtete, nachdem die Prüfung mit der Volkshymne geschloffen worden war, freundliche Worte an die Zöglinge, und theilte mit, daß das Institut auf der Brüsseler Ausstellung mit der silbernen Medaille ausgezeichnet worden ist. (Der obige der „N. fr. Pr." entnommene Bericht bezeugt Resultate dieser jungen Blinden-Lehranstalt, welche in hohem Grade überraschen und die uns berechtigen, Herrn vr. Ludwig August Frankl, dem Begründer dieser Anstalt, unsre herzlichen Glückwünsche auszusprechen. In der That kann die jüdische Cultusgemeinde zu Wien auf ihre Taubstummen- und Blinden-Institute stolz sein, da sie beide mustergiltige Anstalten sind und innerhalb ihrer Specialfächer einen hohen Rang einnehmen.) Prag, 13. October. (Privatmitth.) Soeben ist hier eine Uebersetzung der bekannten Broschüre des Redacteurs Vieser Zeitung: „Haben wirklich die Juden Iesum gekreuzigt?" in czechischer Sprache erschienen, und von der czechischen Presse sehr freundlich ausgenommen und in eingehender Weise besprochen worden. Die Uebersetzung ist von Herrn Ludwig Fischl verfaßt. Bei Uebersenduug eines Exemplars laßt sich Herr Fischl folgendermaßen aus: „Als Jude und Böhme, sowie als Publicist hielt ich es für meine Pflicht, diese Schrift zu übersetzen. Es dürften in keinem Lande die religiösen Gegensätze so scharf hervortreten als eben in meinem Vaterlande Böhmen; denn zu den religiösen Differenzen treten politische Motive hinzu, die nicht darnach angethan sind, ersteren ihre Schärfe zu nehmen. Die Juden in Böhmen gehen nämlich von dem unbedingt falschen Grundsätze aus, daß sie die Avantgarde der Deutschen in Böhmen bilden müffen. In Folge deffen hat sich zwischen den Juden und Böhmen eine Gehässigkeit eingestellt, welche die schlimmsten Erwartungen rege macht. Ich halte es für meine Pflicht als Jude und böhmischer Publicist, meine Glaubensgenossen auf den falschen Pfad, den re eingeschlagen, aufmerksam zu machen und die Gegensätze so viel als möglich auszugleichen. Ew. Hochwürven Schrift schien mir zu diesem Zwecke vorzüglich geeignet." —. Wir müffen gestehen, daß uns diese offene Erklärung gegen die deutsche Richtung unsrer Glaubensgenossen in Böhmen in mehrfacher Beziehung auffällig ist. Wir würden Herrn Ludwig Fischl verpflichtet sein, wenn er die Argumente, auf welche er sich zu Gunsten einer solchen Erklärung stützen zu können vermeint, bündig und objectiv auseinandersetzen wollte. Es versteht sich, daß wir hiermit auch nicht im Entferntesten beabsichtigen, unsre Spalten irgend einem bittern Parteikampse politischer Natur zu öffnen. Aber die Unparteilichkeit, sowie die Würdigung der Wichtigkeit dieser Frage erfordert, daß die Gründe und Gegengründe gekannt und erwogen werden. Revaction. Mährisch-Ostrau, im Sept. Bon hier schreibt man in Bezug auf die Mittheilung in Nr. 42, daß viele Kinder israel. Confefsion ihre Geburtsscheine, um in die Mittelschule ausgenommen zu werden, nicht beibringen könnten. Die mangelhafte Evidenzhaltung der Israeliten in Oesterreich liegt nicht allein den Eltern zur Last, sondern vielmehr unseren legislativen Körperschaften. Das Gesetz über jüv. Matrikelnführung besteht noch seit dem vorigen Jahrhundert. Im Jahre 1846 wurden einige Modificationen an demselben vorgenommen, sei jener Zeit jedoch wurde daran nichts mehr geändert. Schreiber dieser Zeilen, als Rath der Mährisch -Ostrauer Culmsgemeinde, ist mit dem unbesoldeten Ehreuamte eines Matrikelnführers bettaM worden. Wir verlautbarten an geeignetem Orte, Ellern und Vormünder mögen ihre Kinder, selbst auch älter geborne, die noch nie immatrikulirt worden sind, in die hiesige israelitische Matrik eintragen lassen. Da kamen Eltern, um Kinder eintragen zu lassen, die acht, zehn, zwölf, fünfzehn, ja sogar zwanzig Jahre alt waren. Solchen Verhältnissen gegenüber scheint es Pflicht der gesetzgebenden Organe, auf dem Gebiete der Matrikelnführung eine Reform herbeizuführen. Jusolange man aber nicht eine Bestimmung trifft, nach welcher das Kind, sobald es geboren ist, zuerst als Staatsbürger und dann erst als confessionelles Gemeinbemitglied immatrikulirt wird, kann die Evivenzhaltung nur eine mangelhafte sein. B. Schwarz, beeideter Matrikelnführer., Frankreich. Paris, 16. Oct. In den letzten Tagen war hier einArbeitercongreß versammelt, der sich vortheilhaft von gleichen Versammlungen aus demselben Stande nicht nur durch parlamentarische Ruhe und Ordnung auszeichnete, sondern auch dadurch, daß auf demselben nur ganz reale Gegenstände verhandelt wurden. Wiederholt wurden von den Vorsitzenden und Mitgliedern der Versammlung Cr 6mieux als Derjenige gerühmt, welcher'sich um die Ermöglichung