Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 42 (17.10.1876)
- Date
- 1876-10-17
- Page
- Seite 681 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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681 klärten sich für Annahme der Verfassung. So ist denn Collorado I Candidaten gewählt und die Majorität des Gesetzgebenden Körals Staat eingetreten, und nach den neuesten Nachrichten wurden pers von Collorado ist republikanisch. Geschieht dies in einem bei den eben stallgehabten Wahlen sowohl für die Staatsamter,! Staate, wo die ungeheure Mehrheit katholisch ist, so hat man wie für den Congreß, die republikanischen (v. h. die liberalen) sich in anderen nichts zu fürchten. Jeuillelon. Dr. Mraham Neumanu. Eine Lebensskizze. (Fortsetzung.) l) Petersburg, im September 1876. III. Petersburg. Die Leser werden entschuldigen, wenn ich erst jetzt im Stande bin, den Schluß dieser Lebensskizze vorzulegen. Wir haben Neumann bei der Uebersiedelung von Riga nach Petersburg, also mit dem Beginn seiner dritten Lebensperiode, verlaßen. „So lange die Weltordnung andauern wird, so lange ist auch die Dauer Israels und der einzig wahren Lehre Gottes in ihm und mit ihm", sind Neumann's Worte, die er oft genug aus der Kanzel gesprochen und in Privatunterhaltungen wiederholt hat. Dieser Glaubenssatz wurde später sein Lieblingsthema — die Geschichte Israels, unser ganzes Sein, lieferten ihm Stoff genug, die Unumstößlichkeit dieses Satzes darzuthun. Es war daher natürlich, daß er die Erhaltung des Judenthums bei den jüdischen Soldaten nur als eine Folge dieser Verheißung betrachtete. Und wie sollte auch diese Erscheinung anders erklärt werden, wenn man bedenkt, in welchem Alter der jüdische Soldat dem Schoße der Seinen entzogen wurde und welchen Versuchungen er während seiner 25jährigen Dienstzeit hat widerstehen muffen, um dem Glauben seiner Vater treu zu bleiben. Aber nicht allein treu dem Glauben Israels, sondern auch würdig dieses Glaubens findet Reumann die meisten jüdischen Soldaten. Sie ahmen nicht dem Beispiele der andern entlaffenen Soldaten nach, die außer dem Dienste zu keiner bürgerlichen Beschäftigung weiter Lust zeigen, noch Befähigung haben. — Er findet die emeritirten jüdischen Soldaten zu den fleißigsten und arbeitsamsten Bürgern gehörend, mit Handwerk und Handel beschäftigt, und — der Segen Gottes blieb nicht aus — die meisten in einem Zustande von Wohlhabenheit.... Kehrte Reumann in die Familie der Soldaten ein, — er hatte als Rabbiner oft Gelegenheit dazu — so hauchte ihm ein echt jüdisch-patriarchalischer Geist entgegen. Aber das Leben in der Residenz wirkte auf die Erziehung der Jugend. — Die Kinder der Soldaten, obgleich untereinander den Jargon sprechend, verstehen die russische 1) S. Nr. 13. 14. 15. 18. Wir bemerken, daß sich in die Ueberschrift durch die genannten Nummern der Jrrthum „S. Neumann" statt A. N." eingeschlichen hat. Sprache gewiß nicht schlechter als die Nationalrussen. Dazu aber ist ihnen die deutsche Sprache nicht fremd, und lieben sie dieselbe als Umgangssprache mit den Deutschen zu sprechen. Bei den Meisten findet man die Bibel und Gebete in der deutschen Sprache. — Die meisten Frauen sind aus den Ostseeprovinzen und somit ganz der deutschen Sprache kundig. Das Residenzleben trug noch dazu bei, daß die Sitten dieser Jugend geschmeidiger und angenehmer wurden. Viele Soldatenkinder hatten Unterricht in den öffentlichen Schulen genoffen. Auch die Musik blieb ihnen nicht fremd .... Voller Freude war daher N.'s Herz jedesmal, wenn er sich im Kreise der jüdischen Soldaten und deren Kinder befand. „Israel geht nicht unter, denn Gottes Geist und sein Wort ist mit ihm und in ihm." — Diesen Soldaten wandte er sich daher ganz zu; es trieb ihn an, ihnen überall zu nützen und zu Helsen. Und die jüdischen Soldaten erwiderten die Liebe und Achtung N.'s mit einer treuen Ergebenheit, die über das Grab hinaus noch andauert. Leider war die Anzahl der emeritirten Soldaten in Petersburg eine sehr kleine (15 bis 20 Familien). — Zur Zeit der Berufung N.'s besaßen nämlich nur diejenigen jüdischen Soldaten das wirkliche Domicilrecht für ganz Rußland, welche in der Garde gebient haben. Noch kleiner war die Anzahl cer von der srühern Regierung hier durch besondere Berücksichtigung lebenden Familien, welche meist aus den Ostseeprovinzen stammen. Der Erlaß von 1859, daß die Juden, welche 5 Jahre zur 1. Gilde gesteuert, das Niederlafsungsrecht überall haben, zog noch sehr Wenige nach der Residenz (8 Kaufleute), und die meisten ohne Familie, so daß sie sich selber gar nicht zur Petersburger Gemeinde gehörend rechneten. Von diesen Wenigen, die einzig dazu berechtigt waren, sich als Petersburger Einwohner zu bettachten, wird N. als Rabbiner berufen, und soll eine Gemeinde verlaßen, die er, so zu sagen, sich selber groß gezogen hat. — Zwar waren die erwähnten wenigen Familien -ins b'ss cbis hoch erfreut, N. als ihren Rabbiner begrüßen zu können; aber viele von ihren riethen ihm in seinem eigenen Interesse ab, nach Petersburg zu kommen, wo weder von Gemeindewefen, noch Synagoge die Rede sein konnte, und bei der Begründung derselben er auf große Hindernisse stoßen könnte. Aber sonderbar genug — dieser Charakter, der sonst gewöhnt war, zaudernd und vorsichtig jeden Schritt nach allen Seiten hin abzuwägen, ent- 42*