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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-17 · Heft 42 (17.10.1876) · p. Seite 676

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 42 (17.10.1876)
Date
1876-10-17
Page
Seite 676 (sequence 6)
Language
German
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676 Ueberschmierung der Epigraphen mir Galläpfeltinctur, wodurch die Unrerscheivung jüngerer und älterer Bestandrheile der Schrift unmöglich gemacht werden sollte, die sonst nachweisbare Jugend der MSS., worin sie angebracht sind, rer Styl dieser Epigraphen und die Verwendung gewisier Ausdrücke und Abbreviaturen in denselben (namentlich in den Eulogien), welche in der jüdischen Literatur erst später nachweisbar sind, endlich besonders auch die geschichtlichen Verstöße in Handhabung Krim'scher Orts- und anderer Flamen. Als Zweck der Fälschung stellt sich heraus weniger „das Bestreben, den Handschriften durch vorgebliches Alter höheren Verkaufswerlh zu verleihen", als vielmehr gegenüber vom Rabbinismus den im 8. Jahrhundert hervorgelretenen Karäismuö, zu dem er sich selbst bekannte, zu verherrlichen und denselben vermittelst dieser Jn-Beischriften als das alte unverfälschte Judenthum zu erweisen, welches sich unberührt von den späteren talmudifchen Satzungen seit Cambyses Zeit auf der Taurifchen Halbinsel in seiner reinen Urgestalt erhallen habe, bis es im 10. Jahrhundert rabbanitischen Sendlingen aus Jerusalem gelungen sei, einen Theil seiner Krim'schen Glaubensbrüder zum Talmudismus zu bekehren." Das angeblich Document, aus welchem diese Jerusalem-Sendung hervorgehen soll und an veffen Echtheit außer Chwolson auch Grätz (Gesch. d. Jud. Bd. 5, S. 345. 557) glaubte, ist ebenfalls von Firkowitsch fabrizirt (S. 101. 108. 181 des Catal.). Noch weitere Beweise für die Fälschungen auch der Grabinschriften, wird eine besondere, schon in Aussicht gestellte Schrift Harkavy's bringen. Trotz alledem aber bleibt in dieser Hanvschriftenmasie noch eine ziemliche Zahl von Epigraphen übrig, gegen welche kein Verdacht vorliegt und welche des Lehrreichen mancherlei enthalten. In den Text der Handschriften selbst scheint Firkowitsch's Hand nicht viel eingegriffen zu haben: bis jetzt sind Fälschungen nur in wenigen Stellen (Gen. 22, 13. Ex. 13, 13. 34, 20. Jud. 18, 30. 20, 33. 2 Reg. 23, 9. Jes. 19, 18. Ob. 20. Zach. 14, 5) nachgewiefen und auch hier nur in einzelnen Codices. S&eituit^j 6U/<xcfetxcßteU'. Deutschland. Berlin, 5. October. (Privatmitth.) Wenn Sie in Nr. 39 die Behauptung des Herrn Klein bestritten, daß „alle freisinnigen Männer" den Religionsunterricht gänzlich aus der Schule entfernt haben wollen, so führe ich heule aus der „Nationalliberalen Correspondenz" eine desfallsige Stelle an. Ein Organ der Fortschrittspartei behauptet nämlich, daß l>r. Falk auf demselben Standpunkte wie fein Vorgänger stehe, Herr v. Mühler. Es meint damit, daß llr. Falk den confefsionellen Religionsunterricht nicht aus der Schule verbannen wolle. Die „Nationalliberale Correspondenz" sagt nun: „Damit aber will Herr Falk nur, was die unendliche Majorität des deutschen Volkes will. Wer den Liberalismus bei dem gesammten deutschen Mittelstände ruiniren und den Ultramontanen und Lutheranern in ihrem Bestreben, die Herrschaft über die Schule wieder zu gewinnen, den sichern Sieg verschaffen will, der möge sich in der Schulfrage nur dem politischen Radikalismus anschließen, welcher die Schule nach dem holländischen Beispiel umformen und die religiös-sittliche Seite daraus entfernen will." Die Heißsporne Der berliner Fortschrittspartei dürften, wenn die Frage im Landtage zur Abstimmung käme, wohl nur eine geringe Quote der eigenen Fracrion auf ihrer Seite haben und sich mit der Zustimmung der Socialdemokraten begnügen müssen, fügt die „Köln. Zeitg." hinzu. Jedenfalls geht für uns daraus hervor, daß wir in dem Entwurf eines Unterrichtsgesetzes die Beibehaltung des confessionellen Religionsunterrichtes vorauszusetzen, und uns darauf einzurichten haben. Breölau, 5. October. (Privatmitth.) Es ist doch der Beachtung werth, daß jedes Jahr, vor oder nach dem NeujahrSunb Versöhnungsfefle in irgend welchen öffentlichen Blättern ein gehässiger Artikel gegen diese Institution des Judenthums erscheint. Tie Urheber sind entweder Religionsfeinde oder speciell Gegner des Judemhums. Hiermit ist nicht gesagt, daß die Verfasser immer Christen seien. Unter den ersteren, den Religionsfeinden, giebt es jetzt leider Juden genug, meist unbefähigle Literaten, Jünglinge, die aus Osten eingewandert sind, eine gründliche Bildung nicht erlangt, dafür die Religion verloren und „ihre Carriöre gänzlich verfehlt haben." Das Product eines solchen traurigen Geistes erinnern wir uns, vor einem Jahre in der „N. fr. Pr." gelesen zu haben. Es war das Erzeugnis des frivolsten, cynischen Sinnes und viel geschmackloser als die Gebräuche der Chassidim, denen wahrscheinlich der Skribler früher angehört hatte. Zu den Gegnern des Jurenthums gehören bekanntlich viele getaufte Juden. Wir sagen viele, nicht alle; denn einem großen Theile derselben ist die Religion ganz gleichgültig; einige haben sich eine gewisse Pietät für ihre väterliche Religion bewahrt. Aber es giebt auch unter den getauften Juden eine Classe, welche sich einbildet, daß sie die eigentlichen Christen seien, und das Heil der Welt nur von ihnen ausgehe. Ein solcher nun übernahm es in diesem Jahre, „den Langen Tag" in der hier erscheinenden „Schlesischen Presse" vom 28. September, also gerade am Versöhnungstage, zu bekritteln. Der Mann vermeidet jeden Spott, jede eigentliche Feindseligkeit, und sucht nur mit allem Ernste die Geschichte dieses Festes zu eruiren. Die Hauptsache aber ist, daß er den Jom-Kippur als eine blos priesterliche Einrichtung dar-

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