Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1876)
- Date
- 1876-10-10
- Page
- Seite 667 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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667 blieb also in der Andeutung, im Symbolischen stecken; ein wirkliches Wiedergeben der Naturumgebung erschien unnöthig. Die monotheistische Weltanschauung entfernte diese einzelnen Göttererscheinungen aus der Natur, aber sie verleiht der Natur dafür ein höheres Leben, weil sie dieselbe als Abdruck des göttlich schaffenden Geistes ansieht." Der Beispiele, welche Kinkel hier anführt oder auch nur auf sie hinweist, der Beispiele, wo in den Büchern der heiligen Schrift die Landschaft wesentlich zum Charakter des Vorgangs gehört und den letzteren zum Theil motivirt, sind noch gar viele, nur daß die Zeichnung im Lapidarstile geschieht, während der moderne Dichter und Geschichtsschreiber sich in weitläufigen Schilderungen ergeht. Führen wir noch einige an. Ergreifend ist die Scene 1 Mos. 32, 23 ff., wo Jakob, bangend vor Gewaltthaten seines Bruders in der Nacht sich erhebt, mit seinen Frauen und Kindern über die Furth des Jabbok setzt, sie voranseavet, und allein bleibt bis die Morgenröthe aufgeht; da gesellt sich zu ihm ein Mann, ein Wesen höherer Art, der mit ihm rang als die Morgenröthe anbrach. Die Sonne ging auf, und er ging hinkend vorüber vor Penihel. Wie wesentlich greift die Landschaft voll erhabenen Charakters in die Ereigniffe am Sinai ein, wo Moses auf der einsammen Trift der Wüste die Heerde weidend, an dem aufragenden Horeb den Dornstrauch aufflaormen sieht, noch mehr aber bei der Verkündigung der Zehnworte inmitten der Berge, Thäler und Wüsten, der flammende, rauchende, wankende Sinai, während die Thäler ringsum vom bebenden Volke angefüllt sind; endlich wie Moses vom Berge herabsteigend, die Israeliten in der Niederung um das goldene Kalb tanzen sieht und im Zorne die steinernen Tafeln am Felsen zertrümmert. Das Buch der Richter und die beiden Bücher Samuelis enthalten eine Fülle solcher landschaftlichen Scenen, namentlich aus dem Leben Simsons und Davids. Von den späteru Büchern wollen wir nur des Hohenliedes gedenken. Ziehen wir nur einige Verse aus dem zweiten Capitel an: „Stimme meines Freundes! Siehe da kommt er, Ueber die Berge hüpfend, über die Hügel springend! Mein Freund gleichet dem Hirsche oder dem Jungen der Rehe; Siehe, da steht er hinter der Mauer, Blickt durch die Fenster, schaut durch die Gitter!" und: „Siehe, vorüber ist der Winter, Dahin der Regen, verzog sich. Die Blumen zeigen sich am Boden, Es nahet des Gesanges Zeit, Der Turtelruf laßt hören sich auf unsrer Flur; Der Feigenbaum würzt seine Knospe schon. Die Reben blüh'n und duften; Auf, meine Traute, meine Holde, komm doch! Meine Taube in den Felsenriffen, in der Klippe Schlucht, Laß' mich seh'n Dein Angesicht, Laß' mich hören Deine Stimme, Deine Stimme ist so süß, Dein Angesicht so lieblich!" Noch reicher wird dieser Schatz, wenn wir auf die zahllosen Bilder und Gleichnisie sehen, welche bei den Propheten und h. Sängern der Natur, besonders der Landschaft entlehnt werden (z. B. schon im ersten Psalm): so wird man erkennen, wie innig die alten Israeliten mit der Natur lebten, deren Herrlichkeit sie als das Schöpfungswerk Gottes mit Geist und Herz umfaßten. Die Juden in Arabien. Wir haben schon öfter Veranlaffung gehabt, auf die Wichtigkeit der Juden in Arabien hinzuweisen, die schon in vormohammedanischer Zeit ein bedeutendes Culturelement in Arabien bildeten, selbst nicht geringe arabische Dichter unter sich zählten und dem Islam die Ursprungsstatte gaben. Arabien selbst, obschon ein der civilisirten Welt so nahes und mit ihr in Beziehung stehendes Land, ist noch vielfach unbekannt oder doch nur wenig erforscht. Notizen aus ihm, welche unsre dortigen Glaubensgenossen betreffen, sind uns daher stets willkommen. Im vorigen Jahre erschien ein sehr gründliches Werk von Albrechr Zehme (Halle, Waisenhaus, 1875): Arabien und die Araber seit IVO Jahren. Eine ausführliche Besprechung in den „Göttingischen gelehrten Anzeigen" vom 9. Februar giebt uns aus jenem folgende Bemerkungen: „Daß die Juden in Südarabien sehr zahlreich und demgemäß auch einflußreich waren, ist hinlänglich bezeugt; i) aber auch bis auf den heutigen Tag finden sich daselbst, trotz der großen Drangsale und Erniedrigungen, die sie von den Mohammedanern erdulden müssen, fast in allen Städten und Dörfern zahlreiche Judengemeinden, besonders in Sanca. Sie sollen dort früher vierzehn Synagogen gehabt haben, die jetzt alle, bis auf zwei, zerstört sind. Cruttenden schätzt ihre Anzahl noch auf etwa 3000. Ich habe selbst im Jahre 1872 in Aden mehrere Juden gesprochen, die kurz zuvor aus Sanca gekommen waren, da, wie es scheint, die Äudencolonien in Süvarabien sich immer mehr nach dieser britischen Besitzung hinziehen, wo sie volle bürgerliche und religiöse Freiheit genießen. -) Diese südarabischen Juden sind auf den ersten Blick unter dem chaotischen Völkergemenge, das sich in Aden herumtreibt, zu erkennen. Es sind meist schlanke, aber magere Gestalten, mit einem ausgeprägten Judentypus; ihre Gesichtsfarbe ist ebenso olivenbraun, t) Der Reisende Halevy fand in Südarabien überall jüd. Niederlassungen, und wurde durch sie in seinem Fortkommen durch das sonst ungastliche Land sehr gefördert. Revaction. 2) Die Inden in Aden sind sehr arm und erhalten sich meist als Tagelöhner, namentlich als Maurer. Redaetivn.