Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 41 (10.10.1876)
- Date
- 1876-10-10
- Page
- Seite 663 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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663 Türkei. Rustschuk, im Septbr. Bei dem Interesse, welches die nördlichen Provinzen der europäischen Türkei jetzt einflößen, wird man eine Notiz über die jüdische Bevölkerung gern lesen. Sie beträgt im Gouvernement der Donau: In den Städten an der Donau: Widdin. 400 Familien 2000 Seelen Lom-Palamka . .80 400 - Nicopolis. . . .35 175 - Sistov. . . . .15 - 75 Rustschuk. . . .500 2500 Silistria . . . .70 350 - Tultscha . . .150 750 - KustendgiL (am schwarzen Meere) 30 - 150 - In den Städten an der Eisenbahn von Varna nach Rustschuk: Rasgrad . . 150 Seelen Schmula . . .200 1000 Pravadi . . .46 230 - Varna . . 225 Zusammen: 1610 Familien 8905 Seelen. Italien. Aus Oberitalieu, 24. Sept. «Privatmitth.) 2m Verlaufe dieses Monates haben die Repräsentanten der Jsraeliten- Gemeivde zu Rom, sowie die Direction des „Bessillo" an das Ministerium des Aeußern Eingaben gerichtet, um dasselbe zu ersuchen, daß die italienische Regierung zum Schutze ihrer israelitischen Bürger und der in der Constitutionscharte allen italienischen Bürgern gewährleisteten Rechtsgleichheit bei dem Abschlüsse des mit der Regierung der Donaufürstenthümer in Verhandlung .begriffenen Handelstractates, darauf bestehen möge, keine die Rechte der israelitischen Italiener beschränkende Clauseln aufzunehmen. Das „Bessillo" und die Gazzetta d'Jlaüa bringen auch die Anwortschreiben des Ministers mit der Versicherung, daß die Gewährung eines solchen Ansuchens wohl selbstverständlich ist, und daß er alles Mögliche aufbieten wolle, um die Ansicht der Regierung und dieForderung der Gerechtigkeit und Humanität in dieser Beziehung durchzusetzen. Amerika. Baltimore, 31. August. (Privatmitth.) Wir haben Ihnen schon früher mitgetheilt, daß die hier erscheinende „Katholische Volkszeitung" es sich zur Aufgabe gestellt, alle die Gehässigkeiten gegen die Juden auch über den Ocean zu verpflanzen, welche die europäischen ultramontanen Blätter und Blättchen täglich ausspeien. Sie thut dies mit außerordentlicher Zähigkeit. Daß sie nichts Neues darin zu leisten vermag, versteht sich von selbst. Ihr geben die anderen in den Vereinigten Staaten erscheinenden Jesuitenblätter, namentlich die „Columbia" in Cleveland das Geleite, und suchen es ihr noch an Cynismus und Frechheit zuvorzuthun, was ihnen jedoch nur selten gelingt. In der jüngsten Nummer der „K. V." fragt sie die Juden, ob sie denn die Verfolgungsgeschichte der früheren Jahrhunderte gar nicht kennten; was früher geschehen, könnte doch wieder geschehen. Dies ist ein offenes Geständniß dessen, wonach diese Vertheidiger der Religion der Liebe (!) in ihren entarteten Herzen gelüsten, wonach sie sich sehnen und was sie vollsühren würden, wenn sie die Macht hätten, die sie glücklicher Weise in keinem Theile der Welt mehr besitzen, selbst da nicht, wo ihr Einfluß noch ungebrochen ist oder zeitweise sich aufgerafft Hai. Daß ihre eigene Geschichte voll Henkerbeile und Scheiterhaufen ist, wissen sie recht gut, schämen sich dessen auch nicht, sondern wollen sie nur erneuern. — Doch dies ist es eigentlich nicht, worüber ich Ihnen heute Mittheilung machen wollte, vielmehr eine Erscheinung, die noch viel eigenthümlicherer Art ist. Ich will sie mit den Worten kennzeichnen, welche das heutige Blatt des „Täglichen Baltimore Weckers" in einem für uns sehr wohlwollenden Artikel gebraucht und bemerke nur vorher, was den Lesern nicht unbekannt sein wird, daß in den Bereinigten Staaten die reaktionäre Partei die „demokratische", die liberale die „republikanische" heißt, und daß es sich jetzt um die Präsidentenwahl handelt. Der „Wecker" sagt nun: „Die hiesige „Katholische Volkszeitung" hat sich wieder einmal bemüßigt gesehen, in ihrer letzten Nummer ihrem Hasse und ihrer Rache gegen das Judenthum Ausdruck zu verleihen. Dies ist zwar schon das so und so vielte Mal, aber obwohl wir auf alle früheren derartigen Ergüsse verachtungsvoll geschwiegen haben, so halten wir uns doch jetzt nicht allein dafür berechtigt, sondern sogar verpflichtet, das israelitische Volk, das, wie wir wissen, in diesem wie in vielen anderen Staaten fast in seiner Mehrheit mit der demokratischen Partei, also Hand in Hand mit seinen glühendsten Feinden, den Katholiken, gehr, darauf aufmerksam zu machen, was mit dem schließlichen Siege dieser Partei ihnen möglicherweise für eine Bescheerung zu Theil werden kann. Die Katholiken (wir sprechen hier immer nur von den Römisch- Katholiken, vulgo Ultramontanen) gehen auf Befehl von Oben in geschlossener Phalanx mit der Demokratie, weil sie wissen, daß sie nur unter deren Aegide ihre künftigen Pläne zur Verwirklichung bringen können. Welcher Art diese Pläne sind, brauchen wir hier nicht zu erörtern, katholische Blätter haben sie des Oefteren unumwunden ausgesprochen und wir haben sie theilweise wiedergegeben, nur wollen wir bemerken, daß es bombenfest steht, daß sie nichts weniger als günstig für die Israeliten sind. Die Letzteren mögen sich ja nicht dem Wahne hingeben, daß sie dadurch, daß sie ebenfalls die Demokratie unterstützen, 41