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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1876-10-03 · Heft 40 (3.10.1876) · p. Seite 650

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
40 (1876)
Issue
Heft 40 (3.10.1876)
Date
1876-10-03
Page
Seite 650 (sequence 12)
Language
German
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650 recht zahlreich die Collegen aus beiden Provinzen, einige berufseifrige sogar aus der Provinz Kurhessen, eingefunden hatten, mit einer kurzen und kernigen Ansprache, wie wir solche seit Jahren an ihm gewohnt sind. Aus dieser Ansprache heben wir hervor, daß vor 12 Jahren die Conferenz in Bielefeld getagt habe, daß während dieser Zeit einige wackere Collegen unter dem Rasen ihren Ruheort gefunden, andere ausgewandert sind, und noch andere dem Stande entsagt haben, daß man aber nichtsdestoweniger getrost in die Zukunft blicken dürfe, da ein erfreulicher Nachwuchs an die Stelle getreten ist. Hierauf begrüßte der Präses des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herr Frankenstein, Namens der Gemeinde, in gemüthvoller Ansprache die zur Conferenz erschienenen Lehrer, und widmeten nicht nur der Vorstand, sondern auch einzelne Mitglieder der Gemeinde den Verhandlungen ununterbrochen ihre theilnehmende Aufmerksamkeit. Dasselbe ist auch von einigen Rectoren der Bielefelder Schulen zu constatiren. Präs. Blumenau trug hierauf den Geschäftsbericht vor, aus dem wir hervorheben, daß im Jahre 1864 der Caffenverein 3*2 Mitglieder zählte, jetzt aber 65. Augenblicklich zahlt derselbe 45 wirkliche Mitglieder; denn ausgeschieden sind: durch den Tod durch Auswanderung 5, durch Ausscheiden aus dem Amte 5, durch Ausschluß 2, durch Dienstunfähigkeit I Mitglied. Das Vermögen des Vereins betrug nach t ^jährigem Bestände 1995,15 Mark und beträgt heule 28.800 M., und wird nach Hinzukommen der in Aussicht stehenden Zinsen und Collecten am Ende d. I. wohl 30,000 M. betragen. Die Caffe ist seit 1872 thälig. Sie hat gezahlt an Unterstützungen im Jahre 1872 1 «92 Mark, 1873 1395 Mark, 1874 1728 Mark, 1875 1863 Mark, 1876 1890 Mark, welche Unterstützungen an sechs Familien mit 35 Quoten vertheilt wurden. Jährliche Beiträge zahlen an die Casse 23 Gemeinden und Vereine, und zwar Aachen 7 5 M., Ahlen 22WR., Bielefeld 90 M., Bocholt 15 M., Bochum 30 M., Bonn 15 M., Bünde 15 M., Dortmund 30 M., Elberfeld 75 M., Essen 45 M., Güterslohe 15 M., Haltern 15 M., Herford 30 M., Jülich 15 M., Kempen 15 M., Linz 12 M., Minden 15 M., Münster 30 M., Neuenkirchen 15 M., Rheda 15 M., Rheine 15 M., Steinheim 21 M., und Wittich 15 M.; Zuschuß vom jüd. Gemeinde- Bund in Leipzig 45 M., regelmäßiger Beitrag des Herrn Prof. Lazarus in Berlin 15 M., von Herrn S. Rothschild-Berlin 75 M., durch denselben aus dem Rothschild'schen Armenfonds 75 M., und von Herrn Kaufmann Philippson-Köln 15 Mark; Summa 880,50 M. Vergleicht man diese Beiträge, so ergiebt sich, daß kleinere Gemeinden sich auszeichnen, während die größeren durch Abwesenheit glänzen. Als Ursache dieser auffallenden Erscheinung wurde die Verfassung der betreffenden Gemeinden und Mangel an nöthiger Anregung angegeben. Es ist aber durchauserforderlich, daß,will man denbeklagenöwerlheu Fall der Verminderung der Quoten verhindern, daß Lehrer und Lehrerfreunde jede Gelegenheit ergreifen, um das Interesse der Caffe zu fördern. Herr Gossel (Camen) trug nun sein Referat vor: „Wie das Kind zum Denken angeleitet werden?" Der Referent hatte das Thema mit vielem Fleiße bearbeitet, wofür ihm die Conferenz ihre Anerkennung aussprach, ohne eine Debatte daran zu knüpfen. Eine sehr lebhafte Debatte dagegen rief der Vortrag ves Herrn Liepmannssohn —: „Wie ist es bei der Fülle des geschichtlichen Stoffes, den die Volksschule zu bewältigen hat, möglich, die nachex. Geschichte in der israelitischen Schule zu behandeln?" — hervor. Der Referent, hatte eine gediegene Arbeit geliefert und am Schluffe folgende Thesen ausgestellt: 1) die nachex. Geschichte ist im hohen Grade geeignet, bei unserer Jugend Liebe, Anhänglichkeit und Ehrfurcht vor ihrer angestammten Religion zu erwecken, sowie den Sinn für Einigkeit und den daraus sich ergebenden Gemeinsinn zu heben, und muß daher in der jüdischen Schule gelehrt werden; 2) die wichtigsten Begebenheiten aus der nachex. Geschichte sollen die Schüler auf dem Wege der Association mit verwandten Fächern, in erster Linie mit Weltgeschichte, Vaterlandskunve, Geographie und Religionslehre, kennen lernen; im letzten Schuljahre tritt jedoch, wo es die Verhältnisse gestatten, an Stelle der Bibel ein systematischer Unterricht in der nachex. Geschichte, dem die Aufgabe zufällt, das auf dem Wege der Association den Schülern bisher Vorgeführte zu ordnen und zu ergänzen; 3) eine geschickte Verbindung der nachex. Geschichte mit den verwandten Fächern wird das Interesse für letztere nur noch erhöhen, was auf das Resultat des Unterrichts nicht ohne wohlthätigen Einfluß bleiben kann. Alle drei Thesen wurden einstimmig angenommen, jedoch mit der Bemerkung, daß These drei schon in These zwei enthalten sei. Hieran schloß sich der Borttag des Herrn Loeb-Köln: „Wie müssen die Borträge in den Chebroth beschaffen sein, um belehrend und erbauend zu wirken?" College Loeb hatte eine an Form und Inhalt gelungene Abhandlung geliefert, die ebensowohl von bedeutender Sachkenntniß — die einschlägige Literatur hatte eine ausführliche Berücksichtigung gefunden — als auch von einem tief religiösen Gemüthe den Beweis lieferte. Begeisternd wirkte daher auch dieser Vortrag, wovon auch die sehr lebhafte Debatte zeugte, indem die schließlich zu dem Resultate führte, daß jeder College, ver solche Vertrage zu halten in der Lage sei, mit allen Kräften dahin streben müsse, die vom College« Loeb gesteckten Ziele zu erreichen. Die freien Besprechungen, die sich um die Maßnahmen der verschiedenen Regierungen in Betreff der jüdischen Schulen drehten, die in Münster zeigt sich sehr rücksichtsvoll gegen dieselben, die in Düsseldorf hat mehrere jüdische Schulen aufgehoben, die in Arnsberg die beanttagte Oeffentlichkeitserklärung einer

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