Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1876)
- Date
- 1876-10-03
- Page
- Seite 649 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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649 beugen. Generalconsul v. Calice gab sich mit der an den Procuror dieses Obergerichtes allein erlaffenen Belehrung nicht zufrieden, indem hierdurch irrigen oder übelwollenden Proceduren ähnlichen Art auch bei anderen Tribunalen nicht vorgebeugt wird. In Folge deffen erließ nun Iustizminister Statescu an sämmtliche Procuroren des Landes ein Circular, worin dieselben angewiesen werden, das Conventionalrecht der österreichisch-ungarischen Angehörigen, ob sie Christen oder Israeliten seien, in allen feinen Rechtsfolgen zu respectiren, mit der Androhung, daß gegen renitente Richter im Disciplinarwege strengstens vorgegangen werden würde. Afrika. Wien, 21. Sept. Der Vorstand der spanisch-poriugiesischen Großgemeinde zu Tripolis vereint mit dem Großrabbiner der Juden in der Berberei haben im Namen ihrer Glaubensangehörigen Herrn Ignaz Deutsch in Wien ein an den Kaiser von Oesterreich gerichtetes Gesuch übersendet mit der Bitte, Herr Deutsch möge dasielbe überreichen. In dem betreffenden Majestätsgesuch, welches in hebräischer Sprache abgefaß ist, wird hervorgehoben, daß seit der Reise des Kaisers nach Palästina sich der Ruf von desien Liebe und Gerechtigkeitssinn für alle feine Staatsangehörigen auch in Asien und Afrika verbreitet habe. Da nun in Tripolis kein österreichisches Consulat besteht, ersuchen die Bittsteller, daß ein in ihrer Milte durch Geist und Wißen hervorragender, reichbegüterter Mann zum unbesoldeten kaiserlichen Consul ernannt werde, damit nicht nur die Handelsinteresien Oesterreichs daselbst gewahrt, sondern auch die Juden von Tripolis und der Berberei in ihren Rechten geschützt werden. I e 11 i l Oie Juden in Bremen. | i Es giebt wohl wenige Städte in Deutschland, in denen die Juden stets so rar gewesen sind wie in Bremen. Zwar! wird schon um die Mitte des 11. Jahrhunderts ein zum Christen-! thum bekehrter und nach Bremen gekommener Jude Namens! Paulus erwähnt, den der bremische Erzbischof Adalbert eine Zeit; lang zur Goldmacherei und zu ähnlichen Künsten gebraucht haben soll, aber Beispiele nach Bremen gewanderter Juden finden sich j nicht. In Bremen, diesem „kleinen Rom des Nordens", war den Juden die Niederlassung schon durch sehr alte Verordnungen verwehrt. Selbst blos durchreisende Juden waren in Bremen in ihrer freien Bewegung stets sehr behindert. Sie durften höchstens eine Nacht in der Stadt bleiben, mußten sich dann jedes Mal beim präsidirenden Bürgermeister melden und ihm für die eingeholte Erlaubniß einen „Judenzoll" entrichten. Nur während des sogenannten „Freimarkles" durften sie länger in der Stadt weilen und handeln, mußten dafür aber ebenfalls eine besondere Abgabe zahlen. Nichtsdestoweniger haben die Juden, die seit dem 16. Jahrhunderte in den hannoverischen Städten der Umgegend zahlreicher geworden waren, mit ihren Bemühungen festen Fuß in Bremen zu fassen, nicht nachgelaffen. Einige Male wußten sie sich auf allerlei Schleichwege, wie Herr Kohl sich ausdruckt, l) in der Stadt einzunisten, wurden aber dann durch einen Raths- und Bürgerbeschluß wieder zum Thore hinausgewiesen. Jni Anfänge des 19. Jahrhunderts uberkam Bremen mit einem Paar damals von Hannover zurückcedirten Dörfern auch >) Zeitschrift für deutsche Cutturgeschichte, neue Folge, 1872, S. 74. l e t o n. einige in diesen Dörfern angefiedelte jüdische Familien. Gleich darnach, im Jahre 1803, beschwerte sich die bremer Kaufmannschaft darüber beim Rache, daß es „wieder" mehrere Juden und andere Fremde in der Stadt gäbe, welche das Kippern und Wippern, das Beschneiden der Gold- und Silbermünzen betrieben, und die Juden, die man damals in der Stadt fand, wurden in Folge desien ausgewiesen. Während der Zeit der französischen Occupation von 1811 bis 1813, die den Juden sehr günstig war, siedelten sich etwa 30 jüdische Familien in Bremen an. Doch wurden auch diese nach 1814 in Felge der Wiener Beschlüße und der Wiederherstellung der alten Ordnung und Verfasiung abermals aus der Stadt vertrieben, was sich freilich nur allmälig im Verlause von 6 Jahren bewerkstelligen ließ. Endlich in neuester Zeit, seit 1848, ist man in Bremen auch gegen die Juden toleranter geworden und so hat denn die Stadt in den letzten Jahren wieder eine bleibende Gemeinde von Israeliten erhalten. Correspondenz. Lehrerconferenz. Erwitte, 13. September. Die rheinisch-westphälisch-israelitische Lehrerconferenz hat fast drei Jahrzehence segensreicher Wirksamkeit hinter sich und zu den jüdischen Lehrerconferenzen in und außerhalb des Vaterlandes theils Veranlasiung, theils Vorbild abgegeben. Am 4. d. M. um '9 Uhr Morgens eröffncte der langjährige, verdienstvolle Präses dieser Conferenz. Herr Lehrer Blumenau- Bielefeld, nachdem er Liepmannssohn und Schreiber dieses zu Schriftführern ernannt, die diesjährige Versammlung, zu der sich 4"*