Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 40 (1876)
- Issue
- Heft 40 (3.10.1876)
- Date
- 1876-10-03
- Page
- Seite 646 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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646; S3'- s ' tr?V tl! W v. Altona, 13. Sept. (Privatmitth.) Heute wurde der renovirte Tempel der hiesigen portugiesischen Gemeinde eingeweiht. — Eine einfache und würdige Feier vereinigte in demselben wie seit Jahren selten daselbst ein größeres Publikum. Der achtzigjährige Cantor, Herr Moses Piza, eine allgemein hier geachtete Persönlichkeit, der Vater des Redacteurs der Reform und Cantors der Reformgemeinde < Herrn l>r. I. Piza) leitete die Feier. Trotz seines hohen Alters trug der rüstige Greis mehrere Psalmen und Gesänge theilweise als Soli mit wohltönender und kräftiger Stimme vor. Nachdem die Runde gemacht worden war mit den Gesetzesrollen, beschloß das Gebet für Len Kaiser und ein Mlscheberach für alle Gemeinden Israels, sowie speciell für die Altonaer Gemeinde und deren Leiter die würdige Feier. Die Gemeinde, welche früher einmal eine der größten portugiesischen Gemeinden Deutschlands war, ist bis auf einige Mitglieder jetzt zusammengeschmolzen, und hiervon sind einige auch nicht portugiesischer Abstammung, sondern echte Tedesco's. Ein ähnliches Schicksal traf die portugiesische Gemeinde in unserer Nachbarstadt Hamburg. Auch diese wird täglich kleiner, besonders seitdem die Tempelgemeinde sich constituirt hat. — Bekanntlich durften früher nur Juden portugiesischer Abstammung in Hamburg wohnen. Die Tedesco's kamen zuerst nur unter der Firma M'schorssim «Diener) dieses oder jenes Portugiesen nach Hamburg. Jetzt hat sich das Blatt gewendet und die Tedesco's bilden die überwiegende Mehrheit. Sic iransii jtloria imimli. Die Portugiesen, d. h. Juden portugiesischer oder spanischer Abstammung, nennen jeden andern Juden, mag derselbe nun aus den Steppen Rußlands, den Pußten Ungarns oder den Gefilden Frankreichs stammen, „Tedesco", ähnlich, wie der Vollblut-Magyare jeden Deutschen verächtlich „Schwöb" (Schwabe) nennt. Fürth, 15. Sept. (Privatmitth.) In dem Leitartikel zu Nr. 24 Ihrer geschätzten Zeitung d. Judenth. weisen Sie nach wie schon im Jahre 18 l 8 die erste Reform des jüdischen Gottes dienstes in Hamburg geschah, welcher alsbald mehrere Gemeinden folgten. Auch in der hiesigen leuchtete der Strahl der Aufklärung aus jenen Städten herüber, wo das reformirte Judenlhum nach den Principien eines Mendelssohn, Jacobsohn und sonstiger verdienter Männer sich Bahn gebrochen. So wurde denn in den 30er Jahren durch den Later der deutschen Predigt in Bayern, den sel. Oberrabbiner Nr. Löwi, in hiesiger Hauptsynagoge eine Reform des Gottesdienstes eingefühlt, die, wenn auch von unsrem jetzigen Standpunkte aus ungemein zahm, zur damaligen Zeit bedeutend gewesen und einen derartigen Kampf herbeiführte, daß die weit bekannten Borgange und Anklagen gegen L. derselben L.'s das Zugeständniß gemacht wurde, die Gemeinde über den gesetzmäßig und rechtskräftig angestellten Rabbiner auf's Neue abstimmen zu lasten, wobei L. zwar den Sieg errang und in 'einer Stellung verblieb, zugleich aber den Auftrag erhielt, keine weitere Umgestaltung des gottesdienstlichen Lebens zu bethäligen. So hatte es bei den damaligen Reformen sein Verbleiben und 42 Jahre sind indeß verfloffen, ohne daß an letzteren eine Aenderung eingetreten. Inzwischen hatte sich in der religiösen Anschauung und ihrer Geschmacksrichtung Vieles und Großes verändert, und so mußte auch der Cultus nothwendig andere Formen annehmen, um nicht nur für die Betheiligten den rechten Ausdruck ihrer Ueberzeugung darzubieten, sondern auch den Bedürfnisten der Jugend, wie diese jetzt einmal allgemein erzogen wird, gerecht zu werben, indem man sich der Gefahren bewußt gewesen, welche aus der Unterlaffung dieses wichtigsten Momentes des Gemeindelebens entspringen werden und zum Theil vorhanden waren. Einführung der Orgel, Verkürzung des Gottesdienstes und Verbindung der hebräischen mit der Landessprache im letzteren mußten die leitenden Grundsätze sein, von denen man dabei auszugehen hatte, und diese drei Momente sind nun im Gottesdienste an der hiesigen Hauptsynagoge erfüllt. Freitag den 11. April 1873 wurde das die Andacht fördernde, erhabene Tonwerkzeug zum erfienmale gespielt, um zur Hebung der Gemüther feine belebenden Tonwellen schwingen zu lasten, und seit letztem Succos ist der Gottesdienst an Samstag und Festtagen gekürzt. Die meisten Psalmen im Schachrith Gebet werden ausgelassen, von der Sidra wird nur ein Theil vorgelesen, während der übrige Nachmittag, Montag und Donnerstag zum Bortrage kommt. Ferner wurde der Verbindung der hebräischen mit der Landessprache dadurch Rechnung getragen, daß ebenfalls von Succos an das Mi scheberach und Hanothen theschua, beides zeitgemäß umgestallet, auf deutsch vorgelesen wird, sowie auch die Haphtarah, und eine beifällig aufgenommene und allseitig befriedigende Einrichtung ist es, daß letzterer eine kurze Erläuterung des Inhalts folgt. Sehr angemessen wäre es auch, wenn unsre strebsamen Vorstände und Rabbinat bezüglich des Aufrufes zu Thora eine Aenderung in der bisher festgehaltenen Uebung dadurch eintreten lassen würden, daß die zur Thora Gerufenen bei dem Ausheben derselben ihre Plätze nächst dem Al Memor einnehmen und dann der Reihe nach ab- und zutreten. Auf diese Weise würde das störende Hin- und Herlaufen, das damit verbundene Warten und Geräusch vermieden, welche Unzukömmlichkeiten bei der wachsenden Bildung und feineren Geschmacksrichtung stets fühlbarer werden, und es hat sich diese moderne Einrichtung in vielen Gemeinden so sehr chewährt, daß man sie mit der früheren nie mehr vertauschen wollte. Wir glauben daher, daß diese Andeutung genügt, Anlaß zur Erwägung des Vorschlags zu geben, woraus außerdem das Maß von Begeisterung für Verbesserung des Cultus sich kundgeben dürfte. auf dem Fuß folgten. Das Resultat war, daß den Gegnern j wenn zuweilen ein herausforderndes Signal dazu veranlaßt. ih;